Náfplio du Schöne!

Der Ruf der 14.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Náfplio (Nauplio) geht weit über die Grenzen der Provinz Argolída und der Halbinsel Peloponnes hinaus. Schon der Taxifahrer, der uns zur Abholstation unseres Mietwagens fuhr, hatte bei Erwähnung des Ortes leuchtende Augen und empfahl, untermalt von beidhändigen Gesten bei voller Fahrt, dringend einen Besuch. Und auch in unserem Reiseführer ist von „der schönsten Altstadt des griechischen Festlandes“ die Rede.

Also hin. Wir haben drei Nächte in einer zentrumsnahen Ferienwohnung gebucht – und teilen jetzt die Begeisterung für das Städtchen: tolle Altstadt mit verwinkelten Gässchen, mehrere zum Verweilen einladende Plätze, ein große Fülle an griechischen Restaurants und Tavernen, ansprechende Geschäfte und Boutiquen, Museen und Galerien, Hafenpromenade mit vielfältigem (und preislich moderatem) gastronomischem Angebot und – last but not least – gleich zwei veritablen Festungsanlagen. Und auch die Bademöglichkeiten überzeugen.

Wir halten uns an die bewährte Devise „schlendern und schauen“ und legen dabei immer mal wieder eine Pause ein, für einen Cappuccino, ein kühles Bier, eine kleine Zwischenmahlzeit und ein Abendessen mit griechischem Ambiente.

In der Ferne erhebt sich die Festungsanlage Palamídi.

Komboloi sind Perlenketten unterschiedlichster Art, die griechische Männer zum Zeitvertreib nutzen – ohne religiöse Bedeutung.

Die Festung Boúrtzi, im Einfahrtsbereich des Hafens, heute ein Touristen-Magnet. Einst schützte sie die Stadt vor seeseitigen Angriffen.

Náfplio ist nicht einfach nur schön anzuschauen. Die Stadt kann auch mit ihrer historischen Bedeutung punkten. Schließlich ist sie die erste Hauptstadt (1828-1834) Griechenlands nach der Befreiung von den Osmanen. Die kleine Kirche Ágios Spirídonos war Schauplatz eines Attentats auf den ersten griechischen Premierminister Ioánnis Kapodístrias, der hier 1831 von zwei Manioten erschossen wurde. Am Südportal der Kirche sieht man noch ein Einschussloch.

Auch deutscher Einfluss spielt in Náfplio eine nicht unmaßgebliche Rolle: 1831 übernahm der Wittelsbacher Prinz Otto als König die Regentschaft als erster neuzeitlicher König. Ihm wurde 1995 (!) eine Statue gewidmet.

Deutschen wie auch griechischen Fußballfans dürfte eher ein anderer „König Otto“ in Erinnerung sein. Dem deutschen Trainer Otto Rehagel gelang 2004 eine der größten Überraschungen der Fußballgeschichte: Er führte die griechische Nationalschaft zur Europameisterschaft. Dafür verehren ihn viele Griechen noch heute.

Und aus all diesen Gründen sollte Náfplio unbedingt zum Besuchsprogramm des Peloponnes gehören.

PS: Ein bisschen Streetart gibt‘s in Nafplío auch, aber die ist sehr überschaubar.

Ungelenkes Graffiti sowie Schmierereien sogar auf historischen Gebäuden findet sich im Straßenbild leider zuhauf.

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