Rundfahrt O Grove

O Grove (span. El Grove) ist eine kleine Halbinsel ca. 100 km von Santiago de Compostela entfernt. Das Kleinod bietet eine Vielzahl von größeren und kleineren Stränden – und deshalb haben wir uns auf einem Campingplatz in San Vicente do Mar „eingenistet“, der uns als optimaler Ausgangspunkt für unterschiedliche Aktivitäten dienen soll. Nach unserem Geschmack nicht unbedingt ein Ort, den man im Juli/August besuchen sollte. Dann ist hier ohne Zweifel viel los. Hier machen viele Spanier Urlaub, vor allem aus dem Binnenland und aus dem Süden, weil sie die eher gemäßigten Temperaturen schätzen. Schließlich sind wir in Galicien und das ist eine feuchte Region, in der es im Schnitt doppelt so viel regnet wie im übrigen Spanien. Deshalb soll der Galicier ca. 100 verschiedene Wörter für „Regen“ haben (da wird der Ostfriese grün vor Neid und der Eskimo kommt ins Grübeln, ob er mit seinem Repertoire an Bezeichnungen für Schnee mithalten kann). Wir können durchaus auf Feuchtes von oben verzichten und sind über Sonne und Temperaturen in den Mittzwanzigern geradezu verzückt.

Am Ankunftstag machen wir einen langen Spaziergang am Strand entlang – schöne Strände, immer wieder durchbrochen durch mächtige, vom Meer rundgemahlene Felsen. Wir wollen später noch etwas essen; das dürfte eigentlich in einer Region, die vor allem für ihre Meeresfrüchte bekannt ist, wohl kein Problem sein. Und Google zeigt auch viel Restaurants an, die noch geöffnet sind. Aber dann treffen Wunschbild und Realität hart aufeinander: Wohin der sonst so nützliche elektronische Helfer uns auch führt: Nix mehr los, Nachsaison 😐, die spanischen Sonntagsausflügler, die wir am Strand gesehen haben, verlassen scharenweise die Halbinsel Richtung Heimat.

Also zu nachtschlafender Zeit Spiegelei auf Schwarzbrot (noch bei DM in Deutschland besorgt), Tomatensalat und Käse im Wohnwagen … Na ja, könnte schlimmer kommen.

Und am Folgetag mit Wikiloc-Unterstützung eine Radtour um die Halbinsel herum. Auch an den Hauptstraßen OK, weil wenig Verkehr ist. Einen längeren Erkundungsaufenthalt legen wir in O Grove, dem namengebenden Hauptort der Halbinsel, ein. Hier beobachten wir eine Schar von Muschelsammlerinnen bei ihrer schweren Arbeit: Sie harken bei Ebbe den Meereskies durch, klaubende Muscheln auf und tragen sie dann in Plastikeimern ans Ufer. O Grove ist überdies bekannt für seine exzellenten Golfplätze und Edelresidenzviertel. Die schauen wir uns natürlich ebenso an. So protzig sind sie nun aber auch wieder nicht …

Nach einer Mittagspause mir reichlich Gambas folgen wir dem Küstensaum und sehen und erleben, wovon diese Region – neben dem Tourismus – vor allem lebt: der Küstenfischerei und der Muschelzucht. Kilometer um Kilometer Muschelfarmen, so weit das Auge reicht, weit draußen im Meer. So weiß man dann auch einzuordnen, dass es in O Grove eine Kapelle aus Jakobsmuschelschalen gibt. Muscheln sind hier Religion.

Etwas schade, dass wir an den vielen kleinen Stränden, an denen wir vorbeiradeln, nicht einfach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und im Sand die Sonne und den Blick auf Felsen und Meer genießen können. Aber uns sitzt eine Gewitterankündigung für den frühen Abend im Nacken. Apropos „radeln“: Das ist, gemessen am realen Fahrerlebnis, etwas schönfärberisch. Denn es gab auf dieser Tour diverse Abschnitte, die wir nur radschiebend zu Fuß absolvieren konnten, weil der tiefe Sand uns keine Chance zum Aufsitzen ließ. Dennoch eine schöne Tour!

PS: Das Gewitter hat sich in den Weiten des Atlantik verflüchtigt, bei uns sind nur ein paar spärliche Tröpfchen angekommen.

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