Mistrás – Lost Place mit viel Geschichte

Inzwischen sind wir in Lakonía angekommen, dem Südostzipfel des Peloponnes. Wir fahren in Richtung des weltbekannten Sparta, das in der Antike der große Gegenspieler von Athen war. Bei diesem Duo hat Sparta die Rolle der harten Militärregierung mit einer perfektionierten Kriegsmaschine, Athen die der liberalen Demokratie. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Athen heute noch über eine Vielzahl an antiken Bauwerken verfügt, während es vom alten Sparta nur noch ein paar eher unbedeutende Ruinen gibt. Das heutige Sparta wurde nämlich erst in den 1830er-Jahren auf Betreiben des wittelsbachischen Königs Otto I. von Griechenland gegründet – und geplant von einem bayerischen Architekten.

Deshalb fahren wir auch einfach an Sparta vorbei. 😊

Unser Ziel ist Mistrás, die als UNESCO–Weltkulturerbe ausgewiesene byzantinische Ruinenstadt, etwa 10 Kilometer westlich von Sparta gelegen. Dabei bewegen wir uns auf das Taígetos–Gebirge zu, das aus der Entfernung wie eine große Wand erscheint, sich dann aber als zerklüftete Bergregion erweist.

Wir steuern einen Campingplatz an, auf dem wir für die Nacht einen kleinen Bungalow gemietet haben. Etwas beengt, aber alles sauber und mit dem Nötigen ausgestattet. Auch das Camping-Feeling gefällt uns … Heute dominieren eindeutig die Franzosen, die mit einer größeren Gruppe von Wohnmobilisten fast alle Plätze belegt haben.

Das moderne Mistrás bietet alles, was der Tourist braucht, ohne viel Schnickschnack.

Uns ist am nächsten Morgen klar, dass das ein anstrengender Tag wird. Denn das alte, verlassene und historisch interessante Mistrás ist eine Geisterstadt riesigen Ausmaßes und erstreckt sich am Berg über mehr als dreihundert Höhenmeter. Im Tal liegt ein kleiner Ort mit gleichem Namen, der über eine gut organisierte touristische Infrastruktur verfügt. Hier frühstücken wir, parken das Auto und begeben uns auf den Fußmarsch, ungefähr drei Kilometer zum unteren von insgesamt zwei Eingangstoren.

Man sollte mindestens vier Stunden für einen Besuch einplanen, gut zu Fuß sein, unbedingt solides Schuhwerk tragen und Proviant und ausreichend Wasser mitnehmen.

Wer viel sehen will, muss viele Treppen steigen.😐

Mistrás, Mitte des 13. Jahrhunderts von einem fränkischen König gegründet, wurde bald von den Byzantinern erobert und fiel dann in die Hände der Osmanen. Um 1700 hatte die Stadt um die 42.000 Einwohner. Während des griechischen Freiheitskampfes (1821-1829), bei dem es um die Befreiung der Griechen von den Türken ging, wurde Mistrás so stark zerstört, dass ein Wiederaufbau nicht mehr in Frage kam. 1953 verließen die letzten Bauernfamilien den Ort.

Die vormalige Metropole bietet ein besonderes Landschafts- und Kulturerlebnis. Die Fülle an Wohngebäuden, Wegen und Straßen, sakralen und weltlichen Bauten ist überwältigend. Vieles ist mehr als halb verfallen, aber einige Gebäude sind gut restauriert und legen Zeugnis ab von der einstigen Pracht der Stadt.

Der Blick über die Stadt, das Tal und die weite Landschaft ist an einem sonnigen Tag fantastisch.

Metropolis des hl. Demetrius

Despotenpalast

Ausstellung im Despotenpalast

Einen besonders nachhaltigen Eindruck hat bei uns die einzige noch bewohnte Anlage auf dem Areal hinterlassen: das Kloster Pandanássa. Hier halten ein paar schwarz gekleidete Nonnen die Stellung. Ein Ort der Stille und der Einkehr (zumindest bei unserem Besuch). Der Bau stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die gut erhaltenen Fresken der Klosterkirche in ihrem oberen Teil aus dem 15., im unteren Teil aus dem 17./18. Jahrhundert.

Im Kloster Pandanássa hätten wir es durchaus noch etwas länger aushalten können, aber schließlich obsiegten nach der Anstrengung doch die weltlichen Genüsse …

One thought on “Mistrás – Lost Place mit viel Geschichte”

  1. Was für eine prachtvolle Landschaft! Ihr habt die richtige Wahl getroffen. Die vielen Treppen wären nicht gut für mich obwohl es meinem operierten Knie inzwischen recht gut geht. Daher noch mal danke für die schönen Aufnahmen.
    Wünsche weiterhin sonniges Wetter und schöne Momente!
    V.

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