(1) Bohuslän – Wunderwelt der Schären: Smögen und Kungshamn

Wir sind etwa 60 Kilometer nördlich von Göteborg, an der rauen Küste Bohusläns. Die beiden größten Inseln in dieser Gegend, Tjörn und Orust (wo wir auf dem Campingplatz sind), beide 15.000 Einwohner, sind miteinander verbunden. Wer in dieser Gegend von A nach B kommen will, braucht nicht nur Straßen, sondern vor allem Brücken und Fähren. Eine Autofahrt über 50 Kilometer dauert dann gerne mal über eine Stunde. Es gibt Abschnitte, wo man schneller als 80 Km/h fahren kann. Ein Blick auf einen Kartenausschnitt mag verdeutlichen, wie kleingliedrig das Gewirr aus Inseln, Buchten und Landzungen in dieser Region ist:

Viele Fähren sind kostenlos und fahren in relativ enger Taktung.

Auf der Fähre ist übrigens immer Wind, und deshalb lässt sich Eva dort nicht gerne fotografieren – weil der Wind die Haare immer so durcheinanderwirbelt. Mit etwas Heimtücke gelingt das aber doch😉.

In dieser Gegend reihen sich die pittoresken Fischerdörfer nur so aneinander, Postkartenfoto-Motive en masse. Kein Wunder, dass Bohuslän eine der beliebtesten Ferienregionen Schwedens ist. Dabei ist nicht immer nachvollziehbar, warum sich die touristische Aufmerksamkeit auf bestimmte Orte fokussiert, während andere eher unbeachtet bleiben. Und das bedeutet natürlich ins Positive gewendet, dass Bohuslän sehr viele Perlen zu bieten hat, die nicht überlaufen sind.

Wir nehmen uns mehrere Tage Zeit und fahren ein paar Ziele an, die sich in Evas Erinnerung verhakt haben. Sie war vor Jahrzehnten mehrere Male in der Gegend, um einen Freund zu besuchen.

Den Großteil des ersten Aufenthaltstages verbringen wir in Smögen, einem der meistbesuchten Hafenorte an der schwedischen Westküste. Daher sind wir darauf vorbereitet, dass Heerscharen von Touristen nach Smögen strömen, zumal Anfang August in Schweden noch Sommerferien sind. Aber alles halb so schlimm! Selbst die Parkplatzsuche ist unproblematisch. Wir stellen unser Auto direkt an der Brücke nach Smögen ab. Diese ist bereits die erste Attraktion des Fischerörtchens. Nicht das Bauwerk selbst ist phänomenal, sondern vor allem der Blick von hier auf Smögen, das angrenzende Kungshamn, das Meer und die vielen Felsbuckel darin, große wie kleine.

Blick auf die Brücke von Smögen vom Hafen von Kungshamn

Wir halten uns hinter der Brücke zunächst einmal links und stellen gleich fest: Hier wird ja noch richtig solide Fischerei betrieben. Wir fühlen uns an die Krabbenfischerei in Greetsiel erinnert, und damit liegen wir richtig: Smögen ist eine Hochburg des schwedischen Krabbenfangs, aber auch des Fischfangs allgemein. In Smögen findet die zweitgrößte Fischauktion Schwedens statt, leider nur online.

Der Eindruck verfestigt sich im Laufe des Nachmittags: Der Fischfang ist hier nicht nur eine touristische Staffage, sondern noch ein lebendiger Geschäftszweig. Auch wenn einige der Fischerhäuschen inzwischen als Gästeunterkünfte dienen.

Nur am Smögenbryggan, dem Boardwalk des Ortes, wird ein touristisches Feuerwerk gezündet. Hier reihen sich kleine Lokale, Läden und Stände, im Gästehafenbereich legt mit dem Boot an, wer sehen und gesehen werden will, räkelt sich lässig an Deck in der Sonne, ein kühles Getränk in der Hand.

Aber ein paar hundert Meter weiter ist schon wieder Schluss mit dem Basar, da sind nur noch die hiesigen kleineren Boote erlaubt und die Häuschen dienen wieder nur ihrem vormaligen Zweck. Und wer Smögen in der Instagram-Welt sucht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit solche Fotos finden:

Natürlich gibt’s in Smögen auch ein paar Häuser, die nicht in diesem typischen Fallunrot gehalten sind!

Und einen tollen Bäcker haben wir auch gefunden.

Gleich gegenüber, jenseits der Brücke, liegt das bedeutend unaufgeregter Kungshamn, wo es außer Geschäften und Lokalen eine hübsche Uferpromenade gibt.

Und auch in Kungshamn wird in nennenswerter Weise Fischfang betrieben.

3 Kommentare zu „(1) Bohuslän – Wunderwelt der Schären: Smögen und Kungshamn

  1. Tolle Bohuslän-Fotos! Sie erinnern mich an einen meiner ersten magischen schwedischen Sommer anno 1980 auf der Insel Tjörn in der Billströmska Folkhögskolan in Kållekärr. Dort absolvierte ich einen sechswöchigen Sprachkurs zusammen mit Studenten aus aller Welt. Da waren Deutsche, Finnen, Franzosen, Belgier, Italiener, Polen (die armen Schlucker reisten per Anhalter an), ein Mädchen aus der DDR (mit Spitzel?), Amerikaner, Chinesen, Russen, Vietnamesen: ein traumhafter Sommer voll Love, Peace and Understanding jenseits der politischen Weltlage samt Olympiaboykott. Da die Brücke von Tjörn nach Stenungsund durch die Karambolage eines Schiffes mit einem Brückenpfeiler in dichtem Nebel im Januar 1980 zerstört war (es gab acht Tote in hinabstürzenden Autos), mussten wir ellenlange Umwege fahren, um Bier und Wein für unser Abschlussfeier im Systembolaget in Stenungsund zu besorgen. Damals hatte jedes Auto den Aufkleber „Bygg bron snabbare“ (Baut die Brücke schneller) am Heck. Wenn Ihr Lust und Muße habt, schaut auf dem Weg nach Göteborg in Skärhamn (schönes neues Aquarellmuseum) und in Marstrand (Festung) vorbei. Dazwischen liegen die Ortschaft Rönnäng und der Aussichtspunkt Tjörnehuvud mit wirklich grandiosen Blicken auf die Schären, zum Beispiel die Insel Astol.
    Habt noch gute Tage und bleibt entschleunigt!

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    1. Lieber Andreas, tempi passati 😉
      Ich freue mich sehr, dass da so viele schöne Erinnerungen hochgeschwemmt werden.
      Eva war ja vor vielen Jahren auch mehrfach in der Gegend, ihr fällt auch so einiges wieder ein, wenn wir hier herumfahren.
      Uns hat auch Möllesund SEHR gut gefallen – Siehe Bohuslän 2!

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