Sanur – entspannter Rückzugsort im Südosten von Bali

Wir wollen es vor unserer Südsulawesi-Rundtour nochmal etwas ruhiger angehen und haben uns von einem Fahrer von Munduk nach Sanur bringen lassen – denn in Munduk gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel und weder Gojek noch Grab funktionieren.

Der Küstenort liegt südöstlich von der balinesischen Hauptstadt Denpasar und ist auf die Bedürfnisse westlicher Touristen zugeschnitten.

Das Angebot nennt sich „Fusion Thai German“, und italienische Gäste bestätigen die Qualität des Kaffees.

Für einen Moment könnte man meinen, Sanur sei „Schnitzel-Zone“ und mithin spielten Touristen aus dem deutschsprachigen Raum eine gewichtige Rolle. Weit gefehlt, schnell erklärt: Die Besitzerin dieses Cafés ist mit einem Deutschen verheiratet, und „Spätzle“ erregen im vielfältigen kulinarischen Angebot Aufmerksamkeit.

Unsere Unterkunft ist zwar zentral, aber abseits von der Hauptstraße gelegen. Die Tiga Naga Villa ist ein kleines Resort mit Pool, die Wohneinheiten sind mit Küche und Bad ausgestattet, offensichtlich erst vor Kurzem renoviert. Ruhig und gepflegt, und mit etwa 35 Euro pro Nacht recht günstig.

Von hier aus gehen wir etwa eine halbe Stunde zum Strand. Und das ist es auch, was wohl die meisten Leute wollen. Das Publikum ist vom Alter her gemischt. Wir sehen immer wieder ältere Semester, die mit dem Roller um die Ecke brausen. So mancher scheint hier „hängengeblieben“ zu sein. Sanur ist beschaulicher als beispielsweise Canggu, wo mehr Partyatmosphäre angesagt ist.

An der parallel zur Strandpromenade verlaufenden Hauptstraße Jalan Danau Tambligan gibt es alles, was der Tourist braucht: Cafés, Restaurants, Obst- und Gemüsestände, kleine Supermärkte, Beauty-Angebote … Auch der nächste Cappuccino ist nicht allzu weit 😉.

Im Hinblick auf die Besucherstatistik geben die Australier in Sanur den Ton an. Für sie liegt Bali quasi vor der Haustür, nur ein paar Flugstunden entfernt. Was dem Deutschen sein Mallorca (mit deutschem Bier und Bundesliga), ist dem Aussie sein Bali (ebenfalls mit viel Hefegetränk und entsprechendem Sportangebot). Die Erholungsuchenden mit dem unverkennbaren „oi“ in der Stimme finden sich allabendlich in den Pubs entlang der geschäftigen Jl. Tamblingan ein. Und auf dem Heimweg macht so mancher mit seinem Motorroller die engen Gassen unsicher, wie man hört. Sie kaufen auch in großem Stil immer noch günstige Immobilien auf. Und gebaut wird fleißig. G‘day Mate!

Der schöne Strand zieht sich über mehr als fünf Kilometer. Er gilt als besonders sicher und familienfreundlich, weil ihm ein Korallenriff vorgelagert ist, das die Wellen bricht. An ihm zieht sich eine Promenade entlang, die zum Spazieren, Joggen und Radfahren einlädt.

Die Strandpromenade, wo KEINE Motorräder und -roller erlaubt sind!

Eilig sollte man es nicht haben, denn hier ist viel los. Also einfach gemächlich schlendern, den Blick auf den Strand schweifen lassen, dann auf Resort- und Hotelanlagen, die sich parallel zur Promenade aneinanderreihen. Da sind viele Top-Adressen dabei. Man hört diverse bekannte Sprachen, Holländisch, Spanisch, Französisch, viel Englisch, aber auch ein paar, die wir erst beim Lauschen oder eben gar nicht richtig zuordnen können.

Wunderbar ist so ein Spaziergang zum Vergleichen und Ablästern. Schau mal die da, oder den da drüben erst … Wir haben ein eingespieltes Verfahren. Da reicht eine kurze Berührung oder eine leichte Kopfbewegung, ein kritisches Hochziehen der Augenbrauen oder ein kurzes Stoßseufzer und schon weiß der/die andere Bescheid. Manchmal haben wir dabei ein schlechtes Gewissen, was sind wir nur für Lästermäuler! Aber das halten wir aus. Außerdem sind wir überzeugt, dass die anderen das auch so machen. Wobei wir uns fragen, was denn die wohl über uns lästern könnten?! Hm …

Zu essen und trinken ist auf der gut fünf Kilometer langen Promenade reichlich im Angebot, das Preisniveau schwankt zwischen westlichem Niveau und „ortsüblich mit Strandzuschlag“. Bei Flut isst es sich bestimmt besser als bei Ebbe.

Bei Ebbe zieht sich das Meer ziemlich weit zurück.

Selbstverständlich kann man auch Wassersportgeräte, Sonnenliegen und dergleichen mieten.

Der Strand ist gesäumt von traditionellen Booten, von denen viele wohl nie mehr zu Wasser gelassen werden. Die formschönen Auslegerboote wirken wie ein Gruß aus vergangenen Zeiten, sie sehen aus wie in der Bewegung erstarrte Spinnen im Sand. Dem bunten Anstrich zum Trotz ein etwas melancholisches Bild.

Geht man die Strandpromenade von Süd nach Nord, endet der Spaziergang in aller Regel an der Lobster-Statue, die in den Sozialmedien einen gewissen Kultstatus hat.

Der Hummer hat inzwischen Gesellschaft bekommen.

An dieser Stelle wird der Großteil des Besucherstroms in eine im Juni 2024 eröffnete Shopping Mall (Icon Bali) hineingesogen. Über vier Stockwerke alles vom Feinsten, einschließlich IMAX-Kino. Bei so viel Glitzer behält man am besten die Sonnenbrille auf.

Zugang von der Strandseite aus.
Mall mit Meerblick
Landseitiger Eingangsbereich des Icon Bali

Uns war bereits am ersten Tag aufgefallen, dass sich die Balinesen auf ein besonderes Fest vorbereiten. Atmosphärisch ein bisschen vergleichbar mit unserer Vorweihnachtszeit. Es handelt sich um Galungan, das überall auf Bali mit Festessen, Familientreffen und Tempelzeremonien zu Ehren des Schöpfergottes gefeiert wird. Die Straßen sind mit langen Bambuspfählen (Penjor) geschmückt, an denen Flechtarbeiten und Körbe mit Gaben hängen. In der Vorstellung der Bali-Hindus steigen in dieser Zeit die Ahnen herab auf die Erde und besuchen ihre Nachkommen. Deshalb werden Blumen- und Reisgaben auf den Familienschreinen platziert. Ein wenig scheint die Welt stillzuhalten …

Unsere Bilanz? Sehr entspannt 😉.

Nha Trang – Spaziergang an der Stadtstrandpromenade

Wenn man sich der Stadt nähert, fallen unmittelbar die vielen Hotelklötze auf. Bilder von zugebauten Küstenstädten an der Costa Blanca oder Costa del Sol in Spanien, wie Benidorm oder Torremolinos, kommen einem in den Sinn. Orte, die sich auf Gedeih und Verderb dem Massentourismus verschrieben haben.

Von „Massen“ konnte bei unserem 3-Tage-Aufenthalt im Oktober 2023 wirklich nicht die Rede sein. Am meisten ist hier wohl los zwischen Juni und August. Der November ist in aller Regel verregnet. Wir hatten in unserem Hotel in Strandnähe im nördlichen Teil der 300.000-Einwohner-Stadt den Eindruck, dass wir fast die einzigen Gäste waren. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass wir pro Übernachtung im Drei-Sterne-Haus keine zwanzig Euro zahlen mussten.

Wir erschließen Städte ja gerne zu Fuß, und so hielten wir‘s dann auch in Nha Trang. Bei etwa 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von nahezu 90 Prozent marschierten wir also los, am ersten Tag gute fünf Kilometer an einer breiten Promenade entlang (auch das erinnert an Spanien). Hier ein paar Eindrücke:

Wie man sieht, war der Stadtstrand ziemlich leer. Die wenigen Touristen, die sich hier einfanden, waren zum großen Teil Russen. Auf diese ist Nha Trang auch eingestellt. Die Warenauszeichnungen sind zum Teil auf russisch, auch die Händler sprechen ein paar Brocken Russisch. Aber wir schreiben das zweite Jahr des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Und wir mutmaßen, dass vielen Russen die Lust auf Strandurlaub in Vietnam vergangen sein könnte.

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass wir an einem Wok-Imbissstand mit einem jungen russischen Paar ins Gespräch kamen, das diesen Stand betreibt. Die beiden sind zusammen mit ihren beiden Kindern seit sieben Monaten in Vietnam und versuchen, sich hier eine Existenz aufzubauen. Sie berichteten von Schwierigkeiten beim Aufenthaltsstatus, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, in der Schule. Ganz zu schweigen von den Sprachproblemen. Die Tochter habe sich zu einem bestimmten Zeitpunkt geweigert zu essen. Zurück nach Russland ist wohl keine Option. Es hat sich in Nha Trang offenbar eine gewisse Infrastruktur für Exil-Russen entwickelt, einschließlich entsprechendem Warenangebot und auch Agenturen, die spezielle Dienstleistungen für diese Clientele anbieten .

Der russische Text lautet: So lecker wie zu Hause.

Aber es bleibt die Frage: Wohin können die Russen, die für sich keine Perspektive in ihrer Heimat sehen? Welcher Staat nimmt sie mit offenen Armen auf?

Bleibt man am Strand, so ist in unserer Laufrichtung (von Nord nach Süd) die nächste nennenswerte Station eine schmale ins Meer reichende Landzunge, deren Spitze aus einer Felsformation besteht: Hong Chon. Ganz hübsch anzuschauen, aber für uns Kroatien-Fans nicht gerade überwältigend. Der Zutritt zu den Felsen ist außerdem kostenpflichtig (umgerechnet 2,50 €). Hm, etwas befremdlich …

Etwa 500 Meter hinter Hong Chong geht man eine Treppe hinunter, wenn man am Meer bleiben möchte. Und dann tut sich aus dem Nichts ein schönes Kunstwerk hervor – sowohl die Brückenpfeiler wie auch die Betonmauer sind mit schönen gemalten Unterwasserweltszenen versehen.

So schön kann Beton sein 😊.

Ungefähr nach einem halben Kilometer geht es einen Pfad hinunter, von dessen Ende ein paar Fischer aufs Meer fahren. Unmittelbar gegenüber, auf einem Inselchen, befindet sich eine Tempelanlage, die man auch besuchen kann.

Nach der Überquerung einer Brücke (über den breiten Cai-Fluss) gelangt man am Hauptstadtstrand entlang zu einem zentralen Wahrzeichen von Nha Trang, dem Agarwood Tower oder Thap-Tram Huong, unmittelbar an der Promenade gelegen.

PS: Die Darstellung wird häufig fälschlicherweise als „Lotusblüte“ bezeichnet. In Wahrheit handelt es sich jedoch um eine Agarholzblüte.

Der abends beleuchtete Agarwood Tower liegt direkt an der Strandpromenade und gilt als eines der Wahrzeichen von Nha Trang.

Wir fanden den Stadtstrand von Nha Trang zwar durchaus sehens- und besuchenswert. Aber so richtig attraktiv ist er aus unserer Sicht nicht. Für unseren Geschmack liegt hier zu viel Unrat wie Plastikflaschen, Verpackungsmüll und Zigarettenkippen herum. Auch das Meer wirkt nicht so einladend. Störend ist überdies der permanente Verkehrslärm von der Straße, die nur wenige Meter entfernt von der Promenade verläuft. Einen Radweg gibt es leider nicht.

Aber Anhänger von Sandstränden kommen offenbar an den langen südlich gelegenen Stränden durchaus auf ihre Kosten, so liest und hört man.

Geradezu traumhaft schön sollen die Strände von Mui Ne, etwa 220 Kilometer südlich von Nha Trang sein. Dort herrscht ein besonderes Mikroklima mit wenig Regen, auch in der Regenzeit. Der ehemalige Fischerort gilt als Kitesurfer-Paradies, mit Wind- und Wellen-Garantie von August bis Dezember.

Da es vor Nha Trang ein paar Inseln gibt, sind hier auch Bootsausflüge (vor allem zum Schnorcheln und Tauchen) beliebt. Nha Trang zählt zu den besten Tauchrevieren Vietnams.

Vor allem vietnamesische Familien besuchen gerne den VinWonders-Vergnügungspark auf Hon Tre. Er soll einer der größten seiner Art in Vietnam sein und über eine Fülle von Wasserrutschen, Spielautomaten, Karussells und dergleichen verfügen. Sogar übernachten kann man hier. Der Fun-Park ist grundsätzlich (neben einem Schnellboot) auch über eine Seilbahn zu erreichen. Diese ist jedoch derzeit (seit 2021) „aus technischen Gründen“ außer Betrieb. Wir haben einen Besuch des Vergnügungsparks nicht Erwägung gezogen.