Bootstour von Ugljan (ggü. von Zadar) in die Kornaten

Wir sieben besteigen das Boot und wissen von Anfang an, dass dies ein richtig guter Tag wird. Miro, kroatienstämmig und ortskundig, hat die Tour organisiert. Er betreibt im normalen Leben ein Restaurant im ostfriesischen Ostrhauderfehn (Landkreis Leer). Aber heute ist er unser Kümmerer, er weiß geradezu intuitiv, woran’s gerade fehlt und hat es bereits gerichtet, bevor andere merken, woran es denn hapern könnte.

Zwei, die wissen, wo’s langgeht: Ante und Miro.

Miro klärt noch ein paar letzte Kleinigkeiten mit unserem Skipper Ante. Dann steuert dieser seinen Kahn souverän-lässig ins freie Wasser, eine verspiegelte Pilotenbrille auf der Nase und eine dünne Selbstgedrehte im Mundwinkel. Cooler Typ. Hin und wieder verschwindet er anfangs noch unter Deck, um noch etwas zu holen – zuletzt schafft er eine Lautsprecherbox herbei und reicht einem aus der Gruppe sein Smartphone, damit dieser eine Spotify-Playlist zusammenstellen kann. Sie beginnt mit Reiner Irrsinns Gassenhauer „Eine weiße Rose“ und endet mit dem ACDC-Hammer „Highway to Hell“ – eine ziemlich bunte Mischung also. Alles kann, nichts muss …

Wir tuckern munter dahin. Die Sonne wärmt an diesem Mittseptembertag, ohne zu brennen. Ein leichtes Lüftchen streicht uns über die Haut. Im Zwerchfell spürt man das sonore Wummern des alten Dieselmotors. Abhängig von der Sitzposition weht einem ab und an ein Abgashauch an der Nase vorbei. Die große Kühlbox mit dem Klappdeckel ist bis bis zum Rand gefüllt mit kühlen Getränken. Wenn das keine guten Voraussetzungen für einen perfekten Tag sind …

Wir schippern in südlicher Richtung die Küste entlang, mit Blick auf Zadar auf der Backbordseite, auf Steuerbord liegt die Ostseite von Ugljan. Es geht vorbei am Fährhafen Preko und an Kukljica, dann unter der Ždrelac-Brücke hindurch – eine 210 m lange Durchgangsbogenbrücke, die seit 1972 Ugljan mit der Nachbarinsel Pašman verbindet.

Inseln, immer wieder Inseln, manche bewohnt, groß und klein, vollkommen nackt und karg, spärlich grün oder ein bisschen bewaldet …

Wir steuern auf den Nationalpark Kornati zu, der insgesamt etwa150 Inseln umfasst. Die Kornaten sind die größte und dichteste Inselgruppe (von denen einige nur wuchtige Felsklippen sind) der kroatischen Adria. Sie sind verkarstet und zeichnen sich durch eine besondere Kargheit aus.

Viele Inseln bedeuten gleichzeitig unzählige Buchten, wo man einfach den Anker herunterrasseln lässt und ins Meer springen kann. Zuerst ein leichtes Zögern, weil man meint, dass das Wasser vielleicht zu flach ist, schließlich sieht man den Meeresboden so deutlich. Aber dann kommt die Erkenntnis, dass das einfach nur bedeutet, dass das das Wasser kristallklar ist. Es glitzert leicht grünlich, und es ist die reine Wonne, beherzt von Bord zu springen und sich mit diesem herrlichen Nass zu umgeben. „Wie in der Karibik, Wahnsinn!“ ruft einer aus der Gruppe und fasst damit unsere Empfindungen passend zusammen.

Ein erstes kühles Bier, ein wohltemperiertes Glas Wein. So allmählich stellt sich der Hunger ein, es geht auf Mittag zu. Und Miro wäre nicht Miro, wenn jetzt nicht eine Konoba am Ufer auftauchen würde, und zwar das Suha Punta auf Otok Kornat. Wir machen längsseits an einem anderen Boot fest und klettern von Bord. Kurze Begrüßung, dann schieben wir zwei Tische direkt am Wasser zusammen. Und schon haben wir die perfekte Kulisse für ein Fischessen erster Güte. Es geht ein bisschen hin und her im Gespräch zwischen dem Kellner und Miro. Fachleute unter sich, da kann man sich nichts vormachen. Dann sind sich die beiden einig. Und wir warten gespannt. Was dann schließlich auf den Tisch kommt, ist eine geschmackliche Sensation für jedermann, der frischen Fisch ohne viel Schnickschnack schätzt. Wir essen, lassen die ganze Szenerie auf uns wirken und schwelgen in dem Gefühl, dass das Leben es offenbar richtig gut mit uns meint.

Einmal auf den Tisch und in die Runde geschaut.
Selbst gefangener Fisch, frischer geht’s nicht.
Miro in seinem Element
Wer möchte Nachschlag?

Auf der Rücktour bestaunen wir schroffe Felsen, an die wir zum Greifen nah heranfahren sowie Inseln, die sich nur ganz allmählich aus dem Meer hervorheben. Und wir legen einen weiteren Badestopp ein, diesmal gesellt sich auch unser Skipper dazu.

Wir sind in Feierlaune. Nicht nur, weil wir beim Bier und beim Wein nachgelegt haben und die Musik die Stimmung unterstreicht. Sondern auch, weil dieser Tag sich so entwickelt hat, wie man ihn sich nur wünschen kann, aber in dieser Form niemals planen könnte. Eben kein Feiertag, sondern ein Feier-Tag.

Ein paar mehr von solchen Tagen vertragen wir schon …

PS: Dieses Erlebnis kam im Grunde durch einen Zufall zustande. Mein Bruder Tjade war auf einem Kurzurlaub mit Kumpeln auf Ugljan, und Eva und ich tourten gerade durch Kroatien. Spontan haben wir ihn bei dieser Gelegenheit besucht.

Zwei aus einem Holz …

Daraus ergab sich für uns die Möglichkeit, an diesem Schiffsausflug teilzunehmen. Ein herzliches Dankeschön an Helmut, Ralf, Wolfgang, Tjade und – last, but not least – Miro, dass wir mit von der Partie sein durften!

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