Metéora – wo sich Natur und Spiritualität perfekt ergänzen

Wir haben uns vom Peloponnes verabschiedet und sind inzwischen in Metéora angekommen. Schon die Anfahrt an diesem sonnigen Oktobertag ist beeindruckend. Auf einer bestens ausgebauten Autobahn gleiten wir bei wenig Verkehr durch ein breites Tal nach Thessalien hinein, das als die Kornkammer Griechenlands gilt. Überall fliegen kleine „Wattebäusche“ durch die Luft, die wir zunächst nicht zuordnen können. Dann sehen wir links und rechts ausgedehnte Felder mit den typisch weißen Tupfen. Baumwolle! Griechenland ist die europäische Nummer eins bei Baumwolle, und in dieser Gegend östlich des Píndos-Gebirges werden außerdem viel Mais und Getreide angebaut.

Die Metéora-Felsen sind schon von Weitem als mächtige Felsformationen erkennbar. Sie erheben sich hinter dem kleinen Ort Kalambáka wie dunkle Gewitterwolken.

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft in Kalambáka

Sie sind für sich genommen schon eine Natur-Sehenswürdigkeit erster Güte. Die bizarren Gebilde aus Konglomeratsandstein sind vor Jahrmillionen entstanden durch Wassermassen, die die weicheren Gesteinsanteile auswuschen. Heute überragen sie die Talebene des Flusses Pínion um bis zu 400 Meter.

Die Gegend ist durchzogen von alten Eichenwäldern, die auch an heißen Sommertagen genügend Schatten für Wanderer bieten.

Bereits im 11. Jahrhundert fanden sich in diesem unwirtlichen Umfeld christliche Einsiedler ein, um in Felshöhlen die Nähe zu Gott zu finden. 300 Jahre danach wurde die ersten Klöster gegründet. Sie waren in aller Regel ausschließlich über Seilwinden und (Strick-)Leitern zu erreichen, um einerseits weitgehende Abgeschiedenheit, andererseits Schutz vor Überfällen zu gewährleisten.

Da braucht es schon viel Gottvertrauen. 😉

In der Blütezeit im 16. Jahrhundert gab es in den Metéora-Bergen über 20 Klöster. Heute sind noch sechs bewohnt – allesamt (seit 1998) als UNESCO-Weltkulturerbe und in hervorragendem Zustand. Im Einzelnen handelt es sich um Agía Triáda, Ágios Nikólaos Anapafsás, Ágios Stéfanos, Megálo Metéoro, Rossánou und Varláam.

Im Rahmen dieses Beitrags lassen sich die einzelnen Klöster nicht angemessen beschreiben. Wir haben während unseres Aufenthalts vier besucht, drei davon bei Wanderungen.

Schon von außen sind diese Klöster ein Erlebnis. Sie wirken wie aus den Felsen gewachsen, wie hingeklebt. Man hat Mühe sich vorzustellen, wie Menschen an diesen eigentlich unmöglich zu bebauenden Stellen auf, am und im Fels derartige Gebäude errichten konnten. Welche Mühen mag es gekostet haben, das Material herbeizuschaffen und zusammenzufügen?

Die genannten Klöster sind noch bewohnt, zwei davon von Nonnen (Ágios Stéfanos und Rossánou). Zu Gesicht bekommt man sie während der Öffnungszeiten eher selten.

Diese Nonne ruft pünktlich per Klopfzeichen auf dem
Tálanton zum Verlassen des Klosters auf.

Will man die Klöster besichtigen, braucht man etwas Puste, um die Treppen zu erklimmen, mal mehr, mal weniger.

Auf jeden Fall wird man für seine Mühen belohnt.

Zum einen mit einer fantastischen Aussicht auf die Umgebung, zum anderen mit einem Eindruck von den liebevoll gepflegten Anlagen.

Auch die Innenbereiche der Klöster sind sehr sehenswert – zentral sind dabei die Gotteshäuser, die nicht nur für (griechisch-)orthodoxe Christen ein Anziehungspunkt sind. Besonders die leuchtende Kraft der hervorragend restaurierten Fresken ist ein Kunstgenuss. Das Vergnügen erhält allerdings bei genauerer Betrachtung der Szenen rasch einen Dämpfer. Neben der Darstellung von Heiligen und Aposteln wird man mit krassen Gewaltorgien konfrontiert: Da werden Menschen geköpft und bei lebendigem Leibe gehäutet sowie mit grausamsten Foltermethoden gequält, sodass ein Warnhinweis am Eingang durchaus angemessen wäre.

(In der Regel herrscht in den Kirchen selbst ein Foto- und Videoverbot, das streng überwacht wird.)

Einige der Klöster beherbergen Museen mit alten Handschriften, liturgischen Geräten sowie Schnitzarbeiten und altem Werkzeug.

Die Klöster waren auf Selbstversorgung angewiesen. Ihr wirtschaftliche Grundlage waren vor allem Landwirtschaft und Viehzucht: Die Mönche bauten Gemüse, Getreide, Wein und Oliven an und hielten Tiere. Dazu kam die Versorgung durch Pilger sowie Spenden. Durch die abgelegene Lage spielte die Bevorratung eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahren wurden Versuche unternommen, einige Erwerbszweige wiederzubeleben, beispielsweise den Weinbau.

Metéora zählt für uns zu den Höhepunkten unserer Griechenlandreise. Hier verbinden sich besondere menschliche Kulturstätten in einzigartiger Weise mit einer spektakulären Natur.

PS: Die Metéora-Klöster erfreuen sich bis in die Nachsaison hinein großer Beliebtheit. Im Herbst reisen viele Besucher aus Asien an, weil dann die Flüge günstiger sind. Wenn man als Einzelreisender zwischen mehrere „Busladungen” gerät, bleibt von „innerer Einkehr” im Kloster nicht viel übrig. 😁