Städte an der Costa del Sol: Marbella, Málaga, Nerja, Torremolinos

Die Costa del Sol ist sicherlich eine Touristenregion erster Güte, etwa 70 % aller Andalusienbesucher machen hier Urlaub. Daher findet sich etwas für jeden Geschmack, Partygänger wie Ruhesuchende kommen zu ihrem Recht. Auch architektonisch ist die ganze Bandbreite vertreten: zugebaute und einsame Strandabschnitte (wenn man bereit ist, mal ein Stück zu laufen), wuchernde Vororte mit aneinandergereihten Ferienhaussiedlungen und malerische Fincas, große Shopping Malls und kleine Boutiquen … Kulinarisch wird ebenfalls alles abgedeckt, von Schnitzel-Pommes bis Paella – wer indes Authentisches sucht, kommt nicht umhin, sich bei den Einheimischen zu erkundigen und/oder sich selbst auf die Suche zu machen, vor allem in den ländlichen Regionen.
Die Städte sind in aller Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Für Fahrten ins Hinterland hat man idealerweise ein Auto zur Verfügung. Ein eigenes Gefährt ist jedoch für Touristenmagnete wie Cádiz, Sevilla, Granada oder Ronda nicht erforderlich. Man kann sie sowohl auf eigene Faust mit regulären Überlandbussen wie in Form einer vorab gebuchten und organisierten Tour besuchen.

Die bekanntesten und meistbesuchten Städte unmittelbar an der Südküste sind sicherlich Marbella und Málaga. Marbella hat eine traumhafte Lage im Schutz der Berge. Ein Spaziergang entlang der Marina vermittelt den Eindruck, dass für so manchen Bootsbesitzer Geld keine Rolle spielt. Puerto Banús gilt als protzigster Jachthafen an der Costa del Sol und erstreckt sich über 6 km. Hauptattraktion ist die autofreie Altstadt, die hübsch hergerichtet ist. Deren Mittelpunkt bildet der Platz der Orangenbäume (Plaza de los Naranjos) aus dem 15. Jahrhundert. Ein Tagesbesuch lohnt sich in Marbella auf jeden Fall. Und wer gerne luxuriös shoppen geht, fühlt sich in Marbella allemal wohl wie ein Fisch im Wasser.

Fliegt man an die Costa del Sol, kommt man meistens am internationalen Flughafen Pablo Ruíz Picasso bei Málaga an. Von dort verteilen sich die Besucher auf die verschiedenen Küstenorte.
Málaga ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und mit ca. 580.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Andalusiens und die sechstgrößte Spaniens. Weltberühmt ist Málaga als Geburtsort (genau: Plaza de Merced) von Pablo Picasso. Zwei hervorragende Museen stellen Leben und Wirken des Künstlers dar. Ein Muss, nicht nur für im strengen Sinn Kunstbeflissene. Die Innenstadt ist attraktiv und vielgesichtig und lädt zum entdeckenden Bummel ein. Architektonische Höhepunkte sind die Alcazaba und das Castillo de Gibralfaro. Die Alcazaba wird oft als „kleine Alhambra“ (Granada) bezeichnet, stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist ein beeindruckendes Zeugnis maurischer Baukunst. Sie enthält ein kleines Museum mit maurischer Keramik.
Die etwas oberhalb gelegene Burganlage Castillo de Gibralfaro, die wir besucht haben, war in früheren Zeiten direkt mit dem Palastbereich der Alcazaba verbunden. Sie ist noch als Ruine erhalten. Man hat von dort einen fantastischen Blick auf die Stadt, u.a. auf die Stierkampfarena und das Centre Pompidou Málaga mit seinem markanten bunten Glaswürfel auf dem Dach.

Etwas außerhalb im Norden Málagas an der Carretera de las Pedrizas befindet sich der prachtvolle fast 50 Hektar große botanische Garten, wo man nach Lust und Laune in die üppige Farbwelt der südlichen Flora eintauchen kann: Jardín Botánico-Histórico La Concepción.

Gute 50 Kilometer östlich von Málaga liegt Nerja, mit 22.000 Einwohnern zwar deutlich kleiner, aber deswegen nicht unbedingt „beschaulicher“. Uns hat Nerja gefallen, und wir haben spontan beschlossen, hier mal einen Sprachkurs zu absolvieren :-). Das lag wohl auch daran, dass wir die Felsküste bedeutend ansprechender fanden als die sonst an der Costa del Sol üblichen langen Sandstrände. Sie fällt steil ab, stellenweise mit Buchten zum Baden. Hauptattraktion des Ortes ist der spektakuläre Balcón de Europa, eine 60 Meter hohe und als Verlängerung der Fußgängerzone ausgebaute Aussichtsplattform.

Unser „Basislager“ Torremolinos (knapp 48.000 Einwohner) weckt bei so manchem Assoziationen wie „Benidorm“: seelenlose Touristenburgen, Bausünden, bierselige Briten, die in der Sonne braten und die ganze Nacht wummernde Beats, die Schlafbedürftigte um den Verstand bringen … Aber so schlimm ist es mit „terrible Torrie“ beileibe nicht (mehr?). Wir haben uns in unserem gläsernen Apartment mit Blick aufs Meer und auf die Berge sehr wohlgefühlt, zumal wir von vornherein nicht geplant hatten, den Urlaub explizit in dieser Küstenstadt zu verbringen.
Außerdem hat die Stadt der Türme (torres) und Windmühlen (molinos) für uns einen besonderen Klang: In den 60er-Jahren des letzten Jahrhundert war sie ein Sehnsuchtsort für junge Aussteiger jeglicher Couleur aus der ganzen Welt. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie diese Generation tickte, sollte unbedingt James A. Micheners „Die Kinder von Torremolinos“ (1971) lesen. Das englische Original heißt „The Drifters“ und trifft das Thema des Werkes sehr viel besser: Sechs junge Leute (Joe, Britta, Monica, Cato, Jigal und Gretchen) spült es aus unterschiedlichen Gründen nach Torremolinos, wo sie sich losgelöst von bürgerlichen Moralvorstellungen ins pralle Leben stürzen. Auf der Suche nach dem neuen Garten Eden ziehen sie nach längerem Aufenthalt in Torremolinos mit einem ausgebauten Bus über die portugiesische Algarve nach Mozambique und schließlich in den Kiffereldorado Marrakesch. Passend dazu eine Abendstimmung in Torremolinos:

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