Máni – jedes Haus eine Festung

Die Máni, die mittlere der drei südlichen Halbinseln des Peloponnes, gilt als die rauste und unzugänglichste. Sie hat nur wenige Strände, vielerorts fallen die Berge steil ab ins Meer. Nicht selten geht ein böiger Wind, und in den langen Sommern scheint die Sonne gnadenlos vom Himmel. Auf den kargen Böden wächst wenig Essbares. Dennoch gilt Olivenöl aus Máni zum Besten, was Griechenland in dieser Hinsicht zu bieten hat. Größere Ansiedlungen gibt es kaum; als solche nennenswert sind lediglich Gíthio und Areópoli.

Uns hat bei unseren Máni-Ausflügen vieles an Sardinien, das wir 2025 zwei Monate bereist haben, erinnert.

Die kleinen Ortschaften in der Máni sind geprägt von festungsartigen Wohntürmen, manche davon bis zwanzig Meter hoch. Die Mauern sind gut und gern einen Meter dick, vielfach auch mit Schießscharten versehen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Man ist wehrhaft und stets bereit und willens, sich zu verteidigen. Nicht nur gegen Eroberer, sondern auch gegen die Nachbarn – blutige Familienfehden soll es in der Máni noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts gegeben haben. Da verwundert es auch kaum, dass der Befreiungskampf der Griechen gegen die Türken von mánischen Patrioten ausging.

Über viele Jahre zogen die jungen Leute aus der Máni weg, weil sie kein Auskommen finden konnten. In den letzten beiden Jahrzehnten kehrt sich der Trend um. Ältere Mánioten kehren in die Region zurück, restaurieren alten Besitz und bauen Hotels für die Touristen und engagieren sich vor Ort.

Bei unserer Tour von Aerópoli bis an die Südspitze der Máni, das Kap Ténaro, haben wir einen nachhaltigen Eindruck von der kargen Landschaft dieser Region bekommen. Viele Abschnitte der Reise verliefen direkt an der schroffen Küste entlang und boten atemberaubende Ausblicke auf das westseitig gelegene ionische Meer.

Im Rahmen des Blogs beschränken wir uns auf wenige Erlebnisse, die hoffentlich den besonderen Charme dieser Tour wiedergeben können.

Den ersten längeren Halt legten wir in Charoúda ein. Hier ist ein Kirchlein zu bestaunen, das zu den fotogensten der Máni gehören soll, Ágios Taxiárchis. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und hat einen beeindruckend hohen Glockenträger und schöne Verzierungen und Reliefs.

BSpäter gelangt man nach Váthia, hoch oben auf dem Bergkamm gelegen. Man blickt auf ein großes Ensemble von Wehrturmhäusern.

Die Anlage ist nicht nur aus der Ferne zu bewundern. Sie ist überdies ein Abenteuerspielplatz! Ein Großteil der Gebäude ist nämlich unbewohnt – und sogar begehbar. Dabei folgt man dem Prinzip, dass alles erlaubt ist, was nicht explizit verboten oder gefährlich ist. 😁Eine zuverlässige Einschätzung ist schwierig, da sich die Häuser in unterschiedlichen Stadien des Verfalls befinden. Manche Wohnräume sehen aus, als wären sie erst vor Kurzem verlassen worden. Dadurch entsteht beim Begehen eine spannende Atmosphäre, eine Mischung aus Neugier, Wagemut und dem Reiz, etwas Verbotenes zu tun.

Ein krönender Abschluss dieser Fahrt zum südlichsten Ende des Peloponnes ist die etwa zwei Kilometer lange, stellenweise anspruchsvolle Wanderung zum Leuchtturm des Kap Ténaro. Gutes Schuhwerk und sicherer Tritt ist erforderlich, wenn man ohne Blessuren zum Ziel gelangen möchte. Kurz nach dem Einstieg kommt man an den Resten eines Tempels vorbei, von dem noch ein paar Grundmauern und ein Bodenmosaik vorhanden ist.

Wieder einmal eine schöne Tour geschafft!

Areópoli – charmantes Gassenlabyrinth

Wir wollen die Halbinsel von Areópoli auf der Westseite aus erkunden und haben deshalb zwei Übernachtungen hier gebucht. Mit etwa 1.000 Einwohnern gehört der Ort schon zu den größeren Siedlungen der Máni. Wir wohnen zentral und genießen es, am Morgen nur ein paar Schritte zum ersten Kaffee zu schlendern. Oder abends nicht ins Auto steigen zu müssen, um in einer Taverne vor Ort essen zu gehen.

Areópoli hat sich mächtig herausgeputzt. Der Ortskern ist größtenteils autofrei und lädt zum Bummeln ein. Dem Architekturstil dieser Gegend entsprechend sind die Gebäude, Zuwege und Plätze allesamt mit Granitsteinen erbaut – massiv, kantig, trutzig. Die Atmosphäre ist angenehm entspannt. Dabei ist augenfällig, dass vieles auf Tourismus eingestellt ist. Man kommt überall gut mit Englisch zurecht.

Uns werden sicherlich zwei Erlebnisbesuche in Areópoli in Erinnerung bleiben:

1. Die Taverne Bárba Pétros, seit drei Generationen in Familienhand und gegenwärtig von zwei Frauen geführt. Das äußere und das innere Erscheinungsbild dürften sich in den fast 100 Jahren nicht gravierend verändert haben. Straßenseitig wirkt die Wirtschaft eher unscheinbar, und im Innenbereich hat man das Gefühl, hier wurde einfach nur ein Wohnzimmer mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Bei entsprechendem Wetter ist die Dachterrasse ein absolutes Highlight.

Es sind viele Schweinefleischgerichte auf der Speisekarte (zum Beispiel Spanferkel mit Pflaumensoße und Ofenkartoffeln) – die Schweine stammen aus eigener Aufzucht. Die Gerichte sind lecker, authentisch und preislich im mittleren Bereich. Ein Nachtisch wird kostenfrei gereicht.

Speisekarte von Bárba Pétris; der Seniorchef verstarb im September 2025.

2. In Griechenland gibt es keinen Mangel an Bäckereien, und an den meisten Tagen steuern wir eher früher als später eine solche an. Eine Sonderstellung nimmt bei diesem Handwerk die Psomí di Miliás am Ende Fußgängerzone ein.

Die Backwaren duften schon draußen ganz wunderbar, und drinnen ist man überwältigt von der Vielfalt des Angebots. Wenn man Glück hat, kann man der Bäckerin dabei zuschauen, wie sie die Leckereien in den Ofen schiebt oder sie herausnimmt.

Areópoli ist auf jeden Fall bei einer Máni-Reise einen Besuch wert – vielleicht zum Auftanken nach einem intensiven Naturerlebnis?

Gíthio – östliches Tor zur Máni

Die kleine Hafenstadt Gíthio (4.500 Einwohner) ist das Eingangstor zur Máni (dem Mittelfinger des südlichen Peloponnes), wenn man aus Richtung Sparta kommt.

Ein unaufgeregtes Städtchen, zumindest an diesem späten Septembertag 2026, als wir einen Kaffeestopp einlegen und einen Rundgang durch den Ort unternehmen. Das heißt vor allem: an der Uferpromenade entlanggehen. Der Tourismus gibt den Takt vor, überall laden Cafés und Restaurants zum Verzehr ein.

Der Hafen spielt nicht nur als Fährhafen eine Rolle, sondern offensichtlich auch noch für die Fischerei. Die kleinen Fischerboote sind eine Augenweide, wie sie sanft im klaren Wasser schaukeln und tanzende Spiegelbilder erzeugen.

Ein Fischrestaurant hat eine besondere Form der Werbung entwickelt: Es hat Octopusarme aufgehängt, die – so ist nachzulesen – mit Wucht auf die Kaimauer geschlagen und dann in die Sonne gehängt werden, auf dass sie zarter und angenehmer im Geschmack werden.🤔

Die lange Hafenfront hat neben der Gastronomie noch einige Läden zu bieten. Eher geschäftig geht es auf der Platía im nordwestlichen Eck des Hafenbeckens zu. Hier scheint sich das einheimische Leben zu konzentrieren.

Begibt man sich in die Häuserreihe hinter der herausgeputzten Hafenfront, entsteht der Eindruck, dass hier zwar viel schöne Bausubstanz, beispielsweise osmanische Häuser mit Holzbalkonen, vorhanden ist. Aber der Renovierungsbedarf ist bedrückend augenfällig.

Zu den häufig besuchten Orten in Gíthio gehört die Insel Kranái, die Insel der Liebenden. Sie ist seit 1998 über einen Damm mit dem Festland verbunden.

Sie lädt zu einem Spaziergang zum Leuchtturm ein.

Etwa auf halbem Weg passiert man den Pírgos Tzannetákis (1829), einen für die Máni typischen Wohnturm. Er beherbergt ein kleines Museum, das zum Zeitpunkt unseres Besuchs geschlossen war.

Der besondere Charme der Insel Kranái besteht in ihrer mythologischen Überhöhung. Denn hier sollen Prinz Paris und die von ihm entführte Königin Helena ihre erste Liebesnacht verbracht haben, bevor sie sich nach Troja begaben. Es folgte der Trojanische Krieg, der mit Paris‘ Tod und Helenas Flucht nach Rhodos endete.

Kultiges Schiffswrack am Valtáki Beach bei Gíthio

Im nordöstlichen Teil von Máni, dem Mittelfinger des Peloponnes, lädt kurz vor Gíthio ein imposanter Haufen Schrott zum Erkunden und Fotografieren ein: die „Dimitrios“. Das Wrack ist von weither sichtbar – und ganz offensichtlich schon längst kein Stein des Anstoßes mehr.

Da liegt sie, und da bleibt sie: das Wrack Dimitrios.

1980 löste sich das Frachtschiff bei stürmischem Wetter vom Hafenkai in Gíthio und trieb einen Monat im Lakonischen Golf herum, bis es dort auf Grund lief, wo es noch heute liegt. Es heißt, das Schiff sei in Tabakschmuggel zwischen der Türkei und Italien verwickelt gewesen. Und zum Zwecke der Beweisvernichtung sei an Bord Feuer gelegt worden. Sicher ist, dass sich für die sachgemäße Verschrottung niemand zuständig fühlte …

Und heute ist das Geisterschiff Kult, sicherlich auch durch die sozialen Medien.

Wie zu erwarten haben sich auch ein paar Sprayer an der Dimitrios versucht. Ob es sich dabei um „Ship Art“ handelt, mögen andere beurteilen. Auf jeden Fall hat man Farbe ins rostige Einerlei gebracht.

Und dabei auch Humor bewiesen: Wer rastet, der rostet. 😉