Gíthio – östliches Tor zur Máni

Die kleine Hafenstadt Gíthio (4.500 Einwohner) ist das Eingangstor zur Máni (dem Mittelfinger des südlichen Peloponnes), wenn man aus Richtung Sparta kommt.

Ein unaufgeregtes Städtchen, zumindest an diesem späten Septembertag 2026, als wir einen Kaffeestopp einlegen und einen Rundgang durch den Ort unternehmen. Das heißt vor allem: an der Uferpromenade entlanggehen. Der Tourismus gibt den Takt vor, überall laden Cafés und Restaurants zum Verzehr ein.

Der Hafen spielt nicht nur als Fährhafen eine Rolle, sondern offensichtlich auch noch für die Fischerei. Die kleinen Fischerboote sind eine Augenweide, wie sie sanft im klaren Wasser schaukeln und tanzende Spiegelbilder erzeugen.

Ein Fischrestaurant hat eine besondere Form der Werbung entwickelt: Es hat Octopusarme aufgehängt, die – so ist nachzulesen – mit Wucht auf die Kaimauer geschlagen und dann in die Sonne gehängt werden, auf dass sie zarter und angenehmer im Geschmack werden.🤔

Die lange Hafenfront hat neben der Gastronomie noch einige Läden zu bieten. Eher geschäftig geht es auf der Platía im nordwestlichen Eck des Hafenbeckens zu. Hier scheint sich das einheimische Leben zu konzentrieren.

Begibt man sich in die Häuserreihe hinter der herausgeputzten Hafenfront, entsteht der Eindruck, dass hier zwar viel schöne Bausubstanz, beispielsweise osmanische Häuser mit Holzbalkonen, vorhanden ist. Aber der Renovierungsbedarf ist bedrückend augenfällig.

Zu den häufig besuchten Orten in Gíthio gehört die Insel Kranái, die Insel der Liebenden. Sie ist seit 1998 über einen Damm mit dem Festland verbunden.

Sie lädt zu einem Spaziergang zum Leuchtturm ein.

Etwa auf halbem Weg passiert man den Pírgos Tzannetákis (1829), einen für die Máni typischen Wohnturm. Er beherbergt ein kleines Museum, das zum Zeitpunkt unseres Besuchs geschlossen war.

Der besondere Charme der Insel Kranái besteht in ihrer mythologischen Überhöhung. Denn hier sollen Prinz Paris und die von ihm entführte Königin Helena ihre erste Liebesnacht verbracht haben, bevor sie sich nach Troja begaben. Es folgte der Trojanische Krieg, der mit Paris‘ Tod und Helenas Flucht nach Rhodos endete.

Kultiges Schiffswrack am Valtáki Beach bei Gíthio

Im nordöstlichen Teil von Máni, dem Mittelfinger des Peloponnes, lädt kurz vor Gíthio ein imposanter Haufen Schrott zum Erkunden und Fotografieren ein: die „Dimitrios“. Das Wrack ist von weither sichtbar – und ganz offensichtlich schon längst kein Stein des Anstoßes mehr.

Da liegt sie, und da bleibt sie: das Wrack Dimitrios.

1980 löste sich das Frachtschiff bei stürmischem Wetter vom Hafenkai in Gíthio und trieb einen Monat im Lakonischen Golf herum, bis es dort auf Grund lief, wo es noch heute liegt. Es heißt, das Schiff sei in Tabakschmuggel zwischen der Türkei und Italien verwickelt gewesen. Und zum Zwecke der Beweisvernichtung sei an Bord Feuer gelegt worden. Sicher ist, dass sich für die sachgemäße Verschrottung niemand zuständig fühlte …

Und heute ist das Geisterschiff Kult, sicherlich auch durch die sozialen Medien.

Wie zu erwarten haben sich auch ein paar Sprayer an der Dimitrios versucht. Ob es sich dabei um „Ship Art“ handelt, mögen andere beurteilen. Auf jeden Fall hat man Farbe ins rostige Einerlei gebracht.

Und dabei auch Humor bewiesen: Wer rastet, der rostet. 😉

Steine mal anders – der Geopark Agíos Nikólaos

Das war mal wieder ein Tag wie ein Sahnetörtchen.

Es fing schon mit der Fahrt von Monemvasiá (im Südosten der Halbinsel Kavi Malea des Peloponnes) in die Südspitze zum Geopark Agíos Nikólaos an. Es ging zumeist an der Küste entlang, immer wieder in Serpentinen mit herrlichem Blick aufs (Mirtoische) Meer. Wenig Verkehr. Wir konnten uns kaum sattsehen an dieser schillernd-blauen Weite und dem felsigen Küstensaum.

Kurz vor dem Ziel veränderte sich die Landschaft. Wir fühlten uns erinnert an bestimmte Regionen im mittleren Westen der USA: große Felsbrocken säumten den Weg.

Im Geopark angekommen ging‘s noch ein paar hundert Meter eine Rüttelpiste hinunter, dann mussten wir das Auto abstellen und den Weg zu Fuß fortsetzen.

Schon auf den ersten Metern fiel uns auf, dass in den Weg zur Küste dieses Freilichtmuseums viele Muscheln „eingebacken“ waren. An den Felsen am Wasser angekommen sah man schon gleich die versteinerten Baumstümpfe – faszinierend! Es handelt sich um die Reste eines fossilen subtropischen Palmenwaldes, der hier vor zwei bis drei Millionen Jahren stand. Die Maserung und das Wurzelwerk der Bäume sind zum großen Teil noch gut zu erkennen. Die Entstehung dieses Steinwalds geht auf Vulkanausbrüche und tektonische Prozesse zurück.

Das allein war schon sehr beeindruckend. Wir setzen unsere Wanderung noch ein kurzes Stück fort, vorbei einer Felswand.

Danach entdeckten wir eine eine kleine Sandbucht, etwa 100 Meter lang. Und sofort stellte sich bei uns ein gemeinsamer Impuls ein: Da müssen wir hin!

Und das gelang uns dann auch. Mit ein wenig Kraxeln über die Felsen – darin sind wir nach unseren vielen Kroatien- Urlauben geübt 😉.

Ein paradiesisches Plätzchen, das wir zunächst mit ein paar Gleichgesinnten teilten, und schließlich ganz allein für uns hatten. Der Sanduntergrund reicht weit ins Meer hinein, Badeschuhe waren also nicht erforderlich.

Es war die pure Wonne, in dieses glasklare Wasser einzutauchen.

Was für ein Tag.🙏

Mistrás – Lost Place mit viel Geschichte

Inzwischen sind wir in Lakonía angekommen, dem Südostzipfel des Peloponnes. Wir fahren in Richtung des weltbekannten Sparta, das in der Antike der große Gegenspieler von Athen war. Bei diesem Duo hat Sparta die Rolle der harten Militärregierung mit einer perfektionierten Kriegsmaschine, Athen die der liberalen Demokratie. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Athen heute noch über eine Vielzahl an antiken Bauwerken verfügt, während es vom alten Sparta nur noch ein paar eher unbedeutende Ruinen gibt. Das heutige Sparta wurde nämlich erst in den 1830er-Jahren auf Betreiben des wittelsbachischen Königs Otto I. von Griechenland gegründet – und geplant von einem bayerischen Architekten.

Deshalb fahren wir auch einfach an Sparta vorbei. 😊

Unser Ziel ist Mistrás, die als UNESCO–Weltkulturerbe ausgewiesene byzantinische Ruinenstadt, etwa 10 Kilometer westlich von Sparta gelegen. Dabei bewegen wir uns auf das Taígetos–Gebirge zu, das aus der Entfernung wie eine große Wand erscheint, sich dann aber als zerklüftete Bergregion erweist.

Wir steuern einen Campingplatz an, auf dem wir für die Nacht einen kleinen Bungalow gemietet haben. Etwas beengt, aber alles sauber und mit dem Nötigen ausgestattet. Auch das Camping-Feeling gefällt uns … Heute dominieren eindeutig die Franzosen, die mit einer größeren Gruppe von Wohnmobilisten fast alle Plätze belegt haben.

Das moderne Mistrás bietet alles, was der Tourist braucht, ohne viel Schnickschnack.

Uns ist am nächsten Morgen klar, dass das ein anstrengender Tag wird. Denn das alte, verlassene und historisch interessante Mistrás ist eine Geisterstadt riesigen Ausmaßes und erstreckt sich am Berg über mehr als dreihundert Höhenmeter. Im Tal liegt ein kleiner Ort mit gleichem Namen, der über eine gut organisierte touristische Infrastruktur verfügt. Hier frühstücken wir, parken das Auto und begeben uns auf den Fußmarsch, ungefähr drei Kilometer zum unteren von insgesamt zwei Eingangstoren.

Man sollte mindestens vier Stunden für einen Besuch einplanen, gut zu Fuß sein, unbedingt solides Schuhwerk tragen und Proviant und ausreichend Wasser mitnehmen.

Wer viel sehen will, muss viele Treppen steigen.😐

Mistrás, Mitte des 13. Jahrhunderts von einem fränkischen König gegründet, wurde bald von den Byzantinern erobert und fiel dann in die Hände der Osmanen. Um 1700 hatte die Stadt um die 42.000 Einwohner. Während des griechischen Freiheitskampfes (1821-1829), bei dem es um die Befreiung der Griechen von den Türken ging, wurde Mistrás so stark zerstört, dass ein Wiederaufbau nicht mehr in Frage kam. 1953 verließen die letzten Bauernfamilien den Ort.

Die vormalige Metropole bietet ein besonderes Landschafts- und Kulturerlebnis. Die Fülle an Wohngebäuden, Wegen und Straßen, sakralen und weltlichen Bauten ist überwältigend. Vieles ist mehr als halb verfallen, aber einige Gebäude sind gut restauriert und legen Zeugnis ab von der einstigen Pracht der Stadt.

Der Blick über die Stadt, das Tal und die weite Landschaft ist an einem sonnigen Tag fantastisch.

Metropolis des hl. Demetrius

Despotenpalast

Ausstellung im Despotenpalast

Einen besonders nachhaltigen Eindruck hat bei uns die einzige noch bewohnte Anlage auf dem Areal hinterlassen: das Kloster Pandanássa. Hier halten ein paar schwarz gekleidete Nonnen die Stellung. Ein Ort der Stille und der Einkehr (zumindest bei unserem Besuch). Der Bau stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die gut erhaltenen Fresken der Klosterkirche in ihrem oberen Teil aus dem 15., im unteren Teil aus dem 17./18. Jahrhundert.

Im Kloster Pandanássa hätten wir es durchaus noch etwas länger aushalten können, aber schließlich obsiegten nach der Anstrengung doch die weltlichen Genüsse …

Náfplio du Schöne!

Der Ruf der 14.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Náfplio (Nauplio) geht weit über die Grenzen der Provinz Argolída und der Halbinsel Peloponnes hinaus. Schon der Taxifahrer, der uns zur Abholstation unseres Mietwagens fuhr, hatte bei Erwähnung des Ortes leuchtende Augen und empfahl, untermalt von beidhändigen Gesten bei voller Fahrt, dringend einen Besuch. Und auch in unserem Reiseführer ist von „der schönsten Altstadt des griechischen Festlandes“ die Rede.

Also hin. Wir haben drei Nächte in einer zentrumsnahen Ferienwohnung gebucht – und teilen jetzt die Begeisterung für das Städtchen: tolle Altstadt mit verwinkelten Gässchen, mehrere zum Verweilen einladende Plätze, ein große Fülle an griechischen Restaurants und Tavernen, ansprechende Geschäfte und Boutiquen, Museen und Galerien, Hafenpromenade mit vielfältigem (und preislich moderatem) gastronomischem Angebot und – last but not least – gleich zwei veritablen Festungsanlagen. Und auch die Bademöglichkeiten überzeugen.

Wir halten uns an die bewährte Devise „schlendern und schauen“ und legen dabei immer mal wieder eine Pause ein, für einen Cappuccino, ein kühles Bier, eine kleine Zwischenmahlzeit und ein Abendessen mit griechischem Ambiente.

In der Ferne erhebt sich die Festungsanlage Palamídi.

Komboloi sind Perlenketten unterschiedlichster Art, die griechische Männer zum Zeitvertreib nutzen – ohne religiöse Bedeutung.

Die Festung Boúrtzi, im Einfahrtsbereich des Hafens, heute ein Touristen-Magnet. Einst schützte sie die Stadt vor seeseitigen Angriffen.

Náfplio ist nicht einfach nur schön anzuschauen. Die Stadt kann auch mit ihrer historischen Bedeutung punkten. Schließlich ist sie die erste Hauptstadt (1828-1834) Griechenlands nach der Befreiung von den Osmanen. Die kleine Kirche Ágios Spirídonos war Schauplatz eines Attentats auf den ersten griechischen Premierminister Ioánnis Kapodístrias, der hier 1831 von zwei Manioten erschossen wurde. Am Südportal der Kirche sieht man noch ein Einschussloch.

Auch deutscher Einfluss spielt in Náfplio eine nicht unmaßgebliche Rolle: 1831 übernahm der Wittelsbacher Prinz Otto als König die Regentschaft als erster neuzeitlicher König. Ihm wurde 1995 (!) eine Statue gewidmet.

Deutschen wie auch griechischen Fußballfans dürfte eher ein anderer „König Otto“ in Erinnerung sein. Dem deutschen Trainer Otto Rehagel gelang 2004 eine der größten Überraschungen der Fußballgeschichte: Er führte die griechische Nationalschaft zur Europameisterschaft. Dafür verehren ihn viele Griechen noch heute.

Und aus all diesen Gründen sollte Náfplio unbedingt zum Besuchsprogramm des Peloponnes gehören.

PS: Ein bisschen Streetart gibt‘s in Nafplío auch, aber die ist sehr überschaubar.

Ungelenkes Graffiti sowie Schmierereien sogar auf historischen Gebäuden findet sich im Straßenbild leider zuhauf.