Montpellier – jung und mediterran (1)

Was beim ersten Besuch der 300.000-Einwohner-Stadt im Süden Frankreichs unmittelbar auffällt:

  • Viele junge Menschen – etwa jeder vierte Einwohner ist an der berühmten Universität oder einer der zahlreichen anderen Hochschulen eingeschrieben
  • Fast die ganze historische Altstadt (Écusson) ist Fußgängerzone
  • Die Straßenbahnen sind erfrischend bunt, neu, nicht mit Graffiti beschmiert und immer voll – kein Wunder, weil die Einwohner der Stadt die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei nutzen dürfen
  • Die vielen Cafés und Restaurants haben für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas bieten, einfach phänomenal
  • Das Angebot für Stadtbummler (wie uns) ist äußerst abwechslungsreich und zu Fuß wunderbar zu absolvieren
  • Mediterranes Klima und Flair – die Leichtigkeit ist Balsam für die Seele

Auf der Flucht vor dem Miesepeterwetter in deutschen Gefilden in Richtung Mittelmeer nahmen wir uns Ende Februar 2025 zwei volle Tage Zeit für einen Zwischenstopp in Montpellier.

Die Fahrräder waren selbstverständlich dabei.

Eine eher intuitive und auf jeden Fall gute Entscheidung. Auch unser Hotel, unmittelbar am nordöstlichen Zipfel der Altstadt gelegen (Corum / Palais des Congrés), war optimal gewählt, nicht nur wegen des Tiefgaragenplatzes für unser vollgepacktes Auto.

Nach einem reichlichen Frühstück (natürlich mit Croissants UND Pains au chocolat 😊) machten wir uns zunächst auf den Weg zur Touristeninfo, wo wir uns ein paar Tipps und eine Übersichtskarte abholten. Letztere sollte sich immer wieder als besonders nützlich erweisen: Während der blaue Standortpunkt von Googlemaps in den engen Gassen mit ihren hohen Mauern immer wieder wie ein schwereloser Pingpongball über das Display schwebte, bot uns die Papierkarte stets gut Orientierung. Manchmal scheint Papier wohl doch noch Vorteile zu haben …

Nützlich wie eh und ja: der Stadtplan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Wir ließen uns einfach treiben an diesem schönen sonnigen Tag mit Temperaturen um 15 Grad. Nur der mancherorts kühle Wind erinnerte uns daran, dass nur ein schmaler Streifen Land (12 Kilometer) Montpellier vom Meer trennt und die Jahreszeit nun mal noch keine Sommerkleidung erlaubt.

Der Spaziergang durch die Altstadt führt – abhängig von der gewählten Route – entweder zunächst über breit angelegte Plätze und Avenuen (unsere Route, entlang der Allée des Républicains und Esplanade Charles de Gaulle zur Place de la Comédie) oder unmittelbar durch malerische Mittelaltergassen mit zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten. Charmante Boutiquen, gemütliche Cafés und Restaurants säumen überall den Weg.

Corum / Palais des Congrés
Place de la Comédie
Straßenbahnen als Hingucker

Für Menschen, die gerne mal ihren Gaumen mit Köstlichkeiten aus französischen oder anderen Landen umschmeicheln, ist Montpellier genau richtig.

Es darf auch gerne mal japanische Küche sein.
Selbst Ende Februar findet man sich gerne schon draußen zum gemeinsamen Essen und Trinken ein.

Als typisch französische Stadt hat auch Montpellier einen Hang zur weit ausholenden architektonischen Geste: Diese darf der Besucher zum einen an der Place du Peyrou erleben, Triumphbogen, repräsentative Grünanlagen und Aquädukt inklusive.

Auf der westlichen Seite an die Altstadt angrenzend befindet sich ein weiteres Viertel, das groß und beeindruckend daherkommt. Hier ist der Name Programm. Das Quartier Antigone ist im Stil des Neoklassizismus gehalten und geprägt von wuchtig-symmetrischen Gebäuden, weitläufigen Plätzen und kolossalen Säulen. Es erstreckt sich über etwa zwei Kilometer in Richtung des LezFlusses. Das antike Rom und Athen lässt grüßen …

Einmal am Lez angekommen, bietet sich bei schönem Wetter ein Spaziergang an seinen Ufern an.

Ein Highlight am Fluss ist das Hochhaus L’Arbre Blanc. Der „Weiße Baum“ ist eines der markantesten und innovativsten Gebäude in Montpellier. Dieser außergewöhnliche Blickfang wurde 2019 fertiggestellt und gilt als Symbol für moderne, nachhaltige Architektur, die sich von der Natur inspirieren lässt. Die weit auskragenden Balkone, die in alle Richtungen ragen, ähneln den Ästen eines Baumes und verleihen dem Hochhaus sein charakteristisches Aussehen. Die unregelmäßig angeordneten Balkone schaffen eine dynamische Fassade, die sich je nach Blickwinkel immer wieder neu präsentiert. Das Design des multifunktionalen Gebäudes, das Wohnen (120 Wohnungen), Gastronomie und öffentlichen Raum (Aussichtsplattform) vereint, fördert natürliche Belüftung und Schattenbildung, was wiederum den Energieverbrauch reduziert.

Montpellier wartet nicht nur mit gelungener neuerer Architektur auf. Die Stadt hat mehrere Gebäude aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Besondere Bekanntheit hat ein Gebäudekomplex am Boulevard Henri IV, der den Stadtmauerturm Tour des Pins, die Kathedrale Saint-Pierre und die medizinische Fakultät beherbergt. Die Faculté de Médecine de Montpellier ist eine der ältesten medizinischen Fakultäten der Welt, die kontinuierlich in Betrieb ist. Das Gebäude selbst stammt aus dem 13. Jahrhundert und verfügt über eine reiche Sammlung von medizinischen Artefakten und Büchern. Die historischen Hörsäle und die Bibliothek sind besonders sehenswert.

Eingangsbereich der Kathedrale Saint-Pierre mit links angrenzender medizinischer Fakultät

Und sonst??

Da wäre noch einiges zu erwähnen … Aber uns Kaffeenasen hat auch das Bohnengebräu sehr gemundet, das die Montpelliérain(e)s uns in verschiedenen Varianten zubereitet haben – von bester internationaler Qualität, versteht sich!

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