Vólos – die Tsipourádika- Hochburg

In Vólos mit seinen mehr als 140.000 Einwohnern kommt durchaus ein gewisses Stadtgefühl auf, vor allem wenn man mit dem Auto anreist. Dergleichen ist ansonsten auf dem Pílion eher nicht der Fall. Aber Vólos ist schließlich der Verwaltungssitz der Region, der größte Fährhafen Thessaliens und die sechstgrößte Stadt Griechenlands. Mit einem solchen Pfund kann man wuchern … Das dachten wir, als sich ausnahmsweise mal Schlechtwetter ankündigte auf unserer Griechenland-Tour im Oktober 2026.

Allerdings. – nach einem ersten Spaziergang durchs Zentrum und einem Besuch in der Touristen-Info wollte bei uns noch keine echte Begeisterung aufkommen. Und die traurige Tatsache, dass sehr viel alte Gebäudesubstanz bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1955 zerstört wurde, war nicht gerade ein Stimmungsaufheller.

Also dunkle Wolken am Himmel und am Boden nicht so richtig viel zu sehen?

In einer solchen Situation hilft in aller Regel: erstmal etwas essen und trinken. Das hebt die Stimmung und fördert den wohlwollenden Blick.

Gut zu wissen, dass Vólos in Griechenland einen guten Namen für seine Esskultur hat. Und das kulinarische Aushängeschild dieser Stadt sind die Tsipourádika.

Wir hatten das muntere Treiben in einem der bekanntesten Tsipourádika der Stadt schon beim Kaffee-Stopp von gegenüber beobachten können und spontan beschlossen, dass wir genau das auch wollten. Aber es gab – auch nach mehrmaliger Nachfrage – keinen freien Tisch mehr.

Also schauten wir uns nach einer Alternative um. Am besten einer ohne Reservierungsmöglichkeit. Diese fanden wir in einer engen Seitengasse, der Alonissou 8. Das Motto des Mezén lautet „Liebe und Tsipouro“. Das fanden wir unmittelbar überzeugend 😊.

Und so läuft’s in einem Tsipourádikos:

Man bestellt einen Tsípouro, einen Traubentresterschnaps. In der Regel bekommt man eine 25-ml-Flasche, aber auch 50-ml-Einheiten sind möglich. Dabei fällt die Auswahl in Anbetracht des überwältigenden Angebots etwas schwierig 🤔.

Grundsätzlich ordert man den Tsípouro mit oder ohne Anisgeschmack. „Mit“ führt zu einer milchig-weißen Färbung im Glas. Üblicherweise wird diese Variante mit Eis getrunken. Bei „ohne“ ist der Schnaps klar und wie ein Grappa. Zum Tsípouro trinkt man Wasser.

Dazu werden (für zwei Personen) vier oder fünf kleine Gerichte gereicht. Diese heißen Tsipouromezédes. Das Mezén bietet viele Fischspezialitäten – was ja bei uns sowieso willkommen ist.

Die Kunst besteht darin, die für einen persönlich genau passende Mischung aus Tsípouro, Wasser und Essen zu treffen. Da braucht’s sicher viel Übung 😁.

Selbstverständlich kann man die Mézedes auch mit einem anderen Getränk genießen, es muss kein Schnaps sein.

Das Ambiente trägt auf jeden Fall zum Genuss bei.

Blick auf Tresen und Durchreiche von der Küche.

Und beim Gang zum Örtchen beweist das Lokal auch noch Humor. Die Bezeichnungen für die Frauen- und Männertoiletten sind bildlich gehalten – auf dass sich niemand verlaufe!

So hat sich Vólos uns ganz unvermittelt im grauen Einerlei eines regnerischen Oktobernachmittags als durchdringend warmer Sonnenstrahl erwiesen. Und wir haben beschlossen, dieser Stadt nochmal eine Chance zu geben und näher zu erkunden. Als Auftakt vielleicht ein Besuch in einem anderen Tsipourádikos?

Auf ein nächstes Mal. 🙋‍♂️