Street-Art-Streifzug durch Montpellier (2)

Bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt von Montpellier sind Street-Art-Werke unübersehbar. Sie reichen von Wandkritzeleien über Witziges bis zu anspruchsvollen künstlerischen Statements.

Die 300.000-Einwohner-Stadt in Südfrankreich zeigt sich offen für diese urbane Kunst und beherbergt regelmäßig Street-Art-Festivals, die Künstler aus der ganzen Welt anziehen. Eines der bekanntesten ist das Montpellier Urban Art Festival, bei dem Künstler eingeladen werden, großflächige Murals zu schaffen.

Wir haben uns bei unserem Besuch nicht auf eine gezielte Suche nach Street-Art-Objekten begeben, sondern haben eher dokumentiert, was uns in dieser Hinsicht an Inspirierendem vor die Linse kam. Hier eine Auswahl:

Uns gefällt auch immer sehr, wenn die Rolladen von kleinen Läden kunstvoll gestaltet werden …

… oder wenn das große Hauswand-Format gewählt wird:

Amüsant wird’s manchmal bei kleinen Verschönerungen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar auffallen:

Eine besondere Spielart der urbanen Kunst sind Trompe-l’œil-Darstellungen. Diese illusionistischen Malereien, die das Auge täuschen und dreidimensionale Effekte auf flachen Oberflächen erzeugen, sind an verschiedenen Orten in der Stadt zu finden. Hier ein Beispiel an der Fassade des Hôtel de Varennes in der Altstadt mit täuschend echten Illusionen von Situationen, Fenstern, Balkonen und Säulen, einschließlich Spiegelung einer gegenüberliegenden Kirche:

Echt sind hier nur die Tische und Stühle …

Eine so vielgesichtige Kunst im öffentlichen Raum ist für eine traditionsreiche Stadt wie Montpellier eine echte Bereicherung. Schön, dass wir das erleben durften!

Montpellier – jung und mediterran (1)

Was beim ersten Besuch der 300.000-Einwohner-Stadt im Süden Frankreichs unmittelbar auffällt:

  • Viele junge Menschen – etwa jeder vierte Einwohner ist an der berühmten Universität oder einer der zahlreichen anderen Hochschulen eingeschrieben
  • Fast die ganze historische Altstadt (Écusson) ist Fußgängerzone
  • Die Straßenbahnen sind erfrischend bunt, neu, nicht mit Graffiti beschmiert und immer voll – kein Wunder, weil die Einwohner der Stadt die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei nutzen dürfen
  • Die vielen Cafés und Restaurants haben für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas bieten, einfach phänomenal
  • Das Angebot für Stadtbummler (wie uns) ist äußerst abwechslungsreich und zu Fuß wunderbar zu absolvieren
  • Mediterranes Klima und Flair – die Leichtigkeit ist Balsam für die Seele

Auf der Flucht vor dem Miesepeterwetter in deutschen Gefilden in Richtung Mittelmeer nahmen wir uns Ende Februar 2025 zwei volle Tage Zeit für einen Zwischenstopp in Montpellier.

Die Fahrräder waren selbstverständlich dabei.

Eine eher intuitive und auf jeden Fall gute Entscheidung. Auch unser Hotel, unmittelbar am nordöstlichen Zipfel der Altstadt gelegen (Corum / Palais des Congrés), war optimal gewählt, nicht nur wegen des Tiefgaragenplatzes für unser vollgepacktes Auto.

Nach einem reichlichen Frühstück (natürlich mit Croissants UND Pains au chocolat 😊) machten wir uns zunächst auf den Weg zur Touristeninfo, wo wir uns ein paar Tipps und eine Übersichtskarte abholten. Letztere sollte sich immer wieder als besonders nützlich erweisen: Während der blaue Standortpunkt von Googlemaps in den engen Gassen mit ihren hohen Mauern immer wieder wie ein schwereloser Pingpongball über das Display schwebte, bot uns die Papierkarte stets gut Orientierung. Manchmal scheint Papier wohl doch noch Vorteile zu haben …

Nützlich wie eh und ja: der Stadtplan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Wir ließen uns einfach treiben an diesem schönen sonnigen Tag mit Temperaturen um 15 Grad. Nur der mancherorts kühle Wind erinnerte uns daran, dass nur ein schmaler Streifen Land (12 Kilometer) Montpellier vom Meer trennt und die Jahreszeit nun mal noch keine Sommerkleidung erlaubt.

Der Spaziergang durch die Altstadt führt – abhängig von der gewählten Route – entweder zunächst über breit angelegte Plätze und Avenuen (unsere Route, entlang der Allée des Républicains und Esplanade Charles de Gaulle zur Place de la Comédie) oder unmittelbar durch malerische Mittelaltergassen mit zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten. Charmante Boutiquen, gemütliche Cafés und Restaurants säumen überall den Weg.

Corum / Palais des Congrés
Place de la Comédie
Straßenbahnen als Hingucker

Für Menschen, die gerne mal ihren Gaumen mit Köstlichkeiten aus französischen oder anderen Landen umschmeicheln, ist Montpellier genau richtig.

Es darf auch gerne mal japanische Küche sein.
Selbst Ende Februar findet man sich gerne schon draußen zum gemeinsamen Essen und Trinken ein.

Als typisch französische Stadt hat auch Montpellier einen Hang zur weit ausholenden architektonischen Geste: Diese darf der Besucher zum einen an der Place du Peyrou erleben, Triumphbogen, repräsentative Grünanlagen und Aquädukt inklusive.

Auf der westlichen Seite an die Altstadt angrenzend befindet sich ein weiteres Viertel, das groß und beeindruckend daherkommt. Hier ist der Name Programm. Das Quartier Antigone ist im Stil des Neoklassizismus gehalten und geprägt von wuchtig-symmetrischen Gebäuden, weitläufigen Plätzen und kolossalen Säulen. Es erstreckt sich über etwa zwei Kilometer in Richtung des LezFlusses. Das antike Rom und Athen lässt grüßen …

Einmal am Lez angekommen, bietet sich bei schönem Wetter ein Spaziergang an seinen Ufern an.

Ein Highlight am Fluss ist das Hochhaus L’Arbre Blanc. Der „Weiße Baum“ ist eines der markantesten und innovativsten Gebäude in Montpellier. Dieser außergewöhnliche Blickfang wurde 2019 fertiggestellt und gilt als Symbol für moderne, nachhaltige Architektur, die sich von der Natur inspirieren lässt. Die weit auskragenden Balkone, die in alle Richtungen ragen, ähneln den Ästen eines Baumes und verleihen dem Hochhaus sein charakteristisches Aussehen. Die unregelmäßig angeordneten Balkone schaffen eine dynamische Fassade, die sich je nach Blickwinkel immer wieder neu präsentiert. Das Design des multifunktionalen Gebäudes, das Wohnen (120 Wohnungen), Gastronomie und öffentlichen Raum (Aussichtsplattform) vereint, fördert natürliche Belüftung und Schattenbildung, was wiederum den Energieverbrauch reduziert.

Montpellier wartet nicht nur mit gelungener neuerer Architektur auf. Die Stadt hat mehrere Gebäude aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Besondere Bekanntheit hat ein Gebäudekomplex am Boulevard Henri IV, der den Stadtmauerturm Tour des Pins, die Kathedrale Saint-Pierre und die medizinische Fakultät beherbergt. Die Faculté de Médecine de Montpellier ist eine der ältesten medizinischen Fakultäten der Welt, die kontinuierlich in Betrieb ist. Das Gebäude selbst stammt aus dem 13. Jahrhundert und verfügt über eine reiche Sammlung von medizinischen Artefakten und Büchern. Die historischen Hörsäle und die Bibliothek sind besonders sehenswert.

Eingangsbereich der Kathedrale Saint-Pierre mit links angrenzender medizinischer Fakultät

Und sonst??

Da wäre noch einiges zu erwähnen … Aber uns Kaffeenasen hat auch das Bohnengebräu sehr gemundet, das die Montpelliérain(e)s uns in verschiedenen Varianten zubereitet haben – von bester internationaler Qualität, versteht sich!

Wohlbehalten aus Indonesien zurück!

Hallo! Der eine oder die andere hat es natürlich schon mitbekommen: Wir sind inzwischen wieder zu Hause!

Der Rückweg war erwartungsgemäß etwas zäh, mit zwei langen Flügen (Denpasar – Dubai, Dubai – Frankfurt), dann von Frankfurt mit dem FlixBus in die schwäbische Heimat … Aber so ist das nun mal, wenn man viel von der Welt sehen will.

Wir werden jetzt noch einen Überblicksbeitrag über die Indonesienreise verfassen, einschließlich Karte mit der Reiseroute. Danach werden alle Posts in die reguläre Systematik des Blogs einsortiert.

Tja, und dann ist die Rubrik „Aktuelle Reise“ erstmal wieder leer und ruft „Füll mich!“ – im Moment noch ziemlich leise. Aber wir kennen das. Die Rufe werden rasch lauter und in nicht allzu ferner Zukunft unüberhörbar.

Es gilt: Nach der Reise ist vor der Reise. Und da gibt’s noch sooo viele Ziele 😊.

Was noch bleibt:

Euch ein ganz herzliches Dankeschön sagen. Dass ihr im Geiste mitgereist seid, uns begleitet habt, uns die Daumen gedrückt habt, dass alles gut geht – und wir uns nicht etwa in irgendeinem tiefen Loch im „Bürgersteig“ einer indonesischen Großstadt die Haxen brechen oder von einem Motorroller umgefahren werden oder …

Wir freuen uns schon auf die nächste Reise. Wir nehmen euch wieder mit, ganz klar. Never change a winning team 😉.

BIS BALD!

Unterwegs in Sulawesi: Fundstücke und Begegnungen

Insbesondere bei unserer Rundtour durch den südlichen Teil von Sulawesi verbrachten wir – wenig überraschend – viel Zeit im Auto. Diese Touren waren nicht nur auf ein zu erreichendes Tagesziel ausgerichtet. Auch der Weg dorthin war Teil des Ziels. Denn wir legten immer wieder kurze Stopps ein, die schlaglichtartig eine bestimmte Facette dieses interessanten und immer noch sehr authentischen Teils von Indonesien beleuchteten. An dieser Stelle sind wir unserem Fahrer Syarif („Ari“) zu besonderem Dank verpflichtet. Ohne ihn hätten wir vieles nicht gesehen und aus erster Hand kennengelernt. Zumeist sind es Menschen, die Ari irgendwann einmal bei seinen Touren getroffen und zu denen er eine Beziehung aufgebaut hat.

Wir listen hier einige Mosaiksteine auf, die nur subjektiv und zufällig ausgewählte Teile eines Gesamtbildes sind, aber dennoch zum Verständnis der Vielfalt Indonesiens beitragen können.

  • Besuch bei einer Familie, die vom Palmzucker lebt: Bei unserer Ankunft ist der „Herr des Hauses“ gerade auf eine Palme geklettert. Er klettert in atemberaubender Geschwindigkeit hinunter, um uns begrüßen. Sodann krabbelt er gleich wieder hoch. Wir schauen bei seiner Frau vorbei, die den Saft der Blütenstände von Zuckerpalmen durch Erhitzen und ständiges Rühren zu einem zähen Sirup verkocht, diesen zum Abkühlen in diverse Behälter wie Kokosschalen-Hälften und dergleichen füllt und die Einheiten beispielsweise auf dem Markt verkauft.
An die Palme angelehnt: die Leiter, an der der Kokosbauer in Windeseile hoch- und hinunterklettert – barfuß und ohne irgendeine Sicherung.
  • Besuch bei einer Familie, die eine kleine Weberei in Bira betreibt – wobei das Weben fest in Frauenhand ist.
  • Halt an der Straße, wo eine Gruppe Arbeiter aus dem Fluss Sand gewinnt – und auf diesem Weg zur Unterspülung der Straße beiträgt.
Der Sand wird mit einer Pumpe hochgesogen..
Das Wasser-Sand-Gemisch wird in ein Becken gepumpt.
Trennung von Sand und Wasser durch ein Sieb; das Wasser läuft dann in den Fluss zurück.
  • Ein Motocross-Rennen im Reisfeld, bei dem die Motorräder mit Reissäcken beschwert werden.
  • Auf eine Kokosnuss – ein Schwätzchen mit Kokosnussverkäuferinnen, die nur wenig Englisch konnten, was jedoch nicht wirklich gestört hat 😊.
  • Der Blautopf von Sulawesi: eine Süßwasserquelle, die das Wasser in den schönsten Blautönen schillern lässt. Wir waren die einzigen Besucher und wären sehr gerne hineingesprungen!
  • Die Plastik-Lehrgärten, in denen auf kreative Weise Plastikmüll verarbeitet und gleichzeitig aktive Wissensvermittlung über Pflanzen betrieben wird.
  • Typische Bugihäuser, häufig auf Stelzen, und oft in Gegenden, die Ari mit „fish and rice – no money“ beschreibt
  • Wasserbüffel: Diese starken und prächtigen Tiere kamen in früheren Zeiten auch auf den Reisfeldern zum Einsatz. Heute dient die Wasserbüffelzucht in Sulawesi im Grunde ausschließlich einem Zweck: der rituellen Opferung bei Beerdigungszeremonien. Und bis dahin haben die Kolosse ein feines Leben. Sie werden gehegt und gepflegt. Seltenere Exemplare (mit besonderer Fellprägung, Albinos) erreichen erreichen Verkaufspreise in Höhe von mehreren zehntausend Euro. In Rantepao, dem kulturellen Zentrum von Tana Toraja, gibt es großen Wasserbüffelmarkt, wo die Tiere in regelmäßigen Abständen gehandelt werden.
Bestimmte Futtermittel werden den Wasserbüffeln per Hand verabreicht.
Die Tiere werden rund um die Uhr gepflegt.
Albino
  • Indonesien ist ein Raucherparadies: Die Mehrheit der männlichen Bevölkerung des 263-Millionen-Einwohner-Landes huldigt dem blauen Dunst (57 Prozent) – damit ist Indonesien Spitzenreiter. Man schätzt, dass etwa 270.000 Kinder täglich zur Zigarette greifen. Geraucht wird fast überall, auch in Läden und Restaurants. Sehr beliebt sind insbesondere bei jungen Männern Nelkenzigaretten, die einen hohen Suchtfaktor haben sollen. Der Zugang zu Zigaretten ist sehr niedrigschwellig: Sie sind sehr billig und werden auch einzeln verkauft. Größter Profiteur dieser Entwicklung ist die Tabakindustrie, die hohe Gewinne erzielt und als Sponsor für unterschiedliche gesellschaftsrelevante Organisationen und Veranstaltungen auftritt.
Zum Trocknen am Straßenrand ausgelegte Tabakblätter.

Museum Pasifika in Nusa Dua

Im 2006 gegründeten Museum Pasifika sind in elf Räumen etwa 6.000 Kunstwerke aus dem asiatisch-pazifischen Raum dauerhaft ausgestellt, hauptsächlich Gemälde, aber auch andere Artefakte wie Masken, Statuen, Waffen und Kostüme, die eher indigener Kunst zuzuordnen sind. Besonders spannend fanden wir die Werke von Künstlern im Spannungsfeld der Kulturen, die also aus asiatischer Perspektive europäische Stilrichtungen verarbeiten oder umgekehrt.

Die Dauerausstellung wird ergänzt durch eine Fotosammlung über Frida Kahlo und Diego Rivera, einem der berühmtesten Künsterpaare der Welt, das mehrmals den Ehebund einging und als stilbildend für die Mexikanische Moderne gilt.

Wir fanden den Besuch auf jeden Fall lohnenswert. An besonders heißen Tagen jedoch nur mit Einschränkung, da die Räume zwar mit Deckenventilatoren, aber nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet sind.

Das Gebäude ist repräsentativ, hat eine gute Raumaufteilung und bettet die Kunst in ein angemessenes Ambiente ein. Nur der Raum mit den indigenen Kunstwerken wirkt überladen und vollgestopft. Hier wäre weniger mehr.

Mehr Informationen über das Museum Pasifaka: https://museum-pasifika.com

Nusa Dua – Balis Tourismus-Wunschbild (?)

Unter den Tourismusverantwortlichen von Bali wird immer wieder die Frage einer Kehrtwende diskutiert: Klasse statt Masse. also weg vom Massentourismus mit seinen vielen unangenehmen Begleiterscheinungen hin zum margenstarken Qualitätstourismus? Wer Letzteres einmal in geballter Form in der Praxis erleben möchte, sollte sich nach Nusa Dua begeben.

Nusa Dua liegt etwa 25 Kilometer südlich der balinesischen Hauptstadt Denpasar auf der Ostseite der Halbinsel Bukit. Es geht auf ein in den 1970er- bis 1980er-Jahren von der indonesischen Regierung in Zusammenarbeit mit der Weltbank entwickeltes Projekt zurück, das eine Reihe von strengen Vorgaben erfüllen musste, beispielsweise hinsichtlich der Höhe der Bauprojekte. Dieser Kernbereich ist mit Schranken versehen, aber frei zugänglich. In diesem großen Areal gibt es zahlreiche Hotels der gehobenen und der Luxusklasse, eingebettet in weitläufige Alleen mit Bürgersteigen und Fahrradwegen und gepflegte, großzügig angelegte Grünanlagen, ergänzt durch Einkaufsmöglichkeiten und hochwertige gastronomische Angebote. DAS Markenzeichen für Nusa Dua sind kilometerlange, saubere Strände, die sich den ganzen Küstenabschnitt hinunterziehen. Die Bezeichnung „Nusa Dua“ wird inzwischen auch für die Küstenregion insgesamt verwendet.

Soweit wir feststellen konnten, gibt es keine Beschränkungen des Zugangs zu den Stränden. Die Hotelanlagen und Gastronomiebetriebe reichen also nicht bis ans Wasser. Auch für Besucher, die nicht in einem Hotel wohnen oder in einem Restaurant oder Strancafé zu Gast sind, gibt es überall Sonnenliegen und -schirme zu akzeptablen Preisen zu mieten.

Das ist kein Müll, sondern Seegras.
Der Infinitypool gehört bei vielen Hotels zum Standard.

Fazit: Uns hat die ganze Szenerie an Florida erinnert. Und wir müssen gestehen, dass wir Nusa Dua nach achtwöchiger Indonesienreise mit Blick auf Geräuschkulisse sowie Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum als durchaus erholsam erlebt haben. Und selbstverständlich ist es richtig schön, wenn man mal aus der geschmacklichen Einförmigkeit der indonesischen Küche ausbrechen kann, zum Beispiel mit einem leckeren Ramen in einem japanischen Restaurant:

Nur kam uns diese Nusa-Dua-Welt künstlich vor, sie wirkte blutleer und wenig authentisch. Wer als Europäer diese Art hochwertiger Urlaubsangebote schätzt, muss deswegen nicht um den halben Globus fliegen. Die findet er beispielsweise ebenso in den Mittelmeerländern. Oder er fliegt nur die halbe Strecke und verbringt den Urlaub in einem Resort in Dubai. Nusa Dua entspricht den Ansprüchen, die man international an hochpreisige Strandurlaube hat, mit Bali hat das aber nur noch geografisch zu tun. Denn die „Insel der tausend Götter“ hat viel mehr zu bieten als Kellner und Verkäuferinnen in balinesischen Outfit.

Darüber hinaus scheint uns schwer nachvollziehbar, warum man für eine Übernachtung im „Apurva Kempinski Bali“ mindestens 300 Euro zahlt, wenn man für ein Zehntel dieses Betrags in einem Häuschen im „Jiwana“ wohnen kann – mitten in einem tropischen Garten (aber leider nicht in Strandnähe) 🤔.

Halbinsel Bukit – Surfers‘ Paradise

Bukit ist für Wellenreiter das, was der Wiener Naschmarkt für Gourmets ist: Man kann sich kaum entscheiden, wohin man zuerst gehen sollte. Insbesondere an der Süd- und Westküste reihen sich die Surf-Spots mit bis zu drei Meter hohen Wellen aneinander. Imposante, steile Felsen, die in der Regel nur von kurzen Strandabschnitten unterbrochen werden, beherrschen das Bild. Die Zugänge zum Strand erfolgen oft über steile Treppen beziehungsweise in den Fels gehauene Stufen. Die Möglichkeiten für Schwimmer sind eher begrenzt.

Das ist ganz klar Surfer-Revier, und dies wird nicht erst unmittelbar am Wasser deutlich: Viele Unterkünfte und Läden sind auf die Bedürfnisse der Surfer ausgerichtet (Kleidung, Mietboards, Reparaturservice), und auch die Leih-Scooter haben Hängevorrichtungen für Surfbretter.

Auch gibt es spezielle Foto- und Filmdienstleister, die von den Felsen aus mit hochwertigen Kameras und Teleobjektiven sowie per Drohne aus der Luft die ultimativen Fotos und Filme schießen, die man dann auf seinem Insta-Account präsentieren kann. Sie fangen die Surfer gleich ab, wenn sie nach vollbrachter Wellenkür die Treppen erklommen haben. Da kann wohl kaum jemand widerstehen …

Im Foto- und Filmstudio werden die Aufnahmen professionell optimiert.

Wir sind nach unserem Pura-Luhur-Uluwatu-Besuch etwa anderthalb Kilometer zum nächstbesten Strand gewandert, dem Suluwan Beach, und waren von dem ganzen Szenario sehr angetan. Überall (vorwiegend) junge und fitte Menschen, entweder nach oder gerade vor einem ausgedehnten Wellenritt. Verschiedenste Sprachen, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch. Deutsch, auch mal Russisch, dringen ans Ohr. Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten, dem Treiben im Meer aus luftiger Höhe zuzuschauen, Sitzplätze mit bester Aussicht und guter Versorgung hoch oben auf und an den Klippen.

Es ist einfach faszinierend, was einige Wellenakrobaten zustandebringen. Immer wieder hat man den Eindruck, der Wellenberg hätte sie verschluckt, und dann schlagen sie dem ungestümen Element doch wieder ein Schnippchen und kurven auf ihren schneidigen Brettern am Wellenkamm entlang.

Und wie war das noch gleich mit den „begrenzten Möglichkeiten“ für Schwimmer? Alles eine Frage der Perspektive, besser: der Tide. Denn bei abnehmendem Wasser tun sich für Schwimmer und Badende durch einen kleinen Felsspalt ungeahnte Chancen auf!

Denn das Felsmassiv bietet nicht nur schattige Plätzchen zum Ausruhen, sondern auch Durchgänge, wenn man mal auf die Knie geht.

Und an diesen schwer zugänglichen kleinen Stränden gibt es natürlich auch viele Sammelschätze zu entdecken, wenn man den richtigen Blick dafür hat 😉.

Da fällt der Abschied schon ein wenig schwer 😞.

Pura Luhur Uluwatu mit Brillenklau

Die etwa 140 Quadratkilometer große, im äußersten Süden von Bali gelegene Halbinsel Bukit ist durch eine karge Savannenlandschaft geprägt. Sie ist über die schmale Landzunge von Jimbaran mit dem Rest von Bali verbunden.

Eineder kulturellen Attraktion der Halbinsel ist der 70 Meter über dem Meer thronende Pura Luhur Uluwatu in der Südwestspitze. Der kleine Tempel zählt zu den sechs heiligsten Tempeln Balis. Der Sage nach ist die Felsenklippe das versteinerte Schiff der Göttin der Gewässer, Dewi Danu, die über den Ozean nach Bali kam.

Am Felsrand entlang zieht sich ein gepflasterter Weg
Diesen inneren Tempelbereich dürfen Besucher nicht betreten.

Hanuman ist eine hinduistische Gottheit in Gestalt eines Affen. Auch deshalb sind Affen für Hindus heilig und gern gesehene Tiere. Aber was tun, wenn die possierlichen Zweibeiner gänzlich Unheiliges tun??

Die Affen in der Tempelanlage von Pura Luhur Uluwatu gelten als besonders frech und manchmal auch aggressiv. Daher werden Besucher des Tempels auch darauf hingewiesen, dass sie keinerlei Essbares mitbringen und besonders auf ihre Mützen, Handys und Brillen achtgeben sollten. Tja. Bei unserem Besuch hat sich einer dieser Frechdachse Evas Sonnenbrille (mit Optikergläsern) geschnappt, und zwar der Bursche rechts in diesem Bild, der hier noch ganz friedlich scheint:

Nachdem ich ihn fotografiert hatte, machte er sich zielgerichtet auf den Weg. Er hatte Eva erspäht, die ein paar Meter hinter mir stand, aber von mir abgewandt aufs Meer schaute. Mit ein paar Schritten war der Bursche an mir vorbei. Ich konnte mich nur noch umdrehen und Eva ein „Achtung, Affe!” zurufen. Aber im selben Moment war der Affe bereits an Eva hochgesprungen und hatte ihr die teure Brille vom Kopf gerissen. Ich versuchte, den Affen mit einem Stock dazu zu bringen, von der Brille abzulassen, an der er fleißig herumbog. Dieser ließ sich davon kaum beeindrucken und fauchte mich nur bedrohlich an. Glücklicherweise kam ein Guide dazu, der das Problem souverän löste: Er warf dem Tier ein paar Meter entfernt etwas zu Leckeres zu fressen hin. Sofort verlor der Affe das Interesse an der Brille und sprang hinter dem Leckerli her. Das war die Chance für mich, die Brille zu sichern und mich eilig davonzumachen. Und die Moral von der Geschicht? Eine bessere Alternative wirkt allemal besser als ein Stock 😉.

Erst nach dieser Aktion fiel uns auf, dass auf dem Gelände zahlreiche demolierte Brillen herumliegen. Wir hatten also richtig Glück gehabt!

Die Affen auf Brillenklau schlagen immer wieder zu, allen Warnungen zum Trotz.

(2) Kuta Lombok und die südlichen Strände

Am nächsten Scooter-Tag steuerten wir den Surf- und Badestrand von Selong Blanak an. Er liegt etwa 20 Kilometer westlich von Kuta – gute Straßen, aber viele Steigungen und Kurven.

Selong Blanak ist ein Surfer-Hotspot, insbesondere für Wellenreiter mit wenig Erfahrung. Hier reihen sich die Surfkurs-Anbieter aneinander, ein Warung sowie Liegestühle mit Sonnenschirm gehören stets dazu.

In dieser Welt scheint es ein zentrales Motto zu geben:

Gehobenere gastronomische Ansprüche werden im Strandrestaurant Laut Biru befriedigt.

Ein Strandspaziergang ist vor allem in Richtung Westen interessant, wo man rasch alleine unterwegs ist.

Richtung Osten kommt man nach etwa hundert Metern an ein Fischerdorf, wo viele Boote am Strand liegen, von denen einige zu den Surfschulen gehören. Andere werden noch für den ursprünglichen Zweck, den Fischfang, genutzt.

Man kann wunderbar auf der Liege vor sich hindämmern, den Surfern zuschauen, sich von einer leichten Brise umwehen lassen und dabei das Gefühl für die Zeit verlieren. Wenn sich der Hunger meldet, geht man ein paar Schritte durch den warmen Sand und bestellt sich etwas Leckeres.

Oder man lässt die Füße vom Wasser umspülen und begibt sich auf Schatzsuche – bei Eva immer von Erfolg gekrönt!

Und Fotos zu machen ist natürlich auch eine vergnügliche Beschäftigung!

Das Herz ist all denen gewidmet, die unsere Blogbeiträge so beständig anschauen und auf diese Weise mit uns verbunden sind!

Natürlich gibt es am Strand (an einer Stelle) auch frischen Fisch. Wir bestellten Gemüsereis, frisch gepresste Fruchtsäfte und einen Red Snapper, der vor unseren Augen zubereitet wurde. Himmlisch …

Auf dem Rückweg gerieten wir in eine Hochzeitsprozession, die es wirklich in sich hatte: ein buntes Treiben mit lauter Musik, Tänzern und festlich-lebensfroh gekleideten Menschen.

Das Brautpaar
Neben traditionellen Instrumenten kommt auch viel moderne Technik zum Einsatz.

(1) Kuta Lombok und die südlichen Strände

Nach unseren entspannten Tagen auf Gili Air setzten wir morgens gegen neun Uhr mit einem etwas wackligen Holzboot ans Festland von Lombok über. Wir waren schon etwas erleichtert, dass das Meer ruhig war und das Boot ohne Vorkommnisse gen Bangsal schipperte.

Wir hatten per Kombiticket auch gleich die anschließende Autofahrt nach Kuta gebucht – etwa 75 Kilometer Richtung Süden. Wir teilten das Auto mit einem älteren Paar aus Portugal, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstanden und am Ende der Fahrt die Adressen austauschten, gegenseitige Einladungen aussprechend. Immer wieder schön und erfrischend, die zufälligen Begegnungen mit gleichgesinnten Menschen auf dieser Welt!

Kuta/Lombok gilt als „kleine Schwester“ des weltbekannten Kuta auf Bali. Es übt seit vielen Jahren eine magische Anziehung auf Wellensurfer aus, aber inzwischen kommt auch immer mehr gemischtes Publikum. Der Ort bietet mit seinen vielen Restaurants und Cafés, Boutiquen und Wellness-Studios, Co-Working-Spaces und Geldautomaten vieles, was Reisende aus aller Welt benötigen. Es ist eine Kleinstadt, die sich noch als Dorf anfühlt.

Die Hauptattraktion von Kuta sind mehrere feinsandige Strände, die zum Teil in Felsküste übergehen. Auch der Ort selbst hat einen besuchenswerten Strand, Pandai Kuta. Zu diesem haben wir uns auch gleich am Nachmittag unseres Ankunftstages aufgemacht. Wenn man die Promenade entlanggeht, springt einen der krasse Unterschied zwischen der armen hiesigen Bevölkerung, die hier in einfachsten Holzhütten lebt, und zum Teil mondänen Hotels und Wohnhäusern geradezu an. Der Badeabschnitt von Pandai Kuta bietet kaum Schatten, so dass wir dort nicht länger bleiben konnten.

Was also an den weiteren drei Aufenthaltstagen tun??

Ganz einfach: ein fahrbarer Untersatz musste her, und das heißt in Südostasien, man braucht einen Motorroller!

Diese Gefährte werden überall für kleines Geld vermietet – und niemand fragt nach irgendwelchen Papieren. Das wirkt alles völlig unkompliziert, und wird sehr kompliziert, wenn man einen Unfall hat oder irgendwo mit einem Schaden liegenbleibt. Daher ist das schon abzuwägen.

Wir haben also in unserer Unterkunft einen 125cc-Scooter gemietet und wollten damit ein paar Strände und Sehenswürdigkeiten abfahren. Nach einer kurzen Einweisung habe ich zunächst ein paar Proberunden gedreht und fühlte mich dann ausreichend gewappnet. Dazu sei noch gesagt: Ich bin in meiner Jugend viel Moped gefahren, bin eifriger Radler und kenne den Linksverkehr durch meinen mehrjährigen Englandaufenthalt.

Die erste Aktion war dann das Tanken, was sich in Indonesien so darstellen kann:

Tankstelle mit Wäscheservice
Drei Flaschen und der Tank ist voll 😉.

Und dann waren wir startklar für unsere erste gemeinsame Rollertour!

Also auf zum Tanjung Aan östlich von Kuta. Dort angekommen haben wir uns gleich eine Sonnenliege mit Schirm gemietet, und es war klar, dass dieser lange Sandstrand unser Aufenthaltsort für den Nachmittag bleiben sollte. Schwimmen, spazieren, etwas essen, eine Kokosnuss schlürfen, vielleicht ein kühles Bintang …

Die Surfer lassen sich mit kleinen Booten zum Riff fahren, wo die besten Wellen sind.

Man sagt, die Wellen hier seien gut für Anfänger geeignet.
Schööööööön …

Sehr unterhaltsam waren die Verkäuferinnen von Sarongs und Armkettchen, die erstaunlich gutes Englisch sprechen und mit viel Einsatz, Humor und Geschick ihre Waren an den Mann oder die Frau brachten.

Und so war‘s dann (wieder einmal) ein Tag zum Einrahmen 😊.