Rundwanderung Láfkos – Mílina auf dem Pílion

Wir haben in Kala Nera, im mittleren Teil des Pílion auf der Westseite (Pagasitischer Golf) eine schöne Unterkunft gefunden und unternehmen von hier Wanderungen und Strandbesuche. Die Bergdörfer in dieser Gegend üben wegen Ihrer Authentizität einen besonderen Reiz auf die Besucher aus. Sie gelten immer noch als Geheimtipp für Aussteiger.

Als solches Dorf gilt Láfkos. Wir folgen einer Empfehlung unseres Reiseführers und unternehmen eine Rundwanderung, die uns zunächst von Láfkos bergab in den Küstenort Milína und dann bergauf zurück nach Láfkos führt. Etwa sieben Kilometer, +/- 320 hm.

Wir lassen es ruhig angehen und trinken auf dem zentralen Platz in Láfkos einen Kaffee. Die Plateía ist fast leer. Man spürt so ein bisschen den Herbst-Blues. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm, trotzdem: Nicht nur die stetig fallenden Blätter der großen Platanen künden vom Wechsel der Jahreszeiten. Es liegt was in der Luft …

Wir schlendern noch durch die Gassen. Hier ein toller Bäcker, dort ein Schmuckladen, dann ein liebevoll gestalteter Eingangsbereich …

Schließlich aktivieren wir unsere Route auf Wikiloc. Aber dann ist da doch noch ein Haus am Ortsausgang, das unsere Aufmerksamkeit erfordert. Jemand hat sich künstlerisch betätigt. Keine hohe Kunst, aber nett anzuschauen.

Der Weg verläuft im Wesentlichen auf einem sogenannten Kalderími. So werden in Griechenland alte gepflasterte Wege im unwegsamen Gelände bezeichnet, die beispielsweise Dörfer und Weideplätze miteinander verbinden.

Der Pfad ist recht gut beschildert, aber an manchen Stellen ist die Wegführung über GPS vorteilhaft – zumal die Pflasterung an manchen Stellen erheblich unter dem Unwetter von 2023 gelitten hat. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, und stets ein Auge nach unten 😉.

Die Aussicht aufs Meer und unser Zwischenziel Milína ist fantastisch.

In Milína angekommen begeben wir uns an die Uferpromenade – Auszeit bei einem kühlen Getränk, mit Blicks aufs Wasser und die gegenüberliegende Insel.

An der Kirche Panagía Theotokoú biegen wir wieder ein und machen uns auf den Rückweg nach Láfkos, der in langen Abschnitten durch Olivenhaine verläuft und immer mal wieder zum Anhalten und Staunen Anlass bietet.

Metéora – wo sich Natur und Spiritualität perfekt ergänzen

Wir haben uns vom Peloponnes verabschiedet und sind inzwischen in Metéora angekommen. Schon die Anfahrt an diesem sonnigen Oktobertag ist beeindruckend. Auf einer bestens ausgebauten Autobahn gleiten wir bei wenig Verkehr durch ein breites Tal nach Thessalien hinein, das als die Kornkammer Griechenlands gilt. Überall fliegen kleine „Wattebäusche“ durch die Luft, die wir zunächst nicht zuordnen können. Dann sehen wir links und rechts ausgedehnte Felder mit den typisch weißen Tupfen. Baumwolle! Griechenland ist die europäische Nummer eins bei Baumwolle, und in dieser Gegend östlich des Píndos-Gebirges werden außerdem viel Mais und Getreide angebaut.

Die Metéora-Felsen sind schon von Weitem als mächtige Felsformationen erkennbar. Sie erheben sich hinter dem kleinen Ort Kalambáka wie dunkle Gewitterwolken.

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft in Kalambáka

Sie sind für sich genommen schon eine Natur-Sehenswürdigkeit erster Güte. Die bizarren Gebilde aus Konglomeratsandstein sind vor Jahrmillionen entstanden durch Wassermassen, die die weicheren Gesteinsanteile auswuschen. Heute überragen sie die Talebene des Flusses Pínion um bis zu 400 Meter.

Die Gegend ist durchzogen von alten Eichenwäldern, die auch an heißen Sommertagen genügend Schatten für Wanderer bieten.

Bereits im 11. Jahrhundert fanden sich in diesem unwirtlichen Umfeld christliche Einsiedler ein, um in Felshöhlen die Nähe zu Gott zu finden. 300 Jahre danach wurde die ersten Klöster gegründet. Sie waren in aller Regel ausschließlich über Seilwinden und (Strick-)Leitern zu erreichen, um einerseits weitgehende Abgeschiedenheit, andererseits Schutz vor Überfällen zu gewährleisten.

Da braucht es schon viel Gottvertrauen. 😉

In der Blütezeit im 16. Jahrhundert gab es in den Metéora-Bergen über 20 Klöster. Heute sind noch sechs bewohnt – allesamt (seit 1998) als UNESCO-Weltkulturerbe und in hervorragendem Zustand. Im Einzelnen handelt es sich um Agía Triáda, Ágios Nikólaos Anapafsás, Ágios Stéfanos, Megálo Metéoro, Rossánou und Varláam.

Im Rahmen dieses Beitrags lassen sich die einzelnen Klöster nicht angemessen beschreiben. Wir haben während unseres Aufenthalts vier besucht, drei davon bei Wanderungen.

Schon von außen sind diese Klöster ein Erlebnis. Sie wirken wie aus den Felsen gewachsen, wie hingeklebt. Man hat Mühe sich vorzustellen, wie Menschen an diesen eigentlich unmöglich zu bebauenden Stellen auf, am und im Fels derartige Gebäude errichten konnten. Welche Mühen mag es gekostet haben, das Material herbeizuschaffen und zusammenzufügen?

Die genannten Klöster sind noch bewohnt, zwei davon von Nonnen (Ágios Stéfanos und Rossánou). Zu Gesicht bekommt man sie während der Öffnungszeiten eher selten.

Diese Nonne ruft pünktlich per Klopfzeichen auf dem
Tálanton zum Verlassen des Klosters auf.

Will man die Klöster besichtigen, braucht man etwas Puste, um die Treppen zu erklimmen, mal mehr, mal weniger.

Auf jeden Fall wird man für seine Mühen belohnt.

Zum einen mit einer fantastischen Aussicht auf die Umgebung, zum anderen mit einem Eindruck von den liebevoll gepflegten Anlagen.

Auch die Innenbereiche der Klöster sind sehr sehenswert – zentral sind dabei die Gotteshäuser, die nicht nur für (griechisch-)orthodoxe Christen ein Anziehungspunkt sind. Besonders die leuchtende Kraft der hervorragend restaurierten Fresken ist ein Kunstgenuss. Das Vergnügen erhält allerdings bei genauerer Betrachtung der Szenen rasch einen Dämpfer. Neben der Darstellung von Heiligen und Aposteln wird man mit krassen Gewaltorgien konfrontiert: Da werden Menschen geköpft und bei lebendigem Leibe gehäutet sowie mit grausamsten Foltermethoden gequält, sodass ein Warnhinweis am Eingang durchaus angemessen wäre.

(In der Regel herrscht in den Kirchen selbst ein Foto- und Videoverbot, das streng überwacht wird.)

Einige der Klöster beherbergen Museen mit alten Handschriften, liturgischen Geräten sowie Schnitzarbeiten und altem Werkzeug.

Die Klöster waren auf Selbstversorgung angewiesen. Ihr wirtschaftliche Grundlage waren vor allem Landwirtschaft und Viehzucht: Die Mönche bauten Gemüse, Getreide, Wein und Oliven an und hielten Tiere. Dazu kam die Versorgung durch Pilger sowie Spenden. Durch die abgelegene Lage spielte die Bevorratung eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahren wurden Versuche unternommen, einige Erwerbszweige wiederzubeleben, beispielsweise den Weinbau.

Metéora zählt für uns zu den Höhepunkten unserer Griechenlandreise. Hier verbinden sich besondere menschliche Kulturstätten in einzigartiger Weise mit einer spektakulären Natur.

PS: Die Metéora-Klöster erfreuen sich bis in die Nachsaison hinein großer Beliebtheit. Im Herbst reisen viele Besucher aus Asien an, weil dann die Flüge günstiger sind. Wenn man als Einzelreisender zwischen mehrere „Busladungen” gerät, bleibt von „innerer Einkehr” im Kloster nicht viel übrig. 😁

Pílos – Festungen, Traumstrände und Muße

Wir wohnen vier Tage im Karalis City Hotel in Pílos (2.100 Einwohner), um von hier aus Messenien, den östlichen Peloponnes-Finger, zu erkunden und ein bisschen die Seele baumeln zu lassen.

Blick von unserer Hotelterrasse auf das Hafenbecken

Wir merken rasch, dass unsere Unterkunft gut gewählt ist. Denn wir wohnen zentral, und es sind nur ein paar Schritte bis zum Hafen. Auf der sich unmittelbar an die Hafenmauer anschließenden Platía mit ihren alten Bäumen herrscht das pralle Leben. Überall verteilt stehen Tische und Stühle, ausreichend Schatten ist vorhanden. Es wird gegessen, getrunken, geredet und gelacht; von morgens bis in den späten Abend wuseln Kinder umher.

Um die Platía herum gibt es so ziemlich alles, was man zum Leben braucht.

Schnell finden wir heraus, wo es den besten Kaffee gibt (zudem noch sehr günstig!); und bei den Restaurants haben wir im Handumdrehen unseren Favoriten gefunden: das Sto Steno.

Es befindet sich gleich bei uns um die Ecke und wirbt mit dem Spruch “Home-made hearty food” – was den Kern des Angebots gut beschreibt. Sto Steno ist eine Art Mischung aus Taverne und Kantine. Es gibt keine Speisekarte, nur ein Schild draußen, das für Hungrige, die des Griechischen nicht mächtig sind, wenig hilfreich ist. 😁

Draußen in der Gasse stehen fünf kleine Tische mit Stühlen, drinnen nur ein Tisch. Man bestellt direkt beim Chef, nachdem man zwischen den fünf oder sechs Gerichten in der Auslage gewählt hat. Lauter griechische Gerichte … Noch einen Wein und/oder Wasser dazu, fertig. Lecker!

Wir haben in Erfahrung gebracht, dass für 2027 Ausbaupläne bestehen. Wir drücken dem Familienbetrieb die Daumen!

In der näheren Umgebung von Pílos gibt es mehrere Befestigungsanlagen, aber derzeit zeigen wir bei Bastionen erste Ermüdungserscheinungen. Na ja, nicht ganz (dazu später mehr).

Unmittelbares Interesse haben wir dagegen beim Thema „Strände”. Und im Norden von Pílos erstreckt sich die Bucht von Navaríno, die mit wunderschönen Badestränden gesegnet ist, zum Beispiel der Divários Beach (auch Golden Beach). Der Strand beginnt bei Giávola und erstreckt sich über etwa 1,5 Kilometer, angrenzend die Pílos-Lagune, ein Highlight für Ornithologen.. Hier kann man ganz ungestört einfach nur Zeit vergehen lassen 😊.

Das Bessere ist der Feind des Guten, so sagt man. Und wenn man den Divários Beach toppen möchte, geht man nach nebenan. Denn dort liegt die Voidokiliá–Bucht, bei der Mutter Natur mal wieder ein Meisterwerk gelungen ist. Der Strand erstreckt sich in einem perfekten Halbrund, wie eine Sichel. Beim Reingehen ins glasklare Wasser spürt man nur Sand unter den Füßen. Hinter dem Strandsaum türmen sich meterhohe Dünen auf. Keine Strandbar, keine Infrastruktur – bis auf einen Parkplatz, der über einen im letzten Abschnitt unbefestigten Stichweg zu erreichen ist. Hier stehen auch Müllcontainer zur Verfügung.

Die Bucht entfaltet ihre wahre Schönheit aus der Vogelperspektive. Und die kann man einnehmen, wenn man sich zur Burgruine Paleókastro begibt. 😉 Die fränkische Festung (Kreuzritter!) ist auch unter dem Namen „Navarino-Burg“ bekannt und liegt, wie das nun einmal üblich ist, hoch oben einem Felsen. Es gibt mehrere Wege hinauf, alle erfordern Trittsicherheit und Freude am Kraxeln. Einige Abschnitte sind mit Seilen und Steigeisen versehen.

Etwa auf halbem Weg gelangt man zur Nestor-Grotte. Sie ist etwa 20 Meter tief und 12 Meter hoch. Sie soll zu mykenischen Zeiten bewohnt gewesen sein.

Bereits von hier ist der Blick auf die Umhebung bezaubernd.

Und wirklich atemberaubend wird er dann von den Paleókastro-Mauern aus.

Und dann?

Nach dem Abstieg Sonne, Strand und Meer genießen 😊.

PS: Sowohl die Nestor-Höhle und die Voidokiliá-Bucht sind Schauplätze im Film „Die Odyssee“ von Christopher Nolan (2026). Pílos war das Hauptlager für die Filmcrew.

Messene – die Pracht ist noch greifbar

Nach der Unabhängigkeit von Sparta (471 v.Chr.) wurde Messene als neue Hauptstadt Messeniens gegründet. Fast 800 Jahre später fielen die Goten ein und raubten und plünderten die Metropole, deren mächtige Stadtmauer einst neun Kilometer umfasste und von dem viel erhalten geblieben ist.

Eines der beiden Stadttore, das Arkadische Tor, wird noch heute als Zufahrt (nach Mavronmáti) genutzt. Es ist ein Sinnbild für die antike Pracht von Messene: sieben Meter hoch, fünf Meter breit. Es ist beeindruckend zu sehen, wie das Mauerwerk ohne Mörtel aus exakt gehauenen Steinquadern zusammengefügt worden ist.

Beim Besuch der Ruinen – man kann sich dort ohne nennenswerte Restriktionen frei bewegen – muss man sich die Dimensionen der frei gelegten Stadtteile im wahrsten Sinn des Wortes erlaufen. Sie sind in eine weitläufige Hügellandschaft eingebettet.

Unabhängig von den Bauwerken ist das Umhergehen ein schönes Landschaftserlebnis. Das Gelände strahlt Ruhe und Zeitlosigkeit aus.

Gleich nach Eintritt gelangt man rechter Hand zum Theater, von dem noch vieles erhalten ist. Es erhielt in der Römerzeit ein dreigeschossiges Theaterhaus.

Mosaik im mondänen Theaterwihnhaus

Links schließt sich das Brunnenhaus der Arsinoe mit mehreren Zisternen an. Es diente der Wasserversorgung der Innenstadt. Daneben befindet sich das römische Bad.

Wiederum daneben befinden sich die Ruinen der Agora, des zentralen öffentlichen Platzes der Stadt. Sie war der Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens. Ihr Innenhof ist von vormals überdachten Säulengängen gesäumt.

Mit diesen Messvorrichtungen wurde die korrekte Größe der Maßeinheiten der Händler überwacht.

Das Asklepieion war das zentrale Heiligtum der Stadt. Es war Asklepios (Äskulap), dem Gott der Heilkunst, geweiht. Hier befanden sich Hunderte von Statuen.

Der Höhepunkt der Ausgrabungen ist eindeutig das Stadion mit seinen achtzehn steinernen Sitzreihen. Es wurde zum einen für verschiedene sportliche Veranstaltungen und Ausbildungszwecke genutzt. Es spielte aber ebenso eine politische, soziale und kultische Rolle.

In den Säulenhallen am oberen Rand des Stadions sind Elemente der 110 Meter langen Säulenhalle zu sehen. Hier versammelten sich die Zuschauer in den Pausen und fanden Schutz vor der Sonne.

Am nördlichen Ende des Stadions schließt sich ein Heroon an, eine Art Mausoleum, wo die Mitglieder einer angesehenen Familie nach ihrem Tod in besonderer Weise geehrt wurden.

Wir haben gut zwei Stunden auf dem Gelände des antiken Messene verbracht und fanden den Besuch kurzweilig und lehrreich. Insbesondere das harmonische Zusammenspiel von Landschaft und antiken Gebäudekomplexen hat uns sehr beeindruckt.

Wasserwanderung im Polilímnio-Tal

Wir haben uns für ein paar Tage in ein Hotel in Pílos in Messenien – das ist die südöstliche Halbinsel des Peloponnes – eingemietet. Und auch hier gibt’s natürlich viel zu entdecken (weshalb wir schon mal unser Mietwagenarrangement um zwei Wochen verlängert haben 😉).

Wir hatten in unserem Reiseführer über eine Wasserfallwanderung gelesen, die uns unmittelbar ansprach.

Ausgangspunkt ist Charavgi, ein kleines Dorf etwa 30 Kilometer westlich von Kalamáta. Hier im üppig-grünen Polilímnio-Tal verbindet ein Fluss 15 verschiedene Wasserbecken und Wasserfälle. Wörtlich heißt „Polilímnio“ im Deutschen „viele Seen“.

Diese kann man erwandern, erwaten und erklettern. Dabei ist an manchen Stellen gutes Schuhwerk, Trittsicherheit, Wagemut, Konzentration und Abenteuerlust erforderlich. Und für diesen Einsatz wird man reichlich belohnt!

Man kraxelt über Stock und Stein, hangelt sich mit Hilfe von gespannten Seilen (einige davon in fragwürdigem Zustand) und fest verankerten Steigeisen an Felsvorsprüngen vorbei, balanciert über glischtige Steine und löchrige Brücken, läuft durchs bergab strömende Wasser. Also: Naturerleben pur 😁.

Weitgehend durchgescheuert 😰

Und selbstverständlich kann man sich als Belohnung für die Mühen ins kühle türkisfarbene Nass begeben …

So oder so ähnlich wird‘s wohl auch im Paradies aussehen 🙃.

PS: Selbstverständlich ist diese Wasserfallwanderung der besonderen Art gänzlich auf eigenes Risiko:

Sprachlich nicht einwandfrei, aber klar in der Botschaft!

Máni – jedes Haus eine Festung

Die Máni, die mittlere der drei südlichen Halbinseln des Peloponnes, gilt als die rauste und unzugänglichste. Sie hat nur wenige Strände, vielerorts fallen die Berge steil ab ins Meer. Nicht selten geht ein böiger Wind, und in den langen Sommern scheint die Sonne gnadenlos vom Himmel. Auf den kargen Böden wächst wenig Essbares. Dennoch gilt Olivenöl aus Máni zum Besten, was Griechenland in dieser Hinsicht zu bieten hat. Größere Ansiedlungen gibt es kaum; als solche nennenswert sind lediglich Gíthio und Areópoli.

Uns hat bei unseren Máni-Ausflügen vieles an Sardinien, das wir 2025 zwei Monate bereist haben, erinnert.

Die kleinen Ortschaften in der Máni sind geprägt von festungsartigen Wohntürmen, manche davon bis zwanzig Meter hoch. Die Mauern sind gut und gern einen Meter dick, vielfach auch mit Schießscharten versehen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Man ist wehrhaft und stets bereit und willens, sich zu verteidigen. Nicht nur gegen Eroberer, sondern auch gegen die Nachbarn – blutige Familienfehden soll es in der Máni noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts gegeben haben. Da verwundert es auch kaum, dass der Befreiungskampf der Griechen gegen die Türken von mánischen Patrioten ausging.

Über viele Jahre zogen die jungen Leute aus der Máni weg, weil sie kein Auskommen finden konnten. In den letzten beiden Jahrzehnten kehrt sich der Trend um. Ältere Mánioten kehren in die Region zurück, restaurieren alten Besitz und bauen Hotels für die Touristen und engagieren sich vor Ort.

Bei unserer Tour von Aerópoli bis an die Südspitze der Máni, das Kap Ténaro, haben wir einen nachhaltigen Eindruck von der kargen Landschaft dieser Region bekommen. Viele Abschnitte der Reise verliefen direkt an der schroffen Küste entlang und boten atemberaubende Ausblicke auf das westseitig gelegene ionische Meer.

Im Rahmen des Blogs beschränken wir uns auf wenige Erlebnisse, die hoffentlich den besonderen Charme dieser Tour wiedergeben können.

Den ersten längeren Halt legten wir in Charoúda ein. Hier ist ein Kirchlein zu bestaunen, das zu den fotogensten der Máni gehören soll, Ágios Taxiárchis. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und hat einen beeindruckend hohen Glockenträger und schöne Verzierungen und Reliefs.

BSpäter gelangt man nach Váthia, hoch oben auf dem Bergkamm gelegen. Man blickt auf ein großes Ensemble von Wehrturmhäusern.

Die Anlage ist nicht nur aus der Ferne zu bewundern. Sie ist überdies ein Abenteuerspielplatz! Ein Großteil der Gebäude ist nämlich unbewohnt – und sogar begehbar. Dabei folgt man dem Prinzip, dass alles erlaubt ist, was nicht explizit verboten oder gefährlich ist. 😁Eine zuverlässige Einschätzung ist schwierig, da sich die Häuser in unterschiedlichen Stadien des Verfalls befinden. Manche Wohnräume sehen aus, als wären sie erst vor Kurzem verlassen worden. Dadurch entsteht beim Begehen eine spannende Atmosphäre, eine Mischung aus Neugier, Wagemut und dem Reiz, etwas Verbotenes zu tun.

Ein krönender Abschluss dieser Fahrt zum südlichsten Ende des Peloponnes ist die etwa zwei Kilometer lange, stellenweise anspruchsvolle Wanderung zum Leuchtturm des Kap Ténaro. Gutes Schuhwerk und sicherer Tritt ist erforderlich, wenn man ohne Blessuren zum Ziel gelangen möchte. Kurz nach dem Einstieg kommt man an den Resten eines Tempels vorbei, von dem noch ein paar Grundmauern und ein Bodenmosaik vorhanden ist.

Wieder einmal eine schöne Tour geschafft!

Areópoli – charmantes Gassenlabyrinth

Wir wollen die Halbinsel von Areópoli auf der Westseite aus erkunden und haben deshalb zwei Übernachtungen hier gebucht. Mit etwa 1.000 Einwohnern gehört der Ort schon zu den größeren Siedlungen der Máni. Wir wohnen zentral und genießen es, am Morgen nur ein paar Schritte zum ersten Kaffee zu schlendern. Oder abends nicht ins Auto steigen zu müssen, um in einer Taverne vor Ort essen zu gehen.

Areópoli hat sich mächtig herausgeputzt. Der Ortskern ist größtenteils autofrei und lädt zum Bummeln ein. Dem Architekturstil dieser Gegend entsprechend sind die Gebäude, Zuwege und Plätze allesamt mit Granitsteinen erbaut – massiv, kantig, trutzig. Die Atmosphäre ist angenehm entspannt. Dabei ist augenfällig, dass vieles auf Tourismus eingestellt ist. Man kommt überall gut mit Englisch zurecht.

Uns werden sicherlich zwei Erlebnisbesuche in Areópoli in Erinnerung bleiben:

1. Die Taverne Bárba Pétros, seit drei Generationen in Familienhand und gegenwärtig von zwei Frauen geführt. Das äußere und das innere Erscheinungsbild dürften sich in den fast 100 Jahren nicht gravierend verändert haben. Straßenseitig wirkt die Wirtschaft eher unscheinbar, und im Innenbereich hat man das Gefühl, hier wurde einfach nur ein Wohnzimmer mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Bei entsprechendem Wetter ist die Dachterrasse ein absolutes Highlight.

Es sind viele Schweinefleischgerichte auf der Speisekarte (zum Beispiel Spanferkel mit Pflaumensoße und Ofenkartoffeln) – die Schweine stammen aus eigener Aufzucht. Die Gerichte sind lecker, authentisch und preislich im mittleren Bereich. Ein Nachtisch wird kostenfrei gereicht.

Speisekarte von Bárba Pétris; der Seniorchef verstarb im September 2025.

2. In Griechenland gibt es keinen Mangel an Bäckereien, und an den meisten Tagen steuern wir eher früher als später eine solche an. Eine Sonderstellung nimmt bei diesem Handwerk die Psomí di Miliás am Ende Fußgängerzone ein.

Die Backwaren duften schon draußen ganz wunderbar, und drinnen ist man überwältigt von der Vielfalt des Angebots. Wenn man Glück hat, kann man der Bäckerin dabei zuschauen, wie sie die Leckereien in den Ofen schiebt oder sie herausnimmt.

Areópoli ist auf jeden Fall bei einer Máni-Reise einen Besuch wert – vielleicht zum Auftanken nach einem intensiven Naturerlebnis?

Gíthio – östliches Tor zur Máni

Die kleine Hafenstadt Gíthio (4.500 Einwohner) ist das Eingangstor zur Máni (dem Mittelfinger des südlichen Peloponnes), wenn man aus Richtung Sparta kommt.

Ein unaufgeregtes Städtchen, zumindest an diesem späten Septembertag 2026, als wir einen Kaffeestopp einlegen und einen Rundgang durch den Ort unternehmen. Das heißt vor allem: an der Uferpromenade entlanggehen. Der Tourismus gibt den Takt vor, überall laden Cafés und Restaurants zum Verzehr ein.

Der Hafen spielt nicht nur als Fährhafen eine Rolle, sondern offensichtlich auch noch für die Fischerei. Die kleinen Fischerboote sind eine Augenweide, wie sie sanft im klaren Wasser schaukeln und tanzende Spiegelbilder erzeugen.

Ein Fischrestaurant hat eine besondere Form der Werbung entwickelt: Es hat Octopusarme aufgehängt, die – so ist nachzulesen – mit Wucht auf die Kaimauer geschlagen und dann in die Sonne gehängt werden, auf dass sie zarter und angenehmer im Geschmack werden.🤔

Die lange Hafenfront hat neben der Gastronomie noch einige Läden zu bieten. Eher geschäftig geht es auf der Platía im nordwestlichen Eck des Hafenbeckens zu. Hier scheint sich das einheimische Leben zu konzentrieren.

Begibt man sich in die Häuserreihe hinter der herausgeputzten Hafenfront, entsteht der Eindruck, dass hier zwar viel schöne Bausubstanz, beispielsweise osmanische Häuser mit Holzbalkonen, vorhanden ist. Aber der Renovierungsbedarf ist bedrückend augenfällig.

Zu den häufig besuchten Orten in Gíthio gehört die Insel Kranái, die Insel der Liebenden. Sie ist seit 1998 über einen Damm mit dem Festland verbunden.

Sie lädt zu einem Spaziergang zum Leuchtturm ein.

Etwa auf halbem Weg passiert man den Pírgos Tzannetákis (1829), einen für die Máni typischen Wohnturm. Er beherbergt ein kleines Museum, das zum Zeitpunkt unseres Besuchs geschlossen war.

Der besondere Charme der Insel Kranái besteht in ihrer mythologischen Überhöhung. Denn hier sollen Prinz Paris und die von ihm entführte Königin Helena ihre erste Liebesnacht verbracht haben, bevor sie sich nach Troja begaben. Es folgte der Trojanische Krieg, der mit Paris‘ Tod und Helenas Flucht nach Rhodos endete.

Kultiges Schiffswrack am Valtáki Beach bei Gíthio

Im nordöstlichen Teil von Máni, dem Mittelfinger des Peloponnes, lädt kurz vor Gíthio ein imposanter Haufen Schrott zum Erkunden und Fotografieren ein: die „Dimitrios“. Das Wrack ist von weither sichtbar – und ganz offensichtlich schon längst kein Stein des Anstoßes mehr.

Da liegt sie, und da bleibt sie: das Wrack Dimitrios.

1980 löste sich das Frachtschiff bei stürmischem Wetter vom Hafenkai in Gíthio und trieb einen Monat im Lakonischen Golf herum, bis es dort auf Grund lief, wo es noch heute liegt. Es heißt, das Schiff sei in Tabakschmuggel zwischen der Türkei und Italien verwickelt gewesen. Und zum Zwecke der Beweisvernichtung sei an Bord Feuer gelegt worden. Sicher ist, dass sich für die sachgemäße Verschrottung niemand zuständig fühlte …

Und heute ist das Geisterschiff Kult, sicherlich auch durch die sozialen Medien.

Wie zu erwarten haben sich auch ein paar Sprayer an der Dimitrios versucht. Ob es sich dabei um „Ship Art“ handelt, mögen andere beurteilen. Auf jeden Fall hat man Farbe ins rostige Einerlei gebracht.

Und dabei auch Humor bewiesen: Wer rastet, der rostet. 😉

Steine mal anders – der Geopark Agíos Nikólaos

Das war mal wieder ein Tag wie ein Sahnetörtchen.

Es fing schon mit der Fahrt von Monemvasiá (im Südosten der Halbinsel Kavi Malea des Peloponnes) in die Südspitze zum Geopark Agíos Nikólaos an. Es ging zumeist an der Küste entlang, immer wieder in Serpentinen mit herrlichem Blick aufs (Mirtoische) Meer. Wenig Verkehr. Wir konnten uns kaum sattsehen an dieser schillernd-blauen Weite und dem felsigen Küstensaum.

Kurz vor dem Ziel veränderte sich die Landschaft. Wir fühlten uns erinnert an bestimmte Regionen im mittleren Westen der USA: große Felsbrocken säumten den Weg.

Im Geopark angekommen ging‘s noch ein paar hundert Meter eine Rüttelpiste hinunter, dann mussten wir das Auto abstellen und den Weg zu Fuß fortsetzen.

Schon auf den ersten Metern fiel uns auf, dass in den Weg zur Küste dieses Freilichtmuseums viele Muscheln „eingebacken“ waren. An den Felsen am Wasser angekommen sah man schon gleich die versteinerten Baumstümpfe – faszinierend! Es handelt sich um die Reste eines fossilen subtropischen Palmenwaldes, der hier vor zwei bis drei Millionen Jahren stand. Die Maserung und das Wurzelwerk der Bäume sind zum großen Teil noch gut zu erkennen. Die Entstehung dieses Steinwalds geht auf Vulkanausbrüche und tektonische Prozesse zurück.

Das allein war schon sehr beeindruckend. Wir setzen unsere Wanderung noch ein kurzes Stück fort, vorbei einer Felswand.

Danach entdeckten wir eine eine kleine Sandbucht, etwa 100 Meter lang. Und sofort stellte sich bei uns ein gemeinsamer Impuls ein: Da müssen wir hin!

Und das gelang uns dann auch. Mit ein wenig Kraxeln über die Felsen – darin sind wir nach unseren vielen Kroatien- Urlauben geübt 😉.

Ein paradiesisches Plätzchen, das wir zunächst mit ein paar Gleichgesinnten teilten, und schließlich ganz allein für uns hatten. Der Sanduntergrund reicht weit ins Meer hinein, Badeschuhe waren also nicht erforderlich.

Es war die pure Wonne, in dieses glasklare Wasser einzutauchen.

Was für ein Tag.🙏