Essaouria – flanieren, essen, baden …

Essaouira, 85.000 Einwohner, Touristen-Hotspot am Atlantik, hat eine lange und wechselhafte Geschichte, aber die eigentliche Gründung der Stadt – unter dem Namen Mogador – geht auf das Jahr 1760 zurück, als Sultan Sidi Mohamed Ben Abdallah einem gefangenen französischen Architekten (Thédore Cornut) den Bauauftrag für den Hafen und die Altstadt erteilte. So erklärt sich der an europäische Militärarchitektur angelehnte rechtwinklige Grundriss der Medina (Altstadt), die noch heute vollständig von einer Mauer umgeben ist, – in unserer Wahrnehmung gar keine schlechte Idee, weil man sich bedeutend besser orientieren kann, ohne dass das Flair Schaden genommen hätte. Und die UNESCO scheint das auch nicht gestört zu haben, denn sie erkannte die Medina von Essaouira 2001 als Weltkulturerbe an.

Die frühere Bezeichnung Mogador, die heute nur noch für die vorgelagerte Insel verwendet wird, geht vermutlich auf die Portugiesen zurück, die im 15. und 16. Jahrhundert einige Abschnitte an der marokkanischen Atlantikküste eroberten. In diesem Zusammenhang begannen sie 1506 mit dem Bau von Befestigungsanlagen, auf die auch die heute bei Sonnenuntergangsanbetern so beliebte und mit Bronzekanonen bestückte Mauer zurückgeht.

Wir fanden bei unseren Spaziergängen auch manche Abschnitte auf der Innenseite der Befestigungsmauer sehr attraktiv.

In den späten 1960er-Jahren war Essaouira eine Art Pilgerort für Hippies – die Versorgung mit Nahrungsmitteln sowie vor allem mit Drogen für kleines Geld mag dafür eine Grundlage gewesen sein. Als sich dann auch noch Jimi Hendrix für ein paar Tage in der näheren Umgebung einfand, war der Status Essaouiras als „place to be“ für junge Andersdenkende etabliert. Noch heute umrankt den Ort ein Flair der Leichtigkeit und künstlerisch anmutender Lässigkeit, weshalb Essaouira den Ruf eines Aussteigerund Künstlerparadieses hat.

Eine wichtige Haupteinnahmequellen für Essaouira ist neben dem Tourismus der Fischfang. Im Fischereihafen liegen hunderte von Booten dicht an dicht. Die vom Fang zurückkehrenden Kutter verkaufen ihren Fisch direkt am Kai. Man spürt man unmittelbar, dass Fischerei und Handel als Geschäft betrieben werden – und nicht etwa als touristische Veranstaltung und Kulisse für hübsche Fotos. Der ungeschönte Umgang mit dem Fisch als Ware wirkt für unsere Augen zeitweilig geradezu verstörend. Was im Netz landet, wird auch verwertet – ganz gleich, ob es sich um geschützte Arten (wie zum Beispiel Haie) handelt oder nicht. Auch das Riechorgan hat einiges zu verarbeiten.

Wer also gerne Fisch isst, ist hier definitiv richtig. Das Angebot ist reichlich und von bester Qualität, ob in den Fischrestaurants oder an den Imbissständen. Es ist stets ratsam, den Preis für eine Mahlzeit zu verhandeln, bevor man sich an den Tisch einer Imbissbude setzt.

Als Badeort ist Essaouira nicht nur bei den Marokkanern (vor allem im Sommer) sehr beliebt. Es finden sich zunehmend auch Europäer ein, vor allem Franzosen. Nicht ohne Grund ist die Hafenstadt als „windy city“ bekannt und zieht immer mehr Surfer an.
Für uns war schwer nachvollziehbar, dass bei den meisten marokkanischen Familien die Männer und Kinder ausgiebig in den Wellen herumtollen können – selbstverständlich in normalen Badeklamotten -, während die Frauen offenbar nur verhüllt Sonne und Meer genießen (?) durften. Aber wir haben auch marokkanische Surfer-Gruppen gesehen, bei denen Männlein und Weiblein kaum unterscheidbar waren.
Tja, die Welt ist bunt, aber ein Phänomen ist wohl universell: Alle Menschen schauen in der sommerlichen Abenddämmerung gerne aufs Wasser.

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