Tempio Pausiana – in der inneren Gallura

Tempio Pausiana ist neben Olbia eine der Hauptstädte der Provinz „Nord-Est Sardegna“. Das Städtchen hat 13.000 Einwohner, liegt auf einer Hochterrasse am Nordfuß des Gebirgsmassivs Monte Limbara (1.360 Meter), umgeben von Korkeichenwäldern (siehe separaten Beitrag).

Wir hatten keine besonderen Erwartungen, als wir uns von unserem Campingplatz am Meer auf die kurvenreiche, etwa einstündige Autofahrt begaben. Am Himmel hatten sich ein paar Regenwolken zusammenbraut an diesem Donnerstag gegen Ende Oktober. Und wir waren positiv überrascht, trotz der unfreundlichen Wetterlage.

Das alte Zentrum wirkt einheitlich gestaltet, mit Granit als zentralem Baumaterial für die Gebäude und Gassen. Man scheint mit authentischen Restaurants und hübschen Verkaufsläden gut auf Besucher eingestellt, die Orientierung fällt leicht. Denn die Via Roma als schnurgerade Hauptachse ist immer wieder gut zu finden, wenn man sich beim Schlendern durch die Nebengassen ein wenig verloren hat. Die wichtigsten Gebäude sind, es könnte kaum anders sein, Kirchen und städtische Einrichtungen. Die Plätze laden zum Verweilen ein – wenn es denn das Wetter erlaubt 😐.

Uns gefiel besonders gut, dass einige Gassen mit Spruchbändern versehen sind und an verschiedenen Stellen historische Fotos über die Menschen in ihrem Alltag informieren. Dabei spielen die Themen Korkproduktion und Granitabbau eine besondere Rolle, aber beispielsweise auch die Herstellung von Tabakpfeifen.

Wir würden also gerne nochmal wieder bei sommerlicheren Temperaturen in Tempio Pausiania vorbeischauen, zumal die Sommerhitze in dem Städtchen wegen seiner Höhenlage bedeutend angenehmer zu ertragen ist.

Arrivederci, a presto!

Innere Gallura – Zentrum der Korkproduktion

Die Gallura ist der nordöstliche Zipfel von Sardinien. Diese Region ist vor allem bekannt für ihre zerklüftete Granitküste, Inseln wie das La Maddalena-Archipel und ein Hinterland mit ausgedehnten Korkeichenwäldern. 

Nach sieben Wochen und gegen Ende unserer zweimonatigen Rundreise (September/Oktober 2025) – und einem gefühlten Dauersommer – kündigt sich auch hier unweigerlich der Herbst an: Laut Wetterprognose soll es Regen und böigen Wind geben. Wir nutzen den Tag für eine Fahrt ins Binnenland, unsere Ziel ist Tempio Pausiana, das städtische Zentrum der Gallura, gut 50 Kilometer von der Küste entfernt.

Diese Region ist das Herz des hochwertigen Korks. Etwa 70 Prozent des italienischen Korks stammen aus Sardinien.

Und wenn man hier mit dem Auto unterwegs ist, kommt man an Produktionsanlagen mit riesigen Mengen gestapelter Korkeichenrinde vorbei.

Die Korkproduktion hat eine lange Tradition, und Weintrinker denken bei diesem Naturstoff als Erstes an Flaschenkorken – für die in aller Regel hochwertiger Kork zur Anwendung kommt. Aber Kork ist sehr vielseitig verwendbar, unter anderem auch als Bodenbeläge und Dämmstoff, in der Textilverarbeitung oder als Material in der Handwerkskunst.

Korkerntezeit ist Mai bis August. Das Verfahren ist recht einfach: Der Stamm wird oben und unten rundum eingekerbt und dann wird zwischen diesen beiden Ringen ein Längsschnitt in der Rinde gesetzt. Schließlich wird die Rinde mit dem Axtstiel abgehebelt. Die Rindenstücke werden dann in großen Wannen gekocht, über einige Monate getrocknet und danach weiterverarbeitet. Hier eine historische Darstellung:

An dem Schäl-Verfahren hat sich nichts Wesentliches geändert. Es ist Handarbeit, damals wie heute.

In der Korkwirtschaft ist ein langer Atem erforderlich: Die Bäume können etwa alle 8 bis 10 Jahre geschält werden. Der erste Schnitt erfolgt normalerweise, wenn die Bäume etwa 25 Jahre alt sind. Der Baum ist nach acht bis neun Schälungen verbraucht.

Die Korkeichenwälder sind wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere, schützen vor Bodenerosion und leisten einen bedeutenden Beitrag zur Luftreinhaltung.

PS: Italien gehört mit etwa vier Prozent der Weltkorkproduktion zu den kleineren Erzeugern. Portugal ist mit 50 Prozent Marktführer, gefolgt von Spanien mit 25 Prozent. Man schätzt die Zahl der weltweit hergestellten Weinflaschenkorken auf 10 Milliarden jährlich.

Capo Testa – Granitwildnis vom Feinsten

Schon von Weitem sieht man die hellen Granitfelsen des Capo Testa leuchten.

Wer gerne mal etwas fotografiert, das nicht so ganz außergewöhnlich ist, der ist mit der Auswahl der Objekte am Capo Testa schnell überfordert. Das klassische Phänomen des Kindes im Süßwarenladen, das sich etwas aussuchen darf und sich nicht entscheiden kann, weil es alles will.

Und genauso erging es uns auf dieser Halbinsel der Gallura.

Der Reihe nach.

Das Capo Testa sieht aus wie eine Insel im Nordwestzipfel von Sardinien, die über einen schmalen Damm, eine Art Autobrücke, mit dem „Festland“ verbunden ist. Nachdem man diesen passiert hat, stellt man sein Auto ab, noch bevor man den kleinen Ort Villagio Capo Testa erreicht hat, und erkundet die Gegend zu Fuß. Bei unserem Besuch Mitte Oktober war das Parken überhaupt kein Problem, zudem noch kostenlos möglich. Das stellt sich in der Hauptsaison gänzlich anders dar: Dann sollte man das Auto bereits in Santa Teresa di Gallura abstellen und mit dem Shuttle auf die Halbinsel fahren.

Wir sind mit dem Rucksack und mit leichten Wanderschuhen losgezogen. Man folgt im Wesentlichen den Wanderpfaden, und direkt an der Küste darf man sich dann stellenweise kraxelnd seine Wege suchen. Was ein Riesenspaß ist!

Der Überblick sieht so aus:

Entnommen dem Sardinienführer von Eberhard Fohrer, Michael Müller Verlag, Ausg. 2024, S. 111

Gleich zu Beginn unserer Wanderung stoßen wir auf ein paar ganz offensichtlich bearbeitete Granitblöcke. Sie stammen aus der Zeit der Römer, die die Steinvorkommen für den Bau von Tempelsäulen in Rom nutzten.

Die blendend weißen Granitformationen, die man am Capa Testa unmittelbar erleben kann, sind einfach unglaublich. An manchen Stellen türmen sich die Gebilde auf, verwinden sich ineinander, brechen unvermittelt ab. Es ist, als hätte ein wütender Riese Ton durch die Hände gequetscht, der dann erstarrt wäre.

Die Granitwildnis gibt an der Küste immer mal wieder einen kleinen Strand frei, der zum Verweilen und Baden einlädt. Das Wasser ist azurblau und klar, manchmal sind kleinere Fischschwärme zum Greifen nah.

Übrigens kann man sich beim Klettern durchaus etwas zutrauen – man hat auf der rauen Oberfläche der Felsen einen ausgezeichneten Halt.

PS: In den 1970-Jahren wurden viele Höhlen im Valle di Luna des Capo Testa zu Hippie-Unterkünften. Als sich dann über die Jahre immer mehr Gleichgesinnte und Rucksacktouristen einfanden, insbesondere zu den sogenannten „Vollmondfesten“, und sich überall die Müllberge aufhäuften, schritten die Behörden ein und räumten das Gebiet. Heute sieht man hier und da „Alternativurlauber“, die sich wieder „angesiedelt“ haben und scheinbar geduldet werden.

Und dann gibt’s da natürlich noch die Bewohner, die schon immer am Capo Testa gewohnt haben und hoffentlich noch lange dort bleiben 😉.

Alghero – die Schöne am Meer

Alghero zieht einheimische wie ausländische Besucher an, gilt es doch als schönste Stadt Sardiniens. Auch für uns war die 42.000-Einwohner-Stadt eine ideale Abwechslung nach Wochen mit vielen Naturerlebnissen.

Was gleich zu Beginn auffiel: Von unserem Campingplatz in Fertilia aus konnten wir uns einfach aufs Rad setzen und den größten Teil der etwa sechs Kilometer langen Strecke bis zur Stadtmauer auf Radwegen absolvieren. Das erlebt man Italien selten, und Sardinien ist da keine Ausnahme. Übrigens: die gesamte Strecke verläuft an einem Strand entlang.

Was weiterhin sofort ins Auge fiel: Hier weht sozusagen ein katalanischer Wind.

Denn die meisten Bewohner stammen von Katalanen ab. Die Älteren sprechen noch einen katalanischen Dialekt. Hier gibt’s Paella und viele Straßennamen sind zweisprachig: Via und Carrer. (Mehr dazu im PS)

Die Spanier regierten Alghero ab 1354 fast 400 Jahre lang, und sie waren es auch, die die die zuvor von den Genuesen gebaute mächtige Festungsanlage verstärkten und erweiterten.

Wir sind gerne und oft in Spanien, und wir finden es beeindruckend, wie Geschichte so intensiv nachwirken kann. Alghero hat definitiv seinen spanischen Charakter bewahrt. Außer in der Sprache zeigt sich das auch in der Bauweise des historischen Zentrums: enge und verwinkelte Pflastergassen, gotische und barocke Kirchenbauten (in der spanischen Ausprägung), repräsentative Bürgerhäuser …

Es macht einfach Spaß, durch die Gassen zu schlendern. Man kann sich ganz entspannt treiben lassen, denn die historische Altstadt ist weitgehend für Autos gesperrt.

Alghero ist ein Touristenmagnet und wird direkt von Ryanair angeflogen. In der Hauptsaison dürften sich wohl auch die Massen durch die Gässchen schieben. Davon war bei unseren Besuchen während einer Oktoberwoche 2025 wenig zu spüren. Es scheint außerdem zu gelingen, einen Qualitätsstandard zu bewahren. Das breite Angebot an Läden und Boutiquen sowie an Bars und Restaurants lädt zum Ausprobieren und Stöbern ein. Die allerorten bekannten Fastfoodketten haben wir im Straßenbild nicht wahrgenommen, ebensowenig wie südostasiatische Billigwaren im Übermaß. Das mag damit zusammenhängen, dass Alghero viel Erfahrung mit dem Tourismus hat. Schon im 19. Jahrhundert erfreute sich die Badestadt im Norden Sardiniens sowohl bei Briten wie auch beim italienischen Königshaus hoher Beliebtheit.

Korallen spielen in Alghero eine wichtige wirtschaftliche und kulturelle Rolle. Deshalb wird die Stadt auch als „Riviera del Corallo“ bezeichnet. Die wertvolle rote Koralle wurde bereits im Mittelalter vor der Küste geerntet und zu Schmuck verarbeitet. Als Symbol der Stadt ist die Koralle auch im Stadtwappen abgebildet. In der „Coral School“ wird die Kunst der Korallenverarbeitung vermittelt.

Viele der heute in den Geschäften angebotenen Korallen stammen aus China.

Ein besonderes Highlight ist in Alghero der abendliche Auflauf auf der Festungspromenade, die von Restaurants und Bars gesäumt ist. Ein Aperitif zum Sonnenuntergang mit freiem Meerblick kann der Auftakt zu einem abendlichen Bummel und einem leckeren Essen sein. Dann stellt sich schnell das Gefühl ein, da tröpfelt dir jemand warmen Honig ins Ohr 😉.

Alghero ist für und die klare Nummer EINS bei den Städten Sardiniens, die wir im Laufe unseres zweimonatigen Aufenthalts besucht haben.

PS: Warum wird in Alghero Katalan gesprochen? (Zusammengestellt mit KI)

  • Aragonesische Eroberung: Im Jahr 1354 eroberte das Königreich Aragón, das damals auch die Grafschaft Katalonien umfasste, die Stadt Alghero, die zuvor von Genuesen und Einheimischen bewohnt war.
  • Vertreibung der Einheimischen: Die Aragonesen trauten der ursprünglichen Bevölkerung nicht, da diese wiederholt rebelliert hatte. König Peter IV. beschloss daraufhin, die einheimischen Sarden und Genuesen zu vertreiben.
  • Neubesiedlung: Um die Kontrolle über die Stadt zu sichern, wurde Alghero mit Siedlern aus Katalonien, Valencia und anderen Teilen des aragonesischen Reiches wiederbevölkert. Viele der neuen Einwohner waren Menschen aus niederem Stand, darunter auch Verurteilte.

Castelsardo – ein Hauch von Mont Saint Michel

Castelsardo – von drei Seiten Meer

Natürlich hat Castelsardo weder das Flair noch die touristische Anziehungskraft der kleinen Gemeinde in der Normandie. Aber Castelsardo gehört zur „Vereinigung der schönsten Städte Italiens“ und das will etwas heißen …

Das Städtchen mit seinen pastellfarbenen Häusern wirkt wie an einen massiven Fels geklebt. Und hoch oben thront eine Festung. Genau dort wollen wir hin, nachdem wir das Auto am kleinen Hafen geparkt haben. Zunächst geht’s an der Straße entlang, vorbei am gut geschützten Stadtstrand (Spiaggia La Marina).

Dann entdecken wir rechter Hand auf einer Hauswand eine überdimensionale Kuh.

Bald erreichen wir die ersten steilen Gassen, die sowohl für Fußgänger wie besonders auch für Autofahrer eine echte Herausforderung sind. Wenn es hier mal regnet, ist sicherlich die eine oder andere Rutschpartie unvermeidlich.

Immer mal wieder halten wir kurz inne und genießen den schönen Blick auf die Unterstadt und den Hafen.

Am Burgberg angekommen machen wir zunächst einen Abstecher in die kleine Kathedrale Sant‘Antonio Abate. Sie steht auf einem Felsvorsprung über dem Meer, daneben der freistehende Glockenturm, der mit einem bunten Majolika-Dach verziert ist.

Die Fortezza dei Doria wirkt wie eine richtige Trutzburg. Sie war seit dem 12. Jahrhundert eine wichtige Festung des genuesischen Adelsgeschlechts Doria. Sie kontrollierte von hier den Schiffsverkehr von Spanien nach Italien. Die Burg wurde im 15. Jahrhundert von den Spaniern erobert, im 18. Jahrhundert von den Piemontesen übernommen.

Die Burgbesichtigung macht Spaß. An klaren Tagen hat man von der oberen Terrasse einen Panoramablick, der bis zum Capo Testa und nach Korsika reicht.

Die Ausstellung des Burgmuseums Museo dell‘Intreccio Mediterraneo (MIM) zeigt traditionelle Flechtarbeiten, Fischfanggeräte und religiöse Artefakte.

Es lohnt sich, im Anschluss an die Besichtigung durch die verwinkelten Gassen in der unmittelbaren Umgebung der Festung zu schlendern. Hier ist sicherlich in der Hauptsaison viel Betrieb. Mitte Oktober wirkt das Ganze – trotz des sommerlichen Wetters – eher etwas verlassen.

PS: Bei der Fahrt nach Castelsardo bietet sich ein kurzer Stopp auf der SS 134 in Richtung Sedini an. Hier ist eine eigentümliche Felsformation zu besichtigen, der als Roccia dell‘Elefante (Elefantenfels) bekannt ist. Es handelt sich um einen meterhohen Trachytfels, dem Wind und Wetter über Jahrtausende das Aussehen des Rüsseltieres verliehen haben. In seinem Innern sind prähistorische Grabkammern zu erkennen.

Grotta di Nettuno bei Alghero

Die Grotta di Nettuno ist die wohl bekannteste Grotte Sardiniens. Wenn man gerade in der Nähe ist, gehört sie wohl zum „Pflichtbesuchsprogramm“.

Wir haben etwas gezögert, denn der Eintrittspreis von 18 Euro pro Person (Oktober 2025) ist durchaus happig und der obligatorische Shuttlebus vom Sammelparkplatz in Höhe von 5 Euro pro Person kommt noch dazu. Außerdem hatten wir ja auch schon eine andere Grotte besucht (Grotta del Fico an der Ostküste).

ABER die Neptungrotte ist in mehr als einer Hinsicht speziell:

Es fängt schon mit dem Weg zu ihr an. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann sich mit dem Boot direkt zum Grotteneingang bringen lassen. Diese Touren, beispielsweise ab Alghero, sind gut organisiert und auf jeden Fall die bequemste und angenehmste Anreiseart.

Die Alternative ist bedeutend schweißtreibender. Man kann nämlich auch zu Fuß zum Ziel kommen, und zwar über eine Treppe (Escala del Cabirol). Eine ziemlich lange Treppe. Sie hat exakt 654 Stufen. Diese sind nicht in bestem Zustand, daher tut man gut daran, immer ein waches Auge nach unten zu haben, um mit dem anderen den herrlichen Ausblick genießen zu können.

Wer uns kennt, der weiß, dass wir für solche Treppen durchaus zu haben sind 😉.

Immer an der Wand lang …

Die Grotte wurde bereits im 14. Jahrhundert von Fischern entdeckt. Sie ist seit 1950 für die Öffentlichkeit zugänglich, und in einem etwa 400 Meter langen Abschnitt (weitere 2.000 Meter dürfen nur von Forschern betreten werden). Sie wurde im 19. Jahrhundert mehrfach von König Carlo Alberto besucht, für den hier sogar Konzerte gespielt wurden.

Die Höhle gilt als nicht mehr aktiv, da nur noch sehr selten Wasser in sie einsickert. Viele Stalagtiten haben abgebrochene Spitzen, was bei der Führung zum einen mit seismischen Bewegungen, zum anderen mit dem Besucherverhalten in früheren Zeiten erklärt wurde (man nahm wohl gerne als Souvenir eine Spitze mit). Zu lesen ist auch, dass viele Spitzen durch die Böllerschüsse beim Empfang des Königs abgefallen seien.

Die Grotte hat eine direkte Verbindung zum Meer.

Wir waren in einer kleineren Gruppe in der Höhle und erhielten eine qualifizierte Führung in englischer Sprache. Der Guide nahm sich genügend Zeit für Fragen.

Wir fühlten uns mit Blick auf die Atmosphäre und die Ausmaße der Grotta di Nettuno an eine Kathedrale erinnert, und wir fanden das Formen- und Farbspiel dieses Naturdenkmals sehr beeindruckend. Für uns war dieser Grotten-Besuch auf jeden Fall ein einprägsames Erlebnis – und die 2 x 654 Stufen wert!

PS: In der Grotte herrscht dauerhaft eine Temperatur von 18 bis 19 Grad Celsius. Die dicke Jacke und der Wollpullover können also im Auto bleiben 😉.

Nuraghe Palmavera bei Alghero

Nuraghen sind Turmbauten, die typisch für Sardinien sind. Man schätzt, dass insgesamt 10.000 auf der Insel errichtet wurden, von etwa 7.000 sind Überreste vorhanden. Sie konzentrieren sich auf das Zentrum und den Westen Sardiniens.

Auf einer Rundreise wie wir sie über zwei Monate unternehmen, sieht man immer wieder Hinweise auf die Nuraghenkultur (etwa 1600–400 v. Chr.). Sie ist ein entscheidender Teil des Identitätsverständnisses der Sarden, weil sie einzigartig ist und als Ursprungskultur empfunden wird.

Nuraghen sind baulich sehr unterschiedlich. Ihr Zweck und ihre Nutzung sind wissenschaftlich nicht zweifelsfrei belegt. Man kennt sie als Kultstätten, Grabanlagen oder Wohn- und Befestigungskomplexe.

Bei unserem Aufenthalt in der Nähe von Alghero bietet sich der Besuch der sehr gut erhaltenen und restaurierten Nuraghe Palmavera an – sie liegt nur ein paar Kilometer von unserem Campingplatz entfernt (an der Straße von Fertilia nach Porto Conte) und ist zudem gut per Fahrrad zu erreichen. Sie wurde zwischen dem 15. und 8. Jahrhundert v. Chr. errichtet. Sie sah etwa so aus:

Besonders beeindruckend ist der etwa acht Meter hohe Zentralbau. Er bildet den Mittelpunkt eines 879 m² großen und von einer eckigen Mauer umfassten Hofes. In die Mauerecken sind drei kleine Rundtürme und die große so genannte „Versammlungshütte“ (Capanna delle Riunioni) eingegliedert.

Die Versammlungshütte wurde wahrscheinlich auch für rituelle Zwecke verwendet.

Die Infotafeln auf dem Gelände liefern in italienischer und englischer Sprache ausreichend Informationen, um das Wesentliche der Anlage zu erfassen. Sehr angenehm ist, dass man sich auf dem Komplex frei bewegen und durch den teilweise erhaltenen bzw. restaurierten inneren Komplex der zentralen Einheit klettern kann. Das vermittelt Besuchern einen unmittelbaren Eindruck.

PS: Die Cafeteria bietet leckere Snacks und guten Kaffee zu zivilen Preisen.

(4) Fundstücke Sardinien

Passt wie Ying und Yang
Legearbeiten mit Herz
Tagsüber sind das urige Kleideraufhänger für Strandbesucher …
Pinguin? Seehund? Was meinst du?!
Oristano, die jüngste Provinzhaupstadt Sardiniens (im Westen der Insel), war früher der Hauptproduzent von Krügen, Vasen und Alltagsgeschirr aus Keramik. Deshalb hängen die Krüge hier in der Fußgängerzone vom Himmel.
Der Lebensretter mit dem roten Rettungsboot gehört zum italienischen Strand wie der Espresso zur Bar – einfach nicht wegzudenken 😊.
Die Richterin Eleonora, Richterin von Arborea, ist eine als Heldin verehrte Person in Sardinien. Sie engagierte sich Ende des 14. Jahrhunderts im Widerstand gegen die Herrschaft der Spanier und ist die Herausgeberin der Carta de Legu, eines fortschrittlichen Zivil- und Strafgesetzbuchs.
Steingewordene Wellen – gesehen an einem Strand in Westsardinien.
Wer gerne herzhaften Käse und leckeren Schinken und deftige Wurst mag, fühlt sich in Sardinien gut aufgehoben.
Eine Skulptur vor dem MASE – Museo Antoine De Saint-Exupéry bei Alghero.

(3) Fundstücke Sardinien

Da braucht man sich um den Lack für das Gefährt nicht zu sorgen …
Da könnten wir noch einiges lernen – Garagentorverschönerung
Algenbildung, fein wie menschliches Haar, an der Westküste von Sant’Antioco
Spinnweben aus Fels, gesehen auf Sant‘Antioco
Unser Campingidyll
Ein Strandmännchen, zusammengesucht und gestaltet von Eva
Ein Stimmungsbild von der Cala Domestica in Westsardinien
Diese filzkugelähnlichen Kugeln sind „Neptunbälle“, können faustdick werden und finden sich an den Stränden, wo es Seegras gibt – denn daraus bestehen sie.
Endlich Muscheln! Schöne Muscheln haben wir an Sardiniens Stränden selten gesehen.
Deko-Dino auf einem Campingplatz im Westen

Tharros – Siedlungsgeschichte im Brennglas

Tharros ist die größte erhaltene phönizisch-römische Hafenstadt Sardiniens. Sie liegt im Süden der Sinis-Halbinsel. Erhalten sind vor allem Gebäude- und Infrastrukturreste aus der Zeit der Römer, aber auch Ruinen punischer Tempelanlagen und ein nuraghisches Dorf.

Die Anlage ist sehr weitläufig. Wenn man sich ihr nähert, sieht man schon aus der Entfernung hoch oben auf einem Hügel thronend den Torre di San Giovanni.

Wenn man einen Überblick über den Ausgrabungskomplex haben möchte, ist es empfehlenswert, zunächst den Turm zu besteigen.

Von oben entfaltet sich ein herrliches Panorama.

Diese Luftaufnahme von Valentino Selis ist einer Broschüre der „fondazione mont‘e prama“ entnommen, die wir beim Ticketkauf erhalten haben.

Hier ein filmischer Eindruck vom Gesamtgelände.

Siedlungsgeschichtlicher Hintergrund: Wahrscheinlich siedelten sich an der geschützten Halbinselseite bereits in der Steinzeit Menschen an. Ab etwa 1.800 v.Chr. (Bronzezeit) gründeten die Nuragher mehrere Siedlungen auf der Landzunge. Diese wurden ab dem 8. Jahrhundert v.Chr. von den Phöniziern verdrängt. In der punischen Zeit, besonders im 5. Jh. v. Chr., erlebte die Siedlung eine umfassende Ausdehnung, die auch die umliegenden Gebiete mit kleinen Dörfern umfasste, insbesondere zwischen den Lagunen und dem Meer. Im 3. vorchristlichen Jahrhundert eroberten die Römer Sardinien (und damit auch die Sinis-Halbinsel). Sie blieben etwa 700 Jahre an der Macht. Danach erlebte Sardinien eine etwa 300 Jahre währende byzantinische Periode (Christianisierung). Ab dem 8. Jahrhundert unternahmen die Sarazenen (Araber) verstärkt Überfälle auf die sardischen Küstenstädte. Sie nahmen im 11. Jahrhundert derart zu, dass sich die Einwohner von Tharros gezwungen sahen, ins Binnenland nach Oristano umzuziehen. Sie bauten Teile ihre Häuser ab und verwendeten das Material für die Bauaktivitäten in Oristano.

Das verlassene Tharros versank schließlich im Treibsand und wurde 1851 von englischen Archäologen wiederentdeckt.

Nur ein Teil der Wohnbezirke wurde ausgegraben. Zu besichtigen ist im Wesentlichen das alte Stadtzentrum. In der Regel sind alle Ruinen eingezäunt. Besonders beeindruckend ist eine große Thermalanlage aus der römischen Zeit (Edificio Termale Romanum).

Die mit dunklen Basaltsteinen gepflasterte Hauptstraße (Cardo maximus), unter der zum Teil Abwasser-Kanäle verlaufen.

Tharros lohnt aus unserer Sicht auf jeden Fall einen Besuch. Insbesondere in den Sommermonaten sollte man beachten, dass es auf dem Gelände keinen Schatten gibt und man bestenfalls auf eine Briese vom Meer hoffen kann.

Bei unserem Besuch im Oktober 2025 war es zwar warm, aber nicht brütend heiß.