Te Papa – die Erde bebt

Te Papa rockt nicht nur, weil es ein einzigartiges Museum ist, sondern auch, weil es tatsächlich bei unserem Besuch bebte und uns ziemlich mulmig wurde. Es war immerhin ein Beben der Stärke 6,2 – für Neuseeländer nicht so aufregend, aber für uns durchaus ein Erlebnis, das uns schnell ins Freie getrieben hat.

Aber der Reihe nach.

Das Te Papa ist DAS Museum in Neuseeland und deshalb nicht nur für die Hauptstadt Wellington ein echtes Schmuckstück. Schon der Bau, direkt an der Hafenpromenade, ist beeindruckend. Wenn man das Foyer betritt, wird man freundlich begrüßt und gefragt, ob man etwas Spezielles sucht. Der Eintritt ist frei, die Garderobe ebenfalls. Das Museum bietet auf insgesamt vier Stockwerken viel mehr, als man an einem Tag auch nur annähernd verarbeiten könnte: aktuelle Ausstellungen, Entstehungsgeschichte Neuseelands, Maori-Geschichte und Kunst, Gegenwartszivilisation, Natur, Workshops …. Es ist beileibe nicht nur die Themenvielfalt, die beeindruckt, es ist auch die Art der Aufbereitung, denn Te Papa fährt so ziemlich alles auf, was die moderne Museumspädagogik zu bieten hat.

Wir haben uns als Erstes für den Schwerpunkt „Gallipoli“ entschieden. Hierbei geht es um das zentrale menschlich-militärische Trauma Neuseelands. Denn im Jahre 1915 während des ersten Weltkrieges mussten neuseeländische (und australische) Soldaten den bislang höchsten Blutzoll in einer kriegerischen Auseinandersetzung entrichten. Der Einsatz war immens, die Schlacht um die türkische Halbinsel Gallipoli wurde trotzdem verloren. Durch szenische Darstellungen, Film- und Toneinspielungen, Dokumente und Realien unterschiedlichster Art gelingt es den Ausstellern, das schwierige Thema des eigentlich unvorstellbaren Leids der Soldaten in einer Weise zu vermitteln, die unter die Haut geht. Für Neuseeland hat „Gallipoli“ auch deshalb eine besondere Bedeutung, weil bei diesem gescheiterten Invasionsversuch der Türkei nach einigem politischen Hin und Her erstmals auch Maori-Einheiten für die Belange der britischen Krone zum Kampfeinsatz kamen.

Nach einer Pause haben wir noch ein paar weitere Themen im Te Papa besucht. Als jedoch plötzlich der Boden unter unseren Füßen und die Beleuchtungselemente an der Decke zu schwanken begannen, haben wir rasch das Weite gesucht.

Da Neuseeland auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring liegt, einem Vulkangürtel und der geologisch aktivsten Zone, sind Erdbeben sind keine Seltenheit. 20.000 Erdbeben registriert man hier durchschnittlich pro Jahr, davon 100-150 von einer Stärke, die gefühlt und auch tatsächlich zur Gefahr werden können.

Das Zentrum des Bebens, das wir in Wellington erlebt haben, lag etwa dort, wo wir uns wenige Tage vorher befanden. Für Neuseeländer ist das quasi Alltag, für uns irgendwie befremdlich.

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