Lissaboner Luft schnuppern

Mehr als „schnuppern“ kann man an einem Tag in Lissabon (sprich: Lischboa) nicht. Aber wir sind ein bisschen stadtmüde, daher muss das für einen ersten Flirt mit der portugiesischen Hauptstadt und den Lisboetas, so heißen die Bewohner, reichen. Wir können ja nochmal vorbeischauen, wenn uns danach ist.

Ein sonniger Tag, und wir lassen uns einfach treiben. Nichts muss, alles kann. Nach der Ankunft am U-Bahnhof wollen wir uns erstmal stärken. Gleich gegenüber vom Haupteingang liegt ein großer „Foodmarket“ mit allen erdenklichen Leckereien. Wir bestellen Kaffee und „Pastéis de Nata“, Vanille-Sahnetörtchen in knusprigem Blätterteig. Die kleinen Kalorienhämmer gehören zu Portugal wie der Strand zum Meer. Die Dinger haben definitiv einen extrem hohen Suchtfaktor …

Lissabon ist hip. Selbst in der Nachsaison drängen sich die Touristen an den Plätzen, die „man“ gesehen haben muss. Beliebtes Transportmittel für die Besucher aus aller Herren Länder ist das Tuk Tuk. Die kleinen wendigen Autorikschas, die wir vor allem aus Thailand kennen, flitzen, teils auch in der E-Variante, durch die Gassen, Stadtinfos durch den Fahrer inklusive. Auf jeden Fall eine weniger schweißtreibende Art, das hügelige Lissabon zu erkunden.

Lissabons Charme geht nicht nur auf seine Lage am Fluss zurück. Der Blick auf den Tejo ist aus vielen Perspektiven schön, sowohl unmittelbar vom Ufer wie von den höheren Lagen der Stadt. Es ist auch das Nebeneinander von Modernität und Internationalität und Altem, Stehengebliebenem. Gerade in den historischen Stadtvierteln findet man noch kleine Cafés, Läden in bester Tante-Emma-Manier, Stehkneipen. Und immer wieder rumpeln die altmodischen Straßenbahnen hügelauf und -ab. Legendären Ruf genießt die Linie 28, die an vielen zentralen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt und zum Touristenpflichtprogramm gehört. Es ist übrigens durchaus eine Herausforderung, in der 28 einen Sitzplatz zu ergattern! Und ein Riesenspaß, am offenen Fenster mit dem musealen Gefährt im Zentimeterabstand an parkenden Autos oder an Touris vorbeizuschrammen, die sich verschreckt an die Hauswände pressen,

Die Straßenbahnen sind nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen Lissabon und San Francisco. Eine weitere Parallele ist das Erdbebenrisiko. Das letzte große Beben ereignete sich 1755; die nächste größere Erschütterung wird in absehbarer Zeit erwartet. Und die stadtnahe Brücke Ponte 25 April über den Tejo erinnert von der Bauweise sehr an ihren Gegenpart auf der anderen Seite des Atlantiks.

Lissabon hat viele Gesichter. Eines davon ist pompös und stolz. Geht man über den weitläufigen Praço do Comércio und schaut in Richtung Triumphbogen (Arco Triunfal), dann wird schlagartig klar, dass Portugal in früheren Zeiten eine Weltmacht war, deren Reichtum sich vor allem auf Kolonien in Afrika und Südamerika gründete. Aber das ist lange her … Ein besonderes Ereignis der jüngeren Geschichte ist sicherlich die Überwindung der langjährigen Diktatur im Jahre 1974 („Nelkenrevolution“). Seitdem hat sich das einstige „Armenhaus Europas“ vor allem mit der finanziellen Unterstützung durch die EU zu einem modernen Land entwickelt, das in vielen Bereichen auf Augenhöhe mit den anderen EU-Staaten agiert. Und Lissabon braucht den Vergleich mit beliebten europäischen Metropolen beileibe nicht zu scheuen. Für uns ist nach dem ersten Tête-a-Tête jedenfalls klar: Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

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