Die Adriatische Küstenstraße bis Zadar – einfach cruisen

Die „Jadranska Magistrala“, Gesamtstrecke 658 Kilometer, zählt gehört zu den beeindruckendsten Küstenstraßen der Welt. Sie beginnt im italienischen Triest und endet hinter Dubrovnik an der montenegrinischen Grenze.

Wir sind sie vor fast 40 Jahren schon einmal mit dem Pkw fast ganz bis zum Ende gefahren. Damals gab es die Autobahn hinter der Bergkette als schnelle Alternative noch nicht. Und einfach alles, was mindestens zwei Räder hatte und in den jugoslawischen Süden und weit darüberhinaus wollte, war hier unterwegs. Rund um die Uhr, oft nächtens mit spärlicher Beleuchtung, mit Fahrzeugen, die kein deutscher TÜV wieder vom Hof gelassen hätte. Ich erinnere mich an so manche Schrecksekunde, wenn plötzlich hinter einer engen Kurve ein Scheinwerferpaar in der eigenen Fahrspur aufblitzte und man hart bremsen musste, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden. Auf halber Höhe am Fels hängende Autowracks waren zu jener Zeit keine Seltenheit.

Wenn man diese Verkehrsader heutzutage befährt, fühlt sich das eher wie entspanntes Cruisen an. Nervig sind nur die vielen Motorradfahrer, die oft in Gruppen unterwegs sind und die durch halsbrecherische Überholaktionen versuchen beieinanderzubleiben. Geschwindigkeiten über 60 Stundenkilometer sind kaum möglich, oft muss man runter auf 20 oder 30 km/h, um sicher durch die Kurve zu kommen. Das Gekurve hat manchmal etwas Einschläferndes, auch wenn natürlich geboten ist, allzeit hellwach zu sein. Immer wieder bieten sich traumhafte Blicke auf die Küstenlinie, schroffe Felsformationen und kleine Ortschaften.

Unsere heutige Fahrstrecke von Krk nach Biograd bzw. Zadar beträgt etwa 230 Kilometer. Wir haben uns ganz bewusst für die Küstenroute entschieden, weil wir die Schönheit der Landschaft genießen und auch ein wenig in unseren Erinnerungen schwelgen wollen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was so alles an die Oberfläche des Bewusstseins gespült wird, wenn man sich nach Jahren erneut an bestimmte Orte begibt …

Der erste Teilabschnitt unserer Fahrt wird visuell stark vom Blick auf die vorgelagerten Inseln Krk, Cres, später Rab und Pag bestimmt. Wie schlafende Monster liegen sie im Meer, die eine noch karger als die andere.

Zwei Inseln sind Ausdruck eines düsteren Kapitels vor allem jugoslawischer Geschichte: Goli Otok und Otok Sveti Grgur. Hier quälte, folterte und versklavte der Staatsapparat unter Marschall Tito vor allem in der Nachkriegszeit Männer und Frauen, die politisch in Ungnade gefallen waren. Der Umfang mit diesem Thema ist auch für den modernen kroatischen Staat nicht gerade ein Ruhmesblatt: Mit der Auflösung der Lager wurden die meisten Dokumente vernichtet, alle Gebäude wurde dem Verfall preisgegeben. Es ist in erster Linie privaten Initiativen zu verdanken, dass dieses traurige Erbe überhaupt noch zu besuchen ist. Erinnerungskultur? Fehlanzeige.

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