Waitangi – die schwierige Geburt der neuseeländischen Nation

In den 1830er-Jahren nahm der Zustrom an europäischen Einwanderern nach Neuseeland drastisch zu, es herrschten zum Teil chaotisch-rechtlose Zustände, die sowohl die Briten wie auch die Māori-Häuptlinge beunruhigten. Außerdem streckten die Franzosen, die ewigen Konkurrenten, ihre Hand nach Neuseeland aus. Es musste rasch etwas geschehen. Die britische Krone schickte William Hobson als Governor, auf dass dieser für klare Verhältnisse sorge. Innerhalb weniger Tage wurde ein Vertragswerk aufgesetzt, dass von einem Geistlichen vom Englischen in Māori übersetzt wurde. Dieses Vertragswerk, bekannt als Treaty von Waitangi, ist quasi die Verfassung Neuseelands. Es wurde 1840 von ca. 500 Māori-Häuptlingen unterzeichnet. Doch, wie bei Übersetzungen nicht selten der Fall, entsprachen sich die beiden Textfassungen stellenweise weder im Wort- noch im Bedeutungsgehalt. Im Verständnis der Māori beispielsweise kann ein Mensch kein Land besitzen, es ist vielmehr umgekehrt: Der Mensch gehört wie die ganze Natur der Mutter Erde und er darf sie für seine Bedürfnisse nutzen. Deshalb kann ein Māori auch kein Land verkaufen. Und am Kauf dieses Landes hatten die Briten und anderen Europäer ein hohes Interesse. Daher kam es, wie es kommen musste: Streitigkeiten, Auseinandersetzungen, Kämpfe wegen des Vertrages von Waitangi. Diese mündeten 1975 in einem Tribunal, das einen bis heute andauernden Schlichtungsprozess einleitete und die britische Krone zwang, das an den Māori seit dem Treaty of Waitangi verübte Unrecht offiziell einzugestehen.

Die sog. Treaty Grounds gelten als wichtigste historische Stätte Neuseelands. Sie sind ein sehr weitläufiges Gelände mit einem hervorragenden Museum, das die Ereignisse multimedial darstellt, laufenden Ausstellungen, verschiedenen historischen Gebäuden und dem weltweit größten Kanu (waka), in dem 80 Krieger Platz finden. Es gibt zu festen Zeiten Führungen und folkloristische Darbietungen, die den Besuchern die Welt der Māori näherbringen sollen.

Ein Besuch der Waitangi Treaty Grounds ist ein Muss – auch wenn der Eintrittspreis von inzwischen 50 Dollar pro Nase (Neuseeländer zahlen die Hälfte) etwas schmerzt.

 

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