Mistrás – Lost Place mit viel Geschichte

Inzwischen sind wir in Lakonía angekommen, dem Südostzipfel des Peloponnes. Wir fahren in Richtung des weltbekannten Sparta, das in der Antike der große Gegenspieler von Athen war. Bei diesem Duo hat Sparta die Rolle der harten Militärregierung mit einer perfektionierten Kriegsmaschine, Athen die der liberalen Demokratie. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Athen heute noch über eine Vielzahl an antiken Bauwerken verfügt, während es vom alten Sparta nur noch ein paar eher unbedeutende Ruinen gibt. Das heutige Sparta wurde nämlich erst in den 1830er-Jahren auf Betreiben des wittelsbachischen Königs Otto I. von Griechenland gegründet – und geplant von einem bayerischen Architekten.

Deshalb fahren wir auch einfach an Sparta vorbei. 😊

Unser Ziel ist Mistrás, die als UNESCO–Weltkulturerbe ausgewiesene byzantinische Ruinenstadt, etwa 10 Kilometer westlich von Sparta gelegen. Dabei bewegen wir uns auf das Taígetos–Gebirge zu, das aus der Entfernung wie eine große Wand erscheint, sich dann aber als zerklüftete Bergregion erweist.

Wir steuern einen Campingplatz an, auf dem wir für die Nacht einen kleinen Bungalow gemietet haben. Etwas beengt, aber alles sauber und mit dem Nötigen ausgestattet. Auch das Camping-Feeling gefällt uns … Heute dominieren eindeutig die Franzosen, die mit einer größeren Gruppe von Wohnmobilisten fast alle Plätze belegt haben.

Das moderne Mistrás bietet alles, was der Tourist braucht, ohne viel Schnickschnack.

Uns ist am nächsten Morgen klar, dass das ein anstrengender Tag wird. Denn das alte, verlassene und historisch interessante Mistrás ist eine Geisterstadt riesigen Ausmaßes und erstreckt sich am Berg über mehr als dreihundert Höhenmeter. Im Tal liegt ein kleiner Ort mit gleichem Namen, der über eine gut organisierte touristische Infrastruktur verfügt. Hier frühstücken wir, parken das Auto und begeben uns auf den Fußmarsch, ungefähr drei Kilometer zum unteren von insgesamt zwei Eingangstoren.

Man sollte mindestens vier Stunden für einen Besuch einplanen, gut zu Fuß sein, unbedingt solides Schuhwerk tragen und Proviant und ausreichend Wasser mitnehmen.

Wer viel sehen will, muss viele Treppen steigen.😐

Mistrás, Mitte des 13. Jahrhunderts von einem fränkischen König gegründet, wurde bald von den Byzantinern erobert und fiel dann in die Hände der Osmanen. Um 1700 hatte die Stadt um die 42.000 Einwohner. Während des griechischen Freiheitskampfes (1821-1829), bei dem es um die Befreiung der Griechen von den Türken ging, wurde Mistrás so stark zerstört, dass ein Wiederaufbau nicht mehr in Frage kam. 1953 verließen die letzten Bauernfamilien den Ort.

Die vormalige Metropole bietet ein besonderes Landschafts- und Kulturerlebnis. Die Fülle an Wohngebäuden, Wegen und Straßen, sakralen und weltlichen Bauten ist überwältigend. Vieles ist mehr als halb verfallen, aber einige Gebäude sind gut restauriert und legen Zeugnis ab von der einstigen Pracht der Stadt.

Der Blick über die Stadt, das Tal und die weite Landschaft ist an einem sonnigen Tag fantastisch.

Metropolis des hl. Demetrius

Despotenpalast

Ausstellung im Despotenpalast

Einen besonders nachhaltigen Eindruck hat bei uns die einzige noch bewohnte Anlage auf dem Areal hinterlassen: das Kloster Pandanássa. Hier halten ein paar schwarz gekleidete Nonnen die Stellung. Ein Ort der Stille und der Einkehr (zumindest bei unserem Besuch). Der Bau stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die gut erhaltenen Fresken der Klosterkirche in ihrem oberen Teil aus dem 15., im unteren Teil aus dem 17./18. Jahrhundert.

Im Kloster Pandanássa hätten wir es durchaus noch etwas länger aushalten können, aber schließlich obsiegten nach der Anstrengung doch die weltlichen Genüsse …

Baden in Náfplio

Náfplio verfügt über eine Vielzahl an guten und günstigen Bademöglichkeiten.

Wem beispielsweise unmittelbar in der Stadt danach ist, sich im kühlen Meerwasser zu erfrischen, kann einfach eines von den angelegten Naturschwimmbecken nutzen. Umkleidemöglichkeiten stehen kostenfrei zur Verfügung. Und auch ein Sonnenbad und ein kühles Getränk dazu sind kein Problem.

Wer es gerne etwas ursprünglicher hat, geht einfach weiter, zunächst an einem Eisentor vorbei.

Dann führt der Weg eine breit gepflasterte Promenade mit herrlichem Blick aufs Meer entlang. Links erheben sich schroffe Felswände, stellenweise bewachsen mit Wolfsmilchgewächsen und Feigenkakteen. Meist weht ein Lüftchen, was an heißen Tagen besonders willkommen ist.

Schließlich erreicht man den kleinen Arvanitiá Beach mit einem Felsplateau, Kieselsteinstrand, kostenlosen Toiletten, Duschen und Umkleidemöglickeiten, auch Liegestühle und Sonnenschirme sind verfügbar. Darüber liegt ein großer Parkplatz, der gebührenfrei genutzt werden kann (September 2026). Von dort ist man nach wenigen Gehminuten gleich wieder in der Stadt.

Wer sich gerne noch in freier Natur ein wenig (etwa drei Kilometer) betätigen möchte, geht weiter zum Karathónas Beach. Ein wunderschöner Küstenwanderweg, der von Felswänden, Eukalyptusbäumen und Pinien gesäumt ist und einige schattenspendende Abschnitte in petto hält.

Für Strandverwöhnte ist Karathónas nicht das Höchste der Gefühle, aber der Strand erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck: flach ansteigendes Wasser, Infrastruktur mit Sonnenschirmen, Beach Bars, Duschen, Toiletten und Umkleidekabinen. Umsicht ist geboten beim Reingehen. Es handelt sich zwar um einen Sandstrand, aber größere Kieselsteine können das Vergnügen beeinträchtigen.

Abendspaziergang durch Náfplio

Wer es gerne gleichzeitig überschaubar und ein wenig mondän mag, ist am Abend in Náfplio gut aufgehoben. Insbesondere an Wochenenden strahlt die Großstadt Athen auf die kleine Schwester – die im 19. Jahrhundert schließlich auch schon mal Hauptstadt war – aus.

An lauen Sommerabenden drängt es die Menschen in die Bars und Restaurants, in die engen Gassen und auf die trubeligen Plätze, auf die breite Promenade im Hafen. Auf und ab, sehen und gesehen werden.

So ging’s auch uns. So ein Abend verströmt eine flirrende Leichtigkeit, die spätestens beim Aperitif mit Blick aufs Meer spürbar wird. So lässt es sich entspannt warten auf die untergehende Sonne.

Am Wasser haften sich die Augen immer wieder an die schwimmende Festung Boúrtzi, erbaut von den Venezianern. Im Halbstundentakt pendeln kleine Fähren hinüber, sogar essen kann man dort.

Schauen und genießen

Andernorts in der Stadt zieht die hoch oben auf dem Hügel liegende Festungsanlage Palamídi das Augenmerk auf sich. So schienen bei unserem Besuch (im September 2026) die im Kokokotróni Park ausgestellten Marmorstatuen in der Trutzburg einen Orientierungspunkt zu haben.

Im abendlichen Lichterspiel von Náfplio spielen die orthodoxen Kirchen und kleineren Kapellen eine besondere Rolle. Man hat das Gefühl, dass sie – im wahrsten Sinn des Wortes – nah bei den Menschen sind. Ihre Türen stehen offen, auch beispielsweise direkt gegenüber einer Bar mit lauter Musik. Der Mensch tritt ein, und er wird unmittelbar in gedämpftes Licht, Kerzenschein und Weihrauch eingehüllt.

Uns hat es, nach dem Essen und einem leckeren Eis auf die Hand, zum Ausklang des Abends wieder zurück ans Wasser gezogen, diesmal ans Ende der Promenade, an die sich noch ein paar Restaurants und Cocktailbars anschließen. Blick aufs schillernde Meer, ein Gemisch aus exotischen Säften, Früchten und Alkohol schlürfen und den Tag sowie das eine oder andere gemeinsame Erlebnis Revue passieren lassen … im Wissen, dass das Leben es gut mit uns meint.

Cocktailbar mit Naturschwimmbecken

Pura vida 😉

Náfplio du Schöne!

Der Ruf der 14.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Náfplio (Nauplio) geht weit über die Grenzen der Provinz Argolída und der Halbinsel Peloponnes hinaus. Schon der Taxifahrer, der uns zur Abholstation unseres Mietwagens fuhr, hatte bei Erwähnung des Ortes leuchtende Augen und empfahl, untermalt von beidhändigen Gesten bei voller Fahrt, dringend einen Besuch. Und auch in unserem Reiseführer ist von „der schönsten Altstadt des griechischen Festlandes“ die Rede.

Also hin. Wir haben drei Nächte in einer zentrumsnahen Ferienwohnung gebucht – und teilen jetzt die Begeisterung für das Städtchen: tolle Altstadt mit verwinkelten Gässchen, mehrere zum Verweilen einladende Plätze, ein große Fülle an griechischen Restaurants und Tavernen, ansprechende Geschäfte und Boutiquen, Museen und Galerien, Hafenpromenade mit vielfältigem (und preislich moderatem) gastronomischem Angebot und – last but not least – gleich zwei veritablen Festungsanlagen. Und auch die Bademöglichkeiten überzeugen.

Wir halten uns an die bewährte Devise „schlendern und schauen“ und legen dabei immer mal wieder eine Pause ein, für einen Cappuccino, ein kühles Bier, eine kleine Zwischenmahlzeit und ein Abendessen mit griechischem Ambiente.

In der Ferne erhebt sich die Festungsanlage Palamídi.

Komboloi sind Perlenketten unterschiedlichster Art, die griechische Männer zum Zeitvertreib nutzen – ohne religiöse Bedeutung.

Die Festung Boúrtzi, im Einfahrtsbereich des Hafens, heute ein Touristen-Magnet. Einst schützte sie die Stadt vor seeseitigen Angriffen.

Náfplio ist nicht einfach nur schön anzuschauen. Die Stadt kann auch mit ihrer historischen Bedeutung punkten. Schließlich ist sie die erste Hauptstadt (1828-1834) Griechenlands nach der Befreiung von den Osmanen. Die kleine Kirche Ágios Spirídonos war Schauplatz eines Attentats auf den ersten griechischen Premierminister Ioánnis Kapodístrias, der hier 1831 von zwei Manioten erschossen wurde. Am Südportal der Kirche sieht man noch ein Einschussloch.

Auch deutscher Einfluss spielt in Náfplio eine nicht unmaßgebliche Rolle: 1831 übernahm der Wittelsbacher Prinz Otto als König die Regentschaft als erster neuzeitlicher König. Ihm wurde 1995 (!) eine Statue gewidmet.

Deutschen wie auch griechischen Fußballfans dürfte eher ein anderer „König Otto“ in Erinnerung sein. Dem deutschen Trainer Otto Rehagel gelang 2004 eine der größten Überraschungen der Fußballgeschichte: Er führte die griechische Nationalschaft zur Europameisterschaft. Dafür verehren ihn viele Griechen noch heute.

Und aus all diesen Gründen sollte Náfplio unbedingt zum Besuchsprogramm des Peloponnes gehören.

PS: Ein bisschen Streetart gibt‘s in Nafplío auch, aber die ist sehr überschaubar.

Ungelenkes Graffiti sowie Schmierereien sogar auf historischen Gebäuden findet sich im Straßenbild leider zuhauf.

Auf zur Festung Palamídi in Náfplio

Von fast überall in Náfplio schaut man auf die mächtige, abends auch angestrahlte Festungsanlage Palamídi. Sie thront über der 14.000-Einwohner-Stadt, breitet sich über den Bergkamm aus wie eine fette Echse. Sie wurde – wie die Insel-Festung Boúrzti unten im Hafen – während der kurzen Herrschaft der Venezianer zwischen 1684 und 1715 erbaut.

Das Gemäuer schmiegt sich an den Fels, als wäre es aus ihm herausgewachsen.

Palamídi will erklommen werden. Leicht gesagt. Denn bei 30 Grad ist das ein durchaus schweißtreibendes Unterfangen … Der Legende nach sind es 999 Stufen bis zur Bergburg auf 223 Metern Höhe. Tatsächlich liegt die Anzahl der Stufen je nach Zählung zwischen 847 und 901 😐.

Gleich unten beim Einstieg fällt auf, dass die Stufen nach außen nicht gesichert sind. Das ist an vielen Stellen der Fall. Also besser nicht ausrutschen.

Wir gehen zügig hoch – und sind dann einigermaßen überrascht, als wir den Eingangsbereich der Festung erreicht haben. Es war gar nicht so anstrengend wie zunächst gedacht. Umso besser. Da bleibt genügend Puste für den einen oder anderen Abstecher beim Abstieg. Wir sind gleichermaßen neugierig und konsterniert, dass man in luftiger Höhe einfach mal über eine Seitenmauer kraxeln oder durch eine Öffnung ins Freie treten kann. Da ist ein sicherer Tritt und Schwindelfreiheit gefragt. Wer sich was traut, erlebt auch was. Und wer stolpert, hätte es eigentlich besser wissen müssen 😉.

Immer an der Wand lang 😰

Weit zu Füßen erstreckt sich der Argolische Golf.

Wir kommen jedenfalls heil wieder unten an und freuen uns über unser kleines Abenteuer mit grandioser Aussicht über Náfplio und die Bucht.

Den Sommer verlängern in Griechenland

Wenn sich nach vielen heißen Sommertagen in der schwäbischen Heimat der Herbst ankündigt und sich am Morgen der Blick aus dem Dachgeschoss unseres Hauses ins Murrtal im Nebel verliert, machen wir uns gerne in wärmere Gefilde auf.

Auch Mitte September ist eine sommerliche Kopfbedeckung in Griechenland ein nützliches Utensil.

Dieses Jahr (2026) zieht es uns nach Griechenland. Hellas ist für uns durchaus bekanntes Territorium: Für mich gehörten Griechenland-Reisen viele Jahre zur beruflichen Routine (vor allem Athen und Thessaloniki), als Familie haben wir zwei schöne Gruppenfahrten nach Euböa unternommen (mit damals noch kleinen Kindern), und auch als Paar waren wir schon dort. Aber diese Besuche liegen viele Jahre zurück, und wir hatten den Wunsch, Griechenland noch einmal intensiv zu bereisen und neu zu entdecken.

Und das Ganze ohne ausgefeilte Planung! Was konkret bedeutet: Zeitrahmen sechs Wochen (Mitte September bis Ende Oktober), nur einen Hinflug buchen und ein Auto für die ersten zwei Wochen mieten (für eine Peloponnes-Rundreise). Weitere Ziele: Pilion und einige Inseln. Bei Letzteren ist die Auswahl in Griechenland ziemlich groß. Schließlich zählt man dort mehr als 6.000 Eilande, davon sind knapp 230 bewohnt. Wir hatten insbesondere die Sporaden und Kykladen ins Auge gefasst.

Da wir von Stuttgart nur einen abendlichen Flug nach Athen ergattern konnten, verbrachten wir die Nacht in der Nähe des Flughafens und holten unseren Mietwagen am nächsten Morgen ab.

Anflug auf Athen

Mit einem Peugeot 2008 ging’s dann gleich auf die Autobahn in Richtung Náfplio/Peloponnes. Bei Außentemperaturen von 30 Grad und zivilisiertem Fahrverhalten der Griechen (Höchstgeschwindigkeit 130 Stundenkilometer) konnten wir uns ohne Hektik auf das neue Land einstellen.

Der Kanal von Korinth bildet auf dieser Tour den Übergang vom Festland zur Halbinsel Peloponnes. Er wurde zwischen 1881 und 1893 auf einer Länge von knapp 6,5 Kilometern erbaut. Er hat fünf Brücken. Zwei davon an den jeweiligen Enden sind absenkbar. Wenn sich ein Schiff nähert, fährt die Fahrbahndecke mittels eines motorgetriebenen Gestänges acht Meter tief ins Wasser. Nach der Durchfahrt des Schiffes geht es retour. Ein beeindruckendes Schauspiel, das wir uns bei einem Cappuccino auf der Terrasse eines Restaurants in Isthmia gerne einmal angeschaut haben 😊.

Danach fuhren wir zunächst auf der südöstlichen Seite die Küste der Halbinsel hinunter, legten eine längere Pause am Meer ein und erreichten schließlich gegen Abend unsere Wohnung in Náfplio.

Das ist inzwischen die Regel bei Wohnungen, die über die bekannten Plattformen gebucht werden: Der Schlüssel wird in einem kleinen Kasten deponiert, der mit einem Zahlenschloss gesichert ist.

Ein rundum gelungener Auftakt!

Ciao Sardinien!

Tja, jede Reise geht mal zu Ende 😞. Und unsere Fähre nach Genua legt um 21.00 Uhr ab.

Das waren jetzt zwei Monate Sardinien, einmal rum um die Insel, aber längst noch nicht alles gesehen, er-fahren, erwandert, probiert … Aber richtig viele schöne Erlebnisse gehabt.

Für uns ein Anlass, euch ein herzliches Dankeschön zu sagen – schön, dass ihr mitgereist seid.

Wir freuen uns auf zu Hause, auf unsere wunderbare Familie, auf unsere Freunde, und sogar auch schon ein bisschen auf Weihnachten 😉.

Und dann schauen wir mal, wo wir wohl das nächste Mal die Füße in den Sand stecken ..,

🙋‍♂️

(5) Fundstücke Sardinien

Viele Früchte, aber leider nicht genießbar: Die dekorative Kanarische Dattelpalme ist auch in Sardinien verbreitet, hat jedoch keine wirtschaftliche Bedeutung (im Gegensatz zur Echten Dattelpalme).
Ichnusa, ungefiltert, ist DAS sardische Bier – schmeckt richtig gut 😋.
So sind die Badesachen im Nu getrocknet …
Ein kleiner Bruder des Papamobils? Es steht offenbar schon länger zum Verkauf (Vendesi), wie man am Zustand der Reifen erkennen kann 😉.
So kann man kostenlos am Strand übernachten und gleichzeitig ein Business betreiben: Massageservice in der Nähe von Porto Pollo/Gallura.
Fahrrad als Deko-Objekt, gesehen in Alghero.
Wenn man länger unterwegs ist, kann ein Lidl oder Aldi durchaus heimatliche Gefühle wecken 😉.
Der Cinquecento als Cabrio mit Korbsitzen, das wäre doch eine Traumvariante des legendären Fiat Kleinstwagens! Gesehen im Eingang eines Hotels in Porto Cervo.
Ein Olivenbaum an der Costa Smeralda, schon arg gezeichnet – lebt aber noch und hat sogar ein paar Oliven.
Frische italienische Pasta, was für ein Genuss 😋.
Aber die süßen Versuchungen sind auch nicht schlecht!
So blickt die Kunst auf die Tourist(inn)en.

San Pantaleo – Künstlerdorf im Hinterland der Costa Smeralda

Nachdem wir die Costa Smeralda – nach unserem Eindruck – zur Genüge erkundet haben, begeben wir uns am Ende unseres zweimonatigen Sardinienaufenthalts nochmal ins Hinterland.

Es geht nach San Pantaleo, ein kleines Künstlerdorf in der Gallura, zwischen mächtigen Felszacken gelegen. Die Granitsteinhäuser, vormals von Hirten und Bauern zum Wohnen genutzt, sind zum großen Teil umfunktioniert zu Kunsthandwerkstätten, Galerien und Verkaufsläden, die zum Schlendern und Stöbern einladen. Sie haben sich in den Gassen um den Marktplatz (Piazza Vittorio Emanuele) mit einer hübschen Kirche herum angesiedelt. Für das leibliche Wohl sorgen ein paar originelle Bars und Restaurants.

Alles überschaubar hier, und mit Liebe und Geschmack arrangiert. Es geht sehr unaufgeregt zu, was sicherlich auch an der Jahreszeit liegt, es ist Ende Oktober. Von Mai bis September findet in San Pantaleo jeweils donnerstags ein vielbesuchter Markt statt. Dann dürfte es um einiges turbulenter werden in dem kleinen Gallura-Dorf.

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Costa Smeralda mit „Hauptstadt“ Porto Cervo

Die etwa 55 Kilometer lange Costa Smeralda ist gewissermaßen der „künstlichste“ Küstenabschnitt von Sardinien. Sie ist Teil der sardischen Provinz Sassari, beginnt nördlich der Hafenstadt Olbia (am Ausgang des Golfo di Cugnana) und reicht bis kurz vor Baja Sardinia (Liscia di Vacca). Sie wurde benannt nach der smaragdgrünen Wasserfarbe, die karibisches Flair versprüht.

Einige der schönen Strände, Buchten und natürlich auch die Inselchen sind nur mit dem Boot erreichbar. Deshalb sollte man vor einem Besuch dieser Region am besten seine Jacht aus dem Trockendock holen lassen 😉. Vielleicht etwas in dieser Kategorie:

Denn nur so geht man sicher, dass man auch wirklich mithalten kann!

Denn: Die Costa Smeralda gilt als eine Gegend, wo sich von Mai bis Mitte September die Reichen und Schönen (oder die sich dafür halten) einfinden.

Die „Costa“ ist eine Projektidee des Multimilliardärs Karim Aga Khan IV. Anfang der 1960er-Jahre kaufte er zusammen mit anderen Investoren den Küstenabschnitt von den ansässigen Hirten auf, um ein „Exklusivparadies für gehobene Ansprüche“ zu gründen. In der Folge wurden luxuriöse Bungalows, Ferienanlagen, Luxushotels und Gourmetrestaurants aus dem Boden gestampft und edle Marinas angelegt. Das Konzept ging auf, und insbesondere in den 1970er- und 1980er-Jahren kamen die Promis in Scharen.

Die Kritiker sprachen bald von der „Costa Rubata“, der „gestohlenen Küste“.

Aber Bausünden, wie wir sie beispielsweise von verschiedenen Küstenabschnitten in Spanien kennen, wurden an der Costa Smeralda vermieden. Denn jeder Bauherr muss hier einem Konsortium beitreten, das sehr strenge und detaillierte Regeln festgelegt hat. So dürfen nur insgesamt vier Prozent der Fläche bebaut werden – was dazu führt, dass der Charakter der Landschaft weitgehend erhalten bleibt.

Auch sind Bauten höher als baumhoch nicht zulässig, und es muss Naturstein verwendet werden. Häuser wie auch kleinere Orte wirken daher nicht protzig und sind angepasst an die natürliche Umgebung.

Selbst größere Hotels wirken von außen etwas unscheinbar. Ein gutes Beispiel dafür ist das Cala di Volpe, die erste und wohl auch berühmteste Edelbleibe der Costa Smeralda. Hier bezog sogar einmal Roger Moore in „Der Spion, der mich liebte“ (1976) mit seiner Partnerin Quartier.

Das Fünf-Sterne-Haus wurde von einem französischen Star-Architekten (Jacques Couëlle) entworfen und gilt als Prototyp des sogenannten neosardischen Stils, einer Mischung aus mehreren Baustilen, die als typisch für den Mittelmeerraum angesehen werden.

Wir haben uns das am Beispiel von Porto Cervo, das als „Hauptstadt“ der Costa Smeralda gilt, näher angesehen. Hier reihen sich die Edelboutiquen aneinander, und für eine Flasche Wein werden im Restaurant deutlich dreistellige Zahlen aufgerufen.

Blick auf Porto Cervo vom geschäftlichen Zentrum aus.

Die wesentlichen Bauelemente des neosardischen Stils sind Bogenfenster, Türmchen und Treppen, alles etwas klein und verspielt und gefällig fürs Auge und in Naturfarben wie Braun, Ocker und Felsgrau gehalten.

In der zweiten Oktoberhälfte, dem Zeitpunkt unseres Besuchs, wirkte Porto Cervo wie eine Geisterstadt. Aber das hat ja durchaus Vorteile, wenn man nur gucken (aber nicht zahlen) will 😉. Außerdem kann man in aller Ruhe Fotos machen.

Von unserem Parkplatz unten am Hafen waren es lediglich ein paar Schritte zum Villaggio, dem Einkaufs- und Gastronomiezentrum. Nur eine kleine Brücke war zu überqueren und schon waren wir mittendrin.

Das Villaggio ist tatsächlich wie ein Dorf mit zentralem Marktplatz konzipiert. Es wirkt sehr gepflegt und hat viel Grün, das sich harmonisch in das Gesamtarrangement einfügt und dieses ergänzt. Aber ein Dorf ohne Menschen ist nicht einmal ein halbes Dorf! Deswegen würden wir das Ganze auch gerne nochmal im Vollbetrieb mitten in der Saison anschauen …