Whangarei Falls und Ocean Beach

Inzwischen haben wir uns schon ein wenig an die exotischen Maori-Bezeichnungen gewöhnt, auch wenn wir uns immer wieder fragen, wie man denn diese Zungenbrecher auf Englisch ausspricht. Tja, hier kommen manchmal auch die Experten an ihre Grenzen … Ruakaka, Mangapai, Ngararatanua, Waikaraka, Hikurangi … Wer soll sich das merken? Und mitten drin in diesem Polinesien-Talk plötzlich ein straffes „Portland“ oder „Gumtown“. Wie bringt man das zusammen? Oder kann und soll das einfach so nebeneinander stehen? So wird’s sein.
Wir fahren an der Ostküste der Nordinsel hoch, und zwar mit dem Ziel Cape Reinga. Aber so schnell wie in Deutschland geht das nicht, vor allem nicht mit unserem Dieseldickschiff. Von unserer ersten Campingübernachtung in Ruakaka sind es Luftlinie vielleicht nur 35 km nach Whangarei. Aber das zieht sich. Dort angekommen finden wir ohne größeren Aufwand den Einstieg zur ersten Tageswanderung zu den Whangarei Falls. Der erste Abschnitt führt uns durch den A. H. Reed Memorial Kauri Park, Wir wandern durch den eindrucksvollen Rest eines Kauriwaldes, stauen über ein paar Riesen dieser Gattung. Ein Canopy Boardwalk führt uns durch die Wipfelzone. Uns gefällt die Art der Verzweigung und die häutige Rinde der Kauris sehr. Kauri-Holz ist gerade gemasert, lässt sich leicht bearbeiten und ist sehr stabil. Das ist sicherlich auch der Grund, warum mit der Einwanderung der europäischen Siedler der Kauribestand kontinuierlich stark zurückging. Heute steht der Kauri unter Naturschutz und darf nur noch von einem Maori für rituelle Zwecke gefällt werden.

Wir kommen zum Hatea-Fluss und folgen seinem Verlauf. Wir fühlen uns zeitweilig an heimatliche Flüsse erinnern, auch von der Vegetation her, denn es riecht nach Bärlauch, der hier entlang des Weges ausufernd blüht. Und dann stehen plötzlich mittendrin irgendwelche Palmen und Baumfarne … Das Highlight sind natürlich die Whangarei Falls. Das ist ein imposanter 26 m hoher Wasserfall. Der Rundweg ermöglicht Fotos aus verschiedensten Perspektiven. Wasserfälle üben eine eigene Faszination aus, immer wieder, und das wird nicht der letzte Wasserfall sein, den wir auf unserer Reise fotografieren.

Nach einer kurzen Mittagspause fahren wir zum Ocean Beach. Das ist ein kleiner Ort, der nahe der Spitze einer Landzunge an der Bream Bay liegt. Wir finden den Gedanken ganz reizvoll, jetzt mal eine Nacht „wild“ zu campen. Mit Hilfe von entsprechenden Apps ist das alles kein Problem. Es geht mächtig auf und ab, bis wir am Zielort sind. Wir finden uns auf einem Parkplatz in Strandnähe ein, der in einem ausgewiesenen Bereich eine kostenfreie Übernachtung für „self-contained“ Campingfahrzeuge erlaubt. Das setzt vor allem eine eigene Toilette voraus. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen, wunderbar. Wir gehen zum Strand. Es sind ein paar Wolken aufgezogen, aber das stört uns nicht. Einmal die Füße und/oder Hände ins Wasser gesteckt. Frisch, prickelnd.
Dann geht’s die steilen Felsen hinauf. Wir nehmen Kurs auf eine Radarstation oben am Felsrand. Das bringt den Puls in Schwung. Hoch oben wird der Wald sehr dicht. Ein Weg schlängelt sich hindurch. Wir finden unseren Rhythmus und laufen immer weiter. Hin und wieder gibt der Wald grandiose Blicke aufs Meer oder die Gebirgskette frei. Es ist schon spät und allmählich machen wir uns Sorgen, ob wir vielleicht auf den falschen Trail geraten sind. Der Weg ist stellenweise ziemlich anspruchsvoll. Immer wieder fulminante Steigungen, dann drastische Abstiege, manchmal durch den Schlamm und über rutschiges Wurzelwerk, an manchen Stellen sid auch steile Holztreppen, die Beinmuskeln fangen langsam an zu schmerzen. Zumal man an einigen Stellen regelrecht klettern muss, vor allem abwärts ist das fordernd, gut dass man sich ohne einen Gedanken an giftige Lebewesen an Lianen, Baumstämmen und Ästen festhalten kann. Mit viel Glück schaffen wir den Weg zurück zu unserer Bucht gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit. Dort stellen wir fest, dass wir inzwischen einige Nachbarn haben. Direkt neben uns hat sich ein junges Paar aus Deutschland eingefunden, so um die zwanzig. Die beiden haben sich einen Van gekauft und wollen ein Jahr Neuseeland bereisen. Mindestens. Und dann vielleicht Australien. Oder Südostasien? Mal sehen, was sich ergibt. Eventuell auch alles.
Das haben wir nun schon öfter erlebt. Junge Leute im Abi-Alter, die ein altes Auto kaufen und sich irgendwie durchschlagen wollen. Neuseeland steht bei dieser Traumfabrik ganz hoch im Kurs. Dieses Land hat sich zu einem Sehnsuchtsort für viele junge Menschen entwickelt, die sich mal völlig losgelöst von den Zwängen des Alltags erleben und ausprobieren wollen. Und die Filmindustrie hat wahrscheinlich mit den Hobbits und Harry Potter die visuelle Vorlage dafür entwickelt. Die Deutschen sind dabei klar in der Mehrheit. Wohin man auch kommt, die Mehrheit der reisenden Ausländer in Neuseeland im hiesigen Frühjahr sind Teutonen.

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