Ystad – mittelalterliches Fachwerk und Krimi-Kulisse

Ystad, knapp 30.000 Einwohner, ist ein Kleinod in der Provinz Schonen. Kopfsteinpflaster, verschlungene Gassen und über 300 Fachwerkhäuser. Also ein touristisches Muss, wenn man hier in der Gegend unterwegs ist.

Wir hatten ein bisschen Sorge, dass das Küstenstädtchen inzwischen vollkommen im Bann des Wallander-Hypes steht – denn Henning Mankell, der Schöpfer des international bekannten, wortkargen Kommissars siedelt seine manchmal blutrünstigen, immer düsteren Krimis an seinem Heimatort an. Daher gibt es natürlich in Ystad Wallander-Führungen, Wallander-Karten, Wallander-Apps, Wallander-Diverses. Natürlich hat es einen gewissen Charme, genau in dem Café zu sitzen, in dem Wallander gelegentlich seinen Kaffee schlürft und zerknirscht ins Leere schaut.
Aber Ystad ist ein geschichtsträchtiger Ort, der sich über Jahrhunderte entwickelt hat, und der sollte nicht auf eine Fantasiefigur reduziert werden. Und als wir an diesem warmen Juli-Tag durch Ystads Gassen schlendern, spielt Mankells Wallander für uns auch keine Rolle. Wir lassen uns treiben, kaufen auf dem Marktplatz an einem Kaffeestand einen exzellenten Capuccino (mit Kreditkarte kein Problem), setzen uns auf eine Bank und lassen die Menschen an uns vorbeiziehen. Kaum jemand dabei, über den wir nicht irgendwelche, meistens wenig schmeichelnde, Vermutungen anstellen. Ein bisschen lästern kann so schön sein. Und dann machen wir uns auf, schauen uns in zufälliger Reihenfolge die historischen Gebäude und Plätze, die kleinen Läden und Hotels an. Plötzlich schiebt sich ein knallroter uralter Feuerwehrwagen an uns vorbei – in Ystadt werden diese Fahrzeuge eingesetzt, um Touristen durch die Straßen zu schaukeln. Eine nette Idee. Uns ziehen die Innenhöfe der alten Fachwerkbauten magisch an. Einige werden von Cafés und Restaurants genutzt, um ihre Gäste zu verköstigen, andere dienen privaten Zwecken.

Nachhaltig beeindruckend fanden wir den Klosterkomplex Gråbrödraklostret inklusive Obst- und Kräutergarten und Klosterteich. Die Gründung durch Franziskanermönche geht auf das Jahr 1267 zurück. Das Kloster hat über die Jahrhunderte unterschiedlichste Funktionen übernommen. Es diente u.a. als Hospiz, Gemeindekirche und Museum. Und es wird sicher noch eine Rolle spielen, wenn niemand mehr weiß, wer denn nun eigentlich dieser Krimiautor Mankell gewesen sein soll.

2 Kommentare zu „Ystad – mittelalterliches Fachwerk und Krimi-Kulisse

  1. Viel Spaß in Schweden wünsche ich Euch. Ystad, Ales Stenar: Bei mir werden Erinnerungen an 2002 wach,als wir diese Orte zum ersten Mal besucht haben. Aber unterschätzt mir „diesen Krimiautor Mankell“ nicht. Er gehört längst zum schwedischen Kulturerbe und ist ein hochpolitischer Autor, auch in seinen Krimis. Sein Engagement für Afrika ist beispielgebend. Jag önskar er fina dagar
    Andreas

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    1. Lieber Andreas, herzlichen Dank für deinen Kommentar! Was Mankell angeht: 100 % Zustimmung, wir haben auch die meisten seiner Bücher gelesen. Insbesondere „Der Chinese“ war ein echter Augenöffner.

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